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Persönliche Einblicke in die Geschichte

Neues Heimatbuch „Geschichten-Erzähler“ in Althütte vorgestellt – Bürger berichten darin aus ihrem eigenen Leben

Es sind sehr persönliche Einblicke in die Geschichte der Gemeinde Althütte in vergangenen Zeiten. Rolf Rau, Daniela Hertler und Petra Schweitzer haben sich mit älteren Menschen unterhalten und deren Erinnerungen niedergeschrieben. Entstanden ist das Buch „Geschichten-Erzähler“ mit spannenden Zeitzeugenberichten und kurzweiligen Anekdoten.

Präsentierten das neue Heimatbuch „Geschichten-Erzähler“ im Rahmen des Landfrauencafés in der Festhalle Althütte (von links): Sindy Horn, Petra Schweitzer, Rolf Rau, Daniela Hertler, Markus Frank und Bürgermeister Reinhold Sczuka. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Präsentierten das neue Heimatbuch „Geschichten-Erzähler“ im Rahmen des Landfrauencafés in der Festhalle Althütte (von links): Sindy Horn, Petra Schweitzer, Rolf Rau, Daniela Hertler, Markus Frank und Bürgermeister Reinhold Sczuka. Foto: J. Fiedler

Von Claudia Ackermann

ALTHÜTTE. „Wir wollten kein Buch über die Geschichte von Althütte machen. Eine Chronik gibt es schon“, sagt Rolf Rau. Die Idee war, Bürger aus ihrem eigenen Leben berichten zu lassen. Sie entstand, als beim Posaunenchor ein älterer Mann aus früheren Zeiten in Althütte erzählte. Solche Geschichten sollte man aufschreiben und für die Nachwelt festhalten, dachte sich Rolf Rau. Er tat sich mit dem Heimatkulturverein zusammen, der im Jahr 2016 in Althütte gegründet worden war. Für die Recherche der Geschichten stießen Daniela Hertler und Petra Schweitzer hinzu.

So wurde etwa Altbürgermeister Walter Sipple kontaktiert. Er selbst hat Geschichten aus seiner Amtszeit zu erzählen, etwa, dass es in den 1950er-Jahren für hohen Besuch vom Regierungspräsidium nur ein „Gsälzbrot“ gab. Aber er konnte auch viele Kontakte herstellen. Rolf Rau, der in Althütte geboren ist, kannte ebenfalls viele Senioren in der Gemeinde und natürlich ist das Vertrauen der älteren Leute zu einem Bekannten größer als bei einem Fremden.

„Was soll ich erzählen,

ich weiß doch nichts“

„Was soll ich erzählen, ich weiß doch nichts.“ Sätze wie diesen bekam das Rechercheteam oft zu hören, blickt Petra Schweitzer zurück. Aber bei den Gesprächen wurden dann nach und nach Erinnerungen wach, etwa bei einer Frau, die während ihrer Lehrzeit zum ersten Mal im Leben Sahne gegessen hat und nun wieder an diesen Glücksmoment dachte.

Manchmal stellte das Team auch Fragen: „Wie haben Sie erfahren, dass der Krieg ausgebrochen war?“ Ein Nachbar hatte bei der Frau an den Rollladen geklopft. Dass solche Nachrichten auf diese Weise verbreitet wurden, ist heute für junge Leute unvorstellbar. Andere Informationen ergaben sich im Gespräch.

Hatte das Team etwa erfahren, dass es in Althütte eine Arrestzelle gab, fragte man beim nächsten Interview danach weiter. Historische Dinge wurden so festgehalten, die vielleicht verloren gegangen wären. Aber es sind auch viele Anekdötchen über das Alltagsleben oder besondere Begebenheiten und Personen in Althütte dabei.

Da geht es etwa um einen Jungen und dessen Freundschaft zu einem Raben. Der Vogel flog jeden Tag zur Schule, um den 14-Jährigen dort abzuholen und auf dem Fahrradlenker mit ihm heimzufahren. In einer anderen Geschichte geht es um die Kriegszeit, als es in Althütte keine Apotheke gab und man nach Rudersberg oder Welzheim laufen musste, um Medikamente zu bekommen. Lore Gruber erzählt von ihrer Großmutter Friedericke Weller, die 40 Jahre lang Hebamme war und zu Fuß von Kallenberg in den Voggenhof, nach Lutzenberg und zurück nach Althütte unterwegs war.

„Jule wurde der wohl bekannteste

Sechselberger Pferdebesitzer“

Von schrecklichen Krankheiten wird berichtet, etwa als 1906 die Diphtherie in Althütte grassierte. Ein Foto belegt, wie eine Frau einen Kindersarg auf dem Kopf trägt auf dem Weg zur Beerdigung. Zahlreiche historische Fotos haben die Befragten beigesteuert. Die Gestaltung des Buches haben Sindy Horn und Rolf Rau übernommen.

Vom Büttel aus Sechselberg, den alle Jule nannten, und der ein großer Pferdenarr war, handelt eine Geschichte, die von Dorle Berner um 1900 aufgeschrieben worden war. Als sein geliebtes Tier gegen seinen Willen ins Ausland – nach Frankreich – verkauft worden war und abgeholt wurde, reiste er ihm hinterher, um es zurück nach Hause zu holen.

Mehrere Zeitungen berichteten über diese Geschichte und zahlreiche Spenden gingen bei ihm ein. „Jule selber wurde durch die Kampagne der wohl bekannteste Sechselberger Pferdebesitzer und wohlhabend noch dazu“, heißt es in dem Bericht. Nicht nur für Bürger aus Althütte ist das Büchlein, das im Auftrag des Heimatkulturvereins und mit Unterstützung der Gemeinde entstanden ist, ein lebendiges Stück Zeitgeschichte.

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Erstellt:
11. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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