Neueste Kinofilme schon vor allen anderen sehen

Das Kino Universum sucht zehn filmbegeisterte Kinder für die erste baden-württembergische Jugendfilmjury. Noch vor allen anderen bekommen diese die neuesten Filme im Kino zu sehen, sie diskutieren danach über den Film, verfassen eine Bewertung für Gleichaltrige und sind zum Teil auch auf Filmfestivals zu Besuch.

Das Kino ganz für sich: Eine Jugendfilmjury vor der Coronapandemie. Foto: Deutsche Film- und Medienbewertung

Das Kino ganz für sich: Eine Jugendfilmjury vor der Coronapandemie. Foto: Deutsche Film- und Medienbewertung

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Den neuesten Blockbuster, das neueste Drama oder spannende Dokumentarfilme schon Wochen vor dem Kinostart sehen und dabei das Kino fast für sich alleine haben? Und danach noch die eigene Meinung mit anderen Filmbegeisterten diskutieren? Ein Traum für viele Kinofans. Für Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren könnte dieser Traum demnächst wahr werden. Im Backnanger Kino Universum soll bald eine Jury aus zehn Kindern Kinder- und Jugendfilme bewerten. Gemeinsam mit der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) sucht das Kino Universum nun nach filmbegeisterten Jugendlichen, die Bewerbungsfrist endet am 12. April.

Bei der Jugendfilmjury geht es darum, dass Kinder und Jugendliche die Filme mit ihrem eigenen Blick und ganz eigenen Kriterien für ihre Altersgruppe einschätzen. „Die Bewertung ist von Kindern für Kinder“, sagt Annegret Eppler vom Universum. Die Filmkritiker und das Zielpublikum seien so von Interessen und Sprache her auf einer Ebene. „Das ist viel ehrlicher, als wenn Erwachsene versuchen, eine Filmkritik für Kinder runterzubrechen.“ Gesucht werden also nicht nur Kinder, die sich für Kino und Film begeistern, sondern die auch eine eigene Meinung zu den jeweiligen Filmen haben und diese mitteilen wollen. „Die Kinder sollten offen und ehrlich sein und sich auch wirklich mit Filmen auseinandersetzen wollen“, sagt Eppler.

Auch Besuche von Filmfestivals gehören zum Juryalltag dazu.

Aber als Filmjuror geht es nicht nur darum, den Film anzuschauen und ein „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ zu geben. Die Aufgabe ist für die Kinder durchaus zeitaufwendig. Etwa alle sechs bis acht Wochen trifft sich die Jury an einem Samstag, um einen neuen Film zu bewerten. Pro Film sollten sie rund fünf Stunden einplanen. Denn nach dem Anschauen geht es an die eigentliche Arbeit: besprechen, Meinungen austauschen, Kriterien festlegen und letztlich eine gemeinsame Bewertung niederschreiben. Betreut werden die Kinder dabei von Julia Eppler.

Die Bewerbung, so Bettina Buchler von der FBW, sei deshalb recht ausführlich, den Kindern sollte klar sein, dass es eine Aufgabe ist. „Wir versuchen außerdem, die Jurys für etwa zwei Jahre zusammenzuhalten“, sagt sie. Denn dann sei bei den Kindern einiges an Erfahrung bei der Filmbewertung da, als Gruppe sei man zusammengewachsen. „Viele haben aber so viel Spaß, sie wollen auch nach zwei Jahren noch weitermachen. Diese sind dann in der 14-plus-Jury tätig.“ Für die Organisatoren ist es wichtig, dass die Kinder auch längerfristig Interesse an dem Programm haben. Denn um die Filme bewerten zu können, bekommen die ausgewählten Jurymitglieder ein Wochenendseminar, in dem sie sich mit den Grundlagen der Filmkritik beschäftigen und sich damit auseinandersetzen, was eigentlich einen guten Film ausmacht. Welche Kriterien ihnen dabei wichtig sind, erarbeiten sich die Kinder selbst. Das Seminar soll auch im Kino Universum stattfinden, sobald die Pandemie solche Treffen wieder zulässt.

Die Juryarbeit ist zwar viel Arbeit, so Buchler, aber die Kinder nehmen auch sehr viel mit. Nicht nur, dass sie neueste Kinofilme vor allen anderen ansehen können, sondern auch viel Erfahrung. „Durch die Diskussion und den Austausch wird außerdem die Toleranz für andere Meinungen und Offenheit gestärkt“, meint sie. „Und auch Filmbildung und Medienkompetenz nehmen sie mit.“ Gerade deshalb unterstützt die Backnanger Kreiszeitung das Projekt als Medienpartner: „Schon das Vermitteln von Medienkompetenz finden wir einfach super. Und das Schreiben von Filmkritiken geht ja sogar in den journalistischen Bereich“, sagt Brigitte Janus, Geschäftsführerin der Backnanger Kreiszeitung.

Die Bewertungen der Jugendfilmjury werden den Verleihern der Filme mitgeteilt, mit einem Newsletter an Filminteressierte verschickt und bundesweit öffentlich gemacht. Dadurch und durch Vorstellungen auf Filmfestivals bekommen die Kinder Selbstvertrauen und lernen ganz neue sprachliche Kompetenzen.

Für die Jury in Backnang werden nun zuallererst filmbegeisterte Kinder gesucht. Wer aber noch viel tiefer in die Filmwelt eintauchen und hinter die Kulissen blicken will, der kann über die Juryarbeit wertvolle Kontakte knüpfen, so Buchler. „Jurys, die länger miteinander arbeiten, werden manchmal auch von Drehbuchautoren angesprochen, um im Vorfeld schon eine Meinung abzugeben.“ Zum Beispiel haben die Jugendfilmjurys Berlin und Erfurt bei einem Sommerprojekt 16 Drehbücher für den höchstdotierten Drehbuchpreis „Kindertiger“ gelesen. Außerdem treffen die Kinder bei den Festivals oft direkt auf die Filmschaffenden und Schauspieler, zum Teil stehen die Kinder bei solchen Veranstaltungen sogar mit auf der Bühne und interviewen Regisseure oder Autoren ganz selbstständig.

Die Jury in Backnang wird die erste in Baden-Württemberg sein. Annegret Eppler, die Eigentümerin des Universum-Kinos in Backnang, freut sich sehr über die Wahl ihres Kinos. Die Familie Eppler sei in der Kinoszene als besonders engagiert bekannt, weshalb die Deutsche Film- und Medienbewertung direkt auf die sie zugegangen ist. „Sie sind in Verbänden sehr engagiert und haben bei der Programmauswahl einen hohen Anspruch“, erklärt Buchler die Entscheidung. Nicht nur Kassenschlager werden ins Programm aufgenommen, sondern auch wertvolle Nischenfilme. Vor Ort brauche man genau solche Kinos als engagierte Partner, die „das Projekt immer weiter befeuern“.

Die FBW übernimmt die Organisation, teilt ein, welche Jury welchen Film anschauen soll, und organisiert diese von den nationalen und internationalen Verleihern. „Wir achten darauf, dass die Jurys eine gute Mischung bekommen. Mal einen Animationsfilm, mal eine Dokumentation“, sagt Buchler. Dabei gehe es zum einen um große und sehr bekannte Filme, aber auch um Nischenfilme, die die Kinder sonst vielleicht nicht angeschaut hätten. Die Ergebnisse der Bewertungen kommen dann auf die Website der Jugendfilmjury, zusammen mit einem Prädikat für den jeweiligen Film.

So bewirbt man sich

Bewerben können sich alle Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren, sie müssen nicht zwingend aus Backnang kommen. Bewerbungsschluss ist Montag ,12. April.

Für ihre Bewerbung müssen die Kinder ein Bewerbungsformular ausfüllen und eine kurze Filmkritik über ihren eigenen Lieblingsfilm schreiben. Der muss nicht aktuell sein, ein Film aus den letzten Jahren ist völlig in Ordnung. Die Kritik sollte zwischen einer halben und einer DIN-A4-Seite lang sein und beinhalten, was an dem Film besonders gut gefallen hat. War der Film besonders lustig, spannend, gruselig oder hat die Action besonderen Spaß gemacht? War die Landschaft schön, in der der Film spielte? Hat die Musik gepasst? War die Story fesselnd? Oder gab es vielleicht auch einzelne Sachen, die nicht gelungen waren?

Weitere Informationen sowie das Bewerbungsformular gibt es auf der Website der Jugendfilmjury unter https://jugend-filmjury.com und unter folgendem Link: https://bit.ly/39cpnt2.

Die Backnanger Kreiszeitung unterstützt das Kino Universum bei der Jurybildung als Medienpartner. Die Jugendfilmjury ist ein gemeinsames Projekt der Deutschen Film- und Medienbewertung in Zusammenarbeit mit bundesweiten Partnern.

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Erstellt:
26. März 2021, 06:00 Uhr

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