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Oben auf der Wunschliste: Freies WLAN

Sozialpädagoge Georg Stenkamp berichtet über Erfahrungen mit Hotspots – Veranstaltung lässt Jugendbeteiligung vermissen

Beim Jugendhearing im Rahmen der Beteiligungswochen Weissacher Tal und Althütte im November 2017 hatten Jugendliche die Gelegenheit, ihre Anliegen vorzubringen. Neben Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr ist ihnen die Einrichtung freien WLANs an der Schule wichtig. Nach dem Ergebnis des Jugendhearings fand jetzt eine Informationsveranstaltung zum Thema statt – nur leider ohne größere Jugendbeteiligung.

Sozialpädagoge Georg Stenkamp erzählte über seine Marbacher Erfahrungen. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Sozialpädagoge Georg Stenkamp erzählte über seine Marbacher Erfahrungen. Foto: A. Becher

Von Carmen Warstat

WEISSACH IM TAL.In der kleinen Mensa des Bize hatten sich gerade mal ein Dutzend Personen versammelt, darunter einige Lehrkräfte, mehrere Bürgermeister und Sozialarbeiter. Jugendliche? – Fehlanzeige. Der Kreisjugendring (KJR), unter anderem vertreten durch Angelika Roth, hatte einen Referenten eingeladen, der die Frage „WLAN und Schule – wie passt das zusammen?“ in den Raum stellte und seine Marbacher Erfahrungen mitteilte. Georg Stenkamp, Sozialpädagoge, langjähriger Leiter des Jugend-Kultur-Hauses planet-x in Marbach am Neckar und seit 2014 Koordinator des „Marbacher Modells der Jugendbeteiligung“, Jahrgang 1962, kommt „eigentlich aus dem Ruhrpott“ und lebt seit 1994 in Marbach.

Er stellte den Ort als „Schillerstadt, aber auch Schülerstadt“ vor. Immerhin sei der fünfte Jahrgang des Friedrich-Schiller-Gymnasiums nicht weniger als zwölfzügig, habe Marbach vier weiterführende Schulen, fast 4000 Schüler und 276 Klassensprecher. Die Schüler sind, Fahrzeiten nicht mitgerechnet, pro Woche knapp 40 Stunden außer Haus beziehungsweise in der Schule, da sei der Wunsch nach der Möglichkeit, etwa die sozialen Netzwerke zu checken verständlich und legitim. Das Thema Jugendbeteiligung (nach Stenkamps Ansicht besser: Jugendfreundlichkeit) wurde in Marbach bereits 2014 in Angriff genommen. 2016 wählte eine Jury bestehend aus acht Mitgliedern von Schüler-Mitvertretungen aus 380 Vorschlägen eine Top-Ten-Liste und sechs Petitionen aus, und der Gemeinderat verabschiedete das „Marbacher Modell der Jugendbeteiligung.“ Auch hier stand freies WLAN auf dem Schulhof ganz oben auf der Liste. Der Referent berichtete über „heiße Diskussionen“ und die drei Bedingungen der Rektoren: Keinerlei Haftung durch die Schule, keinerlei Kosten für den Schuletat und Bereitstellung des freien WLANs nur in den Mittagspausen.

Weiter ging Stenkamp auf die Finanzierung des Projektes ein und informierte über die Sicherheitseinstellungen der Hotspots mit Filtern, die indizierte und nicht jugendfreie Seiten sperren. Inzwischen ist das Projekt realisiert, und auch die Wünsche der Jugendlichen nach Handy-Ladestationen und Chillräumen konnten erfüllt werden. Man überlegt nun, das WLAN-Zeitfenster eventuell zu erweitern auf die Stunden vor und nach Schulbeginn. In der sich anschließenden Aussprache über die Situation im Weissacher Bildungszentrum herrschte Einigkeit darüber, dass die erforderlichen Mittel vorhanden und das Ob keine Frage sei. Es gehe hauptsächlich um das Wie. Und dafür müssten unbedingt Schüler aktiv werden. Nachdem die Rahmenbedingungen stehen, sollten die Jugendlichen, die das freie WLAN wünschen, etwas dafür tun und Arbeitsgruppen bilden, die die Dinge in die Hand nehmen, so der Konrektor der Realschulabteilung des Bize Christian Zeller. Der Zweckverbandsvorsitzende Ralf Wörner plädierte unter anderem dafür, das Thema WLAN nicht unkritisch zu thematisieren, sondern auch handyfreie Zonen zu belassen, andererseits aber auch nicht auf Verbote zu setzen.

Nach der Besprechung einiger Detailfragen wurden die nächsten Schritte markiert. Der Kreisjugendring wird nun wieder auf die Schüler zugehen, um ein weiteres Treffen zu vereinbaren. Indes hofft Angelika Roth auf wirkliche Jugendbeteiligung, auch, aber nicht nur bei der „!COMParty“ am kommenden Samstag ab 20 Uhr in der Seeguthalle. Ab 19 Uhr freier Eintritt für Jugendliche ab 14 Jahren.

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Erstellt:
26. September 2018, 06:00 Uhr

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