Pläne für mehr biologische Vielfalt

Das Planungsbüro Roosplan untersucht, wo genau in Weissach im Tal Maßnahmen aus dem Biotopvernetzungskonzept umgesetzt werden könnten. Einer der ersten Bausteine könnte das alte Trafohäuschen sein: Es könnte bald zu einem Tierunterschlupf werden.

Jochen Roos und Ian Schölzel vor dem alten Trafohäuschen nahe der Kläranlage. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Jochen Roos und Ian Schölzel vor dem alten Trafohäuschen nahe der Kläranlage. Foto: J. Fiedler

Von Melanie Maier

WEISSACH IM TAL. Geht es nach Jochen Roos, könnte das alte Trafohäuschen an der Sachsenweiler Straße nahe der Kläranlage außerhalb von Unterweissach bald eine neue Verwendung finden: Das Backsteinhäuschen mit dem Turm soll zu einem Tierunterschlupf für gebäudebrütende Vögel wie Mauersegler und Rotschwänze sowie Fledermäuse und Insekten werden. „Die alte Struktur könnte man wunderbar nutzen“, sagt der Landschaftsarchitekt und Geschäftsführer des Backnanger Planungsbüros Roosplan.

So könnte das alte Trafohäuschen Teil werden von einem größeren Vorhaben, mit dem Roos gerade beschäftigt ist: In Weissach im Tal sollen verschiedene Biotope – wichtige Lebensräume für Tiere und Insekten – miteinander verknüpft werden. So sollen wenig mobile Tierarten geschützt und die biologische Vielfalt in und um Weissach erhalten bleiben.

Der Fördersatz wurde von70 auf 90 Prozent angehoben.

Der Gemeinderat hat die Verwaltung bereits am 5. November 2020 beauftragt, einen Förderantrag für die Erstellung des Biotopvernetzungskonzepts zu stellen. Hintergrund dafür war unter anderem, dass im Juli 2020 der Fördersatz nach den Landschaftspflegerichtlinien von 70 auf 90 Prozent angehoben wurde. Zeitgleich wurde auch der Fördersatz für die Realisierung von Maßnahmen, die aus dem Konzept resultieren, erhöht, und zwar von 50 auf 70 Prozent.

Dem Förderantrag der Gemeinde ist inzwischen stattgegeben worden. Von den rund 26000 Euro, die die Erstellung des Konzepts kostet, wird die Gemeinde etwa 23600 Euro gefördert bekommen. Mit der Erstellung des Konzepts ist das Planungsbüro Roosplan aus Backnang beauftragt worden.

Geschäftsführer Jochen Roos und seine Kollegen suchen nun im Auftrag der Gemeinde nach geeigneten Standorten für Maßnahmen – wie etwa zum Beispiel der Artenschutzturm im Trafohäuschen. Der erste Schritt sei nun, Grundlagendaten einzuholen, so der Landschaftsarchitekt. Zum Teil sind diese schon vorhanden, zum Teil müssen sie neu erhoben werden. Vor ein paar Jahren sei in der Gemeinde bereits ein sogenannter Biodiversitätscheck durchgeführt worden, sagt Roos. „Er ist ein guter Anhaltspunkt, um geeignete Flächen zu finden.“ Aber auch vor Ort, bei Begehungen im Freien, schauen er und seine Kollegen: Wo kann man Maßnahmen gut umsetzen, wo sind eventuelle Hindernisse, welche Tierarten leben wo und wie können die Landwirte in das Konzept eingebunden werden – zum Beispiel mit Blühstreifen, welche die Felder vor Erosion schützen könnten?

Auch Auenwald und Allmersbach im Tal haben Interesse bekundet.

Von den rund 14 Quadratkilometern Gemeindefläche kommen wahrscheinlich sieben bis acht Quadratkilometer offene Flächen für Maßnahmen infrage. Zu den einzelnen Punkten sollen Steckbriefe erarbeitet werden. Und auch die Bürger sollen in die Entscheidung einbezogen werden. Sobald feststeht, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen, kann die Gemeinde dafür Förderanträge stellen.

Weissach im Tal ist nicht die einzige Gemeinde im Rems-Murr-Kreis, die ein Biotopvernetzungskonzept erstellen lässt. Rudersberg ist zum Beispiel schon dabei, Auenwald und Allmersbach im Tal haben Interesse bekundet. Von den rund 50000 wild vorkommenden Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg gelten rund 40 Prozent als gefährdet. „Ein landesweiter Biotopverbund ist ein wichtiger Baustein, um gegen das Artensterben vorzugehen“, sagt Jochen Roos.

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Erstellt:
12. Juni 2021, 06:00 Uhr

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