Pläne für altes Schulhaus schreiten voran

Seit 2019 steht fest: Das alte Schulhaus in Oberweissach soll saniert werden. Doch das Konzept eines ersten potenziellen Investors stieß im Weissacher Gemeinderat auf Gegenwind. Nun könnte eine Lösung für das ortsbildprägende Gebäude gefunden worden sein.

So sieht das alte Schulhaus in Oberweissach aktuell aus. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

So sieht das alte Schulhaus in Oberweissach aktuell aus. Foto: A. Becher

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. „Ein Kernstück von Oberweissach“: So bezeichnet Daniel Figel das alte Schulhaus. Als einer von insgesamt drei Bauherren möchte er das ortsprägende Gebäude sanieren. Das Konzept dafür hat er kürzlich mit dem Architekten Uwe Funk im Weissacher Gemeinderat vorgestellt.

Seine Vision sieht vor, das momentan leer stehende Gebäude durch die Schaffung von neuem Wohnraum wiederzubeleben. In dem Gebäude war lange die Schule untergebracht, später beherbergte der Bau unter anderem den Weissacher Jugendtreff und diente als Flüchtlingsunterbringung. Nun sollen sieben Wohnungen auf drei Etagen in dem Schulhaus entstehen. Im Gespräch ist nach Angaben von Bürgermeister Ian Schölzel außerdem eine Arztpraxis, die ins Erdgeschoss des markanten historischen Gebäudes einziehen könnte.

Dieses soll weitmöglichst erhalten bleiben. Die Fassade und das Dach sollen jeweils so, wie sie einmal waren, wiederhergestellt werden. Auch die Glocke auf dem Dach soll weiter läuten. Darüber hinaus soll der ursprüngliche Eingang an der Straßenseite wieder aktiviert werden – jedoch so, dass das Erdgeschoss barrierefrei zugänglich ist.

Ein Mehrfamilienhaus sollte neben das Bestandsgebäude gebaut werden

Im bisherigen Hofbereich sind teilweise überdachte Auto- und Fahrradstellplätze sowie ein Kinderspielplatz geplant. Die Überdachung soll begrünt und mit Fotovoltaikanlagen für den Eigengebrauch bestückt werden. Um „das Ganze so ökologisch wie möglich zu gestalten“, solle dazu noch eine Wärmepumpe als Heizsystem eingebaut werden, erklärte Daniel Figel. Mit der unteren Denkmalbehörde der Stadt Backnang haben er und Architekt Uwe Funk sich bereits ausgetauscht.

Bei den Gemeinderäten stieß das Projekt auf Zuspruch. „So, wie es jetzt vorgestellt wurde, entspricht es der Intention des Gemeinderats“, urteilte etwa Wilhelm König von der Unabhängige Bürgerliste Weissach im Tal (UBL). 2019 war das noch anders. Im März vor zwei Jahren stellte die Fuhrmann Planen&Bauen GmbH&Co.KG aus Winnenden als möglicher Investor ihre Pläne für das Areal vor. Diese sahen nicht nur vor, das Bestandsgebäude zu sanieren, sondern zusätzlich ein Mehrfamilienhaus auf dem ehemaligen Schulhof zu errichten, um die immensen Kosten zu stemmen – was die Gemeinderäte wie auch die Anwohner rundheraus ablehnten (wir berichteten).

So blieb es vorerst bei dem Wunsch der Gemeindeverwaltung, das alte Schulhaus zu sanieren. Beziehungsweise sanieren zu lassen, denn die Kosten von geschätzten 1,3 Millionen Euro wären für die Gemeinde selbst nach eigenen Angaben ein zu hohes finanzielles Risiko. Das Gebäude befinde sich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand, Überraschungen während der Bauphase könnten nicht ausgeschlossen werden, hieß es Anfang dieses Jahres im Mitteilungsblatt der Gemeinde. Dennoch stellten seither mehrere Investoren Konzepte für die Sanierung und den Erhalt des Gebäudes vor, von denen das nun im Gemeinderat vorgestellte von den Räten bevorzugt wird.

Die neuen Bewohner müssen sich mit dem Glockenläuten arrangieren

„Das klingt alles sehr gut“, sagte Jörg Schaal (CDU/FWV) nach dem Bericht über den aktuellen Zwischenstand. Er erinnerte aber noch einmal daran, dass die neuen Bewohner des Gebäudes sich mit dem Läuten der Glocke arrangieren müssten. Er wohne selbst in einem Gebäude mit Glocke, sagte er: „Das ist schon gewöhnungsbedürftig.“

Irmgard Hestler (SPD) war ebenfalls angetan von den Plänen: „Es freut mich sehr, dass so ein ortsprägendes Gebäude in Oberweissach weiterhin genutzt werden wird.“ Luciano Longobucco (LWB) hätte sich zwar gewünscht, dass der gesamte ehemalige Schulhof renaturiert würde. Mit der jetzigen Lösung könne er aber auch leben, sagte er. Sein Fraktionskollege Jan Hutzenlaub fand dagegen Gefallen an Dachbegrünung und Fotovoltaikanlagen, hätte aber gern mehr Bäume auf dem Grundstück gesehen.

Auch die Verwaltung sieht das Gesamtwerk positiv. Nur in der Straßenbreite, entlang des Kammerhofwegs, plädierte sie aus verkehrlichen Gründen dafür, keine schmalere Straßenbreite anzustreben. Er mache sich Sorgen, dass die Begegnungsfläche zu klein sein könnte, wenn zwei Lkw aufeinanderträfen, führte Bauamtsleiter Markus Stadelmann aus. Grundsätzlich, hielt Ian Schölzel fest, werde die Konzeption also gutgeheißen: „Die Details müssen natürlich noch geklärt werden.“

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Erstellt:
20. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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