Bis zu 300 Prozent mehr Verbrauch

Plug-in-Hybride verbrauchen deutlich mehr Kraftstoff als angegeben

Autohersteller lügen nicht, was den offiziellen Kraftstoffverrauch angeht. Oder etwa doch? Eine Studie hat jetzt den tatsächlichen Verbrauch von Plug-in-Hybrid-Antrieben ermittelt. Und: Sie lügen doch!

Lügen machen lange Nase: Das gilt für Pinocchio genauso wie die Hersteller von Plug-in-Hybriden.

© mago/Mary Evans

Lügen machen lange Nase: Das gilt für Pinocchio genauso wie die Hersteller von Plug-in-Hybriden.

Von Markus Brauer/AFP

Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid-Antrieb (PHEV) verbrauchen einem Medienbericht zufolge in der Praxis erheblich mehr Kraftstoff als in den offiziellen EU-Typgenehmigungen angegeben.

 Dies gehe aus einer Analyse der Daten von rund einer Million Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller der Baujahre 2021 bis 2023 hervor, heißt es in einer Studie, an der unter anderem das Fraunhofer Institut in Karlsruhe beteiligt war.

Zwischen ein und zwei Litern – „auf dem Papier“

Ausgewertet wurden dafür Daten, die Fahrzeuge regelmäßig per Funk übermitteln. Dadurch sei es möglich gewesen, den realen Kraftstoffverbrauch der Plug-in-Fahrzeuge auf der Straße zu ermitteln.

Laut offiziellen Angaben verbrauchten die Fahrzeuge, die sowohl über einen Elektromotor mit Batterie als auch über einen Verbrennungsmotor verfügen, demnach häufig nur zwischen ein und zwei Litern „auf dem Papier“.

Im tatsächlichen Durchschnitt auf der Straße waren es demnach aber fast sechs Liter Kraftstoff „und damit 300 Prozent mehr als in den Hersteller-Angaben der EU-Typgenehmigung“. Ein entscheidender Grund dafür ist demnach, dass auch dann, wenn das Fahrzeug im „Elektro-Modus“ ist, der Kraftstoffverbrauch höher ausfällt als angenommen.

Die Wissenschaftler vermuteten, „dass der Verbrennungsmotor dieser Fahrzeuge viel häufiger anspringt als bisher gedacht“.

Deutsche Autohersteller kommen schlecht weg

  • Fahrzeuge deutscher Hersteller hätten dabei laut Studie zu den Modellen mit durchschnittlich höheren Verbräuchen gehört, vor allem Porsche.
  • Am niedrigsten seien die Verbräuche hingegen bei Modellen von Kia, Toyota, Ford oder Renault gewesen, die im „Entlademodus“ einen sehr niedrigen Verbrauch von zum Teil deutlich unter einem Liter Kraftstoff erreicht hätten.
  • Porsche erklärte auf Anfrage, dass die Verbrauchsangaben auf den gesetzlich vorgeschriebenen EU Messverfahren basierten. Abweichungen könnten durch „unterschiedliche Nutzungsprofile und Randbedingungen entstehen“.

Die Studienautoren mahnen angesichts der Erkenntnisse, dass die Emissionen von Millionen Fahrzeugen offenbar viel höher sind als gedacht und die Klimaschutzziele damit nur theoretisch, aber nicht auf der Straße erreicht werden. Die Lücke zwischen theoretischem und tatsächlichem Kraftstoffverbrauch sei viel zu groß.

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Erstellt:
18. Februar 2026, 11:42 Uhr

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