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Oppenheimerplatz schreit nach Wandel

Bezirksvorsteherin Kienzle fordert fast ultimativ die Aufwertung

1998 ist eine Fläche im Stadtzentrum nach Joseph Süß Oppenheimer benannt worden, einem jüdischen Opfer abscheulichster Verbrechen. Das Versprechen, den Unort aufzuwerten, wurde bis heute nicht eingelöst.

Stuttgart Eigentlich ist es ein Hinterhof. Flankiert von rückseitigen Fassaden, frequentiert von Anlieferverkehr, dominiert von der Einfahrt in eine Tiefgarage und malträtiert durch Megabaustellen. Das soll ein Platz sein? Als solcher ist die Fläche zwischen Neuer Brücke und Turmstraße tatsächlich ausgewiesen, seit 20 Jahren nach Joseph Süß Oppenheimer benannt. Nun endlich soll sie ansprechender werden.

Auf einem Schild stehen die knappen Informationen zum Namenspatron: geboren 1698, gestorben 1738. Dass er Württember-ger Geheimer Finanzrat war. Und ermorde-tes jüdisches Justizopfer. Dürre Hinweise darauf, dass der Jude Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer aufgrund von Anti-semitismus auf abscheulichste Weise hingerichtet wurde: am Galgen mit einem Strick erdrosselt und dann sechs Jahre lang in einem Käfig zur Schau gestellt. Diesem Mann, der durch das Zerrbild seiner Person im Nazi-Hetzfilm „Jud Süß“ ein zweites Mal zum Opfer gemacht wurde, Rehabilitation und Gedenken zuteilwerden zu lassen war in Stuttgart lang versäumt worden. Bis die Stiftung Geißstraße 7 Figur und Schicksal wieder ins Bewusstsein der Bürger holte und vorschlug, eine Straße oder einen Platz nach Süß Oppenheimer zu benennen.

„Das war in Absprache mit Ignaz Bubis, damals Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland“, erinnert sich Kienzle. „Bubis war mit diesem Vorhaben sehr einverstanden“, versichert die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte. Die Stadt sei auch willens gewesen, habe aber nur zwei Orte anbieten können: entweder sehr peripher an der Gemarkungsgrenze zwischen Feuerbach und Weilimdorf gelegen oder diesen Platz. „Wir haben diesen Innenstadt-platz akzeptiert, aber von vornherein mit der Bedingung, dass der Platz gestaltet wird“, betont Kienzle. Am 15. Oktober 1998 war es dann so weit: Zum 300. Geburtstag des Namenspatrons wurde der Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz im Beisein von Bubis und dem damaligen OB Wolfgang Schuster eingeweiht. „Ein Versprechen, das nie eingelöst wurde“, so Veronika Kienzle. Nach 20 Jahren sei die Sache nun überfällig, denn es gehe auch um eine geistige Haltung.

Tatsächlich ist der Platz wieder ein Thema im Rathaus, und Klaus Volkmer vom Stadtplanungsamt ist darüber im Gespräch mit Baubürgermeister Peter Pätzold. Die wichtigste Frage dabei: Was ist hier überhaupt möglich? „Der Platz hat das Potenzial für mehr Aufenthaltsqualität“, meint Veronika Kienzle. Das habe sich beim Straßenfest Ende Oktober gezeigt, mit dem man zum 320. Geburtstag von Oppenheimer auf den Platz und die unbefriedigende Situation aufmerksam machte. Da füllten viele Besucher den „Unort“ (Kienzle) mit munterem Leben. Auch dank des Café-Bistros Consafos, das den benachbarten Baustellen tapfer trotzt und sich großer Beliebtheit erfreut.

Mehr Grün, heißt die erste und immer naheliegende Idee. Große Bäume verbieten sich hier aber, weil drunter die Tiefgarage liegt. An ihrer Einfahrt, „dem Schlund in die Tiefe“ (Kienzle), führt auch kein Weg vorbei. Dort stehen, nebenbei gesagt, im Moment überquellende Müllcontainer kreuz und quer, die den Anblick nicht schöner machen. Kienzle plädiert für Begrünung der Fassaden und der monströsen Abluftschornsteine der Tiefgarage. Außerdem müsse ein neues Beleuchtungskonzept den Platz aus dem Hinterhofdunkel holen. Und da das Straßenschild nur marginale Informationen zu Oppenheimer biete, sei eine Stele mit ausführlicherem Text nötig: „An der Textgestaltung könnte man die Bürger beteiligen.“

Dann holt Volkmer einen weiteren Vor-schlag aus seiner Ideenmappe: Eine Oppenheimer-Skulptur der Stuttgarter Bildhauerin und Alfred-Hrdlicka-Schülerin Angela Laich, die schon einmal als Leihgabe im Rathaus stand – Ob man sie hier platzieren und diesbezüglich bei der Künstlerin nachfragen sollte? Denn bei allen Unzulänglichkeiten des Platzes hält ihn Volkmer aufgrund des historischen Bezuges für goldrichtig: „In der Turmstraße 1 war die Münze, die Oppenheimer als Geheimer Finanzrat von Herzog Eberhard Ludwig errichten ließ.“

Veronika Kienzle ignoriert bewusst das übliche langwierige Prozedere im Rathaus mit Beratung, Vorlage und Beschluss. „Auf jeden Fall wollen wir im Frühjahr 2019 schon was sehen. Es muss ein Zeichen gesetzt werden, und wenn es nur eine Bank ist.“

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Erstellt:
27. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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