Neues Kapitel im Brückenchaos

Wegen der Asphaltarbeiten war am Sonntag auch der Schleichweg durch Bartenbach gesperrt. Das sorgte bei den Verkehrsteilnehmern für einige Verwirrung.

Dass die Ortsdurchfahrt Bartenbach am Sonntag wegen Belagsarbeiten voll gesperrt wurde, war offenbar noch nicht jedem klar. Reihenweise fuhren Autos und Motorräder heran. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Dass die Ortsdurchfahrt Bartenbach am Sonntag wegen Belagsarbeiten voll gesperrt wurde, war offenbar noch nicht jedem klar. Reihenweise fuhren Autos und Motorräder heran. Foto: J. Fiedler

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. Wieder einmal sind die Wellen hochgeschlagen an der Brückenbaustelle in Bartenbach. Dies-mal lag der Schwerpunkt der Wogen allerdings im benachbarten Schleißweiler, denn nach Bartenbach kam man am vergangenen Sonntag von Murrhardter Seite her schon gar nicht rein: Der Straßenbelag wurde erneuert. Zur Absicherung hatte die Baufirma neben der Absperrbarke gleich noch einen Lkw quer über die Fahrbahn der L1066 gestellt. Vor dem bildete sich von Mittag an eine kilometerlange Schlange, vor allem von Sonntagsausflüglern. In festem Vertrauen darauf, dass der Schleichweg sicherlich noch erreichbar wäre, werden die neuen Hinweisschilder schlichtweg ignoriert.

Die meisten wenden brav, versuchen ihr Glück dann aber in Schleißweiler. Zum Beispiel noch vor der Brücke illegalerweise über den Radweg in die Aladinstraße und weiter über die Grimmstraße und die (rote!) Baustellenampel Richtung Sulzbach an der Murr. Bis ein Streifenwagen der Polizei sich demonstrativ dort platziert. Oder in der Ortsmitte entgegen der Einbahnregelung über den Feldweg zur Sulzbacher Industriestraße. Von dort kommt gegen Nachmittag aber auch zunehmend Gegenverkehr.

Die meisten fahren die schmale Dorfstraße geradeaus über den Bahnübergang, wo sie dann die Auswahl zwischen drei verschiedenen Sackgassen haben. Mancher folgt seinem Navi und nimmt die mittlere Sackgasse Richtung Wanderheim Eschelhof. Die Straße ist wohl frei, aber wegen der vielen Wanderer an Sonn- und Feiertagen für Kraftfahrzeuge gesperrt. Also heute auch – illegal. Wohin sich die vielen einsichtigen Autofahrer letztlich nach dem mühsamen Wenden gewendet haben, ist unklar, denn die nächstgelegenen Ausweichstrecken über Trailhof oder Harbach sind ebenfalls beliebte Wanderrouten und deshalb an Sonn- und Feiertagen für motorisierte Ausflügler verboten.

Für die Bewohner des sonst so ungestörten Dörfleins Schleißweiler war es jedenfalls alles andere als ein geruhsamer Sonntag. Man fühlte sich wie zur Rushhour in der Großstadt, ließ Kinder, Hunde und Katzen besser gar nicht auf die Gass. Und man fragte sich: Wieso ausgerechnet heute? „Wegen dem Bus“, erklärt Bauunternehmer Thorsten Seidle, der seit Anfang Juli federführend die Bauarbeiten managt. Dessen Tour führt nämlich zwangsweise über die Märchenstraße, wie die L1066 in Bartenbach heißt, und wurde für diesen Sonntag gänzlich gestrichen. Außerdem fällt sonntags sowohl der Berufsverkehr als auch der Lkw-Verkehr weg. Dafür hieß es für den Bautrupp besonders früh aufstehen: „Um 5 in der Früh hab ich die Schilder aufgestellt“, berichtet Seidle, „um halb 6 haben wir angefangen mit Asphaltieren.“ Bis zum nächsten Morgen musste der Asphalt ausgekühlt und tragfähig sein, wenn kurz nach vier Uhr der Linienbus seine erste Runde dreht.

Ein Fahrzeug stand plötzlich im warmen Asphalt.

Die Bartenbacher freuen sich über den neuen Belag, der auf einen künftig geringeren Verkehrslärm hoffen lässt, und haben ihn mit Zähnen und Klauen verteidigt, wie man hört. Zum Beispiel gegen den Motorradfahrer, der nach Abzug der Baumaschinen frech über die frisch geteerte Straße gefahren ist. Es kam anscheinend zu heftigen, verbalen Auseinandersetzungen. Allerdings soll es auch schwarze Schafe unter den Einheimischen geben, wie der Bautrupp kopfschüttelnd berichtet: „Da ist einer um den Laster rumgefahren und hat dann auch noch die Absperrung zur Seite gestellt, damit er durchkommt.“ Als er dann im warmen Asphalt stand, habe er wohl gesehen: „Oh, die schaffen da noch. Geht wohl doch nicht.“ Dann habe er auf der Stelle gewendet und dabei natürlich den frischen Belag verzogen. „Wir haben da dann noch mal drübergewalzt, aber wenn’s dumm läuft, muss man das noch mal auffräsen und neu machen.“ Deshalb hat man nach Abschluss der Arbeiten statt des Lkw gleich die gewaltige Straßenwalze quer gestellt – als Holzhammermethode sozusagen.

Nach Angaben der Polizei, die informiert wurde und vormittags und abends stundenweise vor Ort war, wurden übrigens keine Verkehrsverstöße festgestellt. Offenbar reicht die pure Präsenz der Ordnungshüter, um Verkehrsteilnehmer an die genaue Bedeutung von Verkehrszeichen zu erinnern. „Außer einem Motorradfahrer, der wohl durch die frisch geteerte Straße gefahren ist“, schränkt Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier ein.

Eigentlich sollte Ende dieser Woche die Vollsperrung nach gut zwei Monaten wieder in eine Teilsperrung mit Ampelregelung umgewandelt werden. Derzeit wartet man aber auf trockenes Wetter, um die Abdichtung der Tragfläche durchführen zu können. Laut Regierungspräsidium lässt sich dies wohl nicht verwirklichen, die Vollsperrung muss demnach verlängert werden. Dem Verlauten nach soll am übernächsten Sonntag auf der anderen Seite der Brücke asphaltiert werden. Dort ist mit deutlich weniger Chaos zu rechnen.

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Erstellt:
6. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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