Poller sollen Linksabbiegen verhindern

Viele Autofahrer biegen in Backnang am Eck der Sparkasse trotz Verbots nach links in die Eduard-Breuninger-Straße ab. Die Stadtverwaltung will dies unterbinden und den Durchgangsverkehr in der Grabenstraße verringern und auf die Talstraße umleiten.

Die Zahl der Verkehrsverstöße an der Ecke Grabenstraße/Eduard-Breuninger-Straße ist eklatant. Im Minutentakt biegen Autos trotz Verbots links ab. Das hängt damit zusammen, dass dies während der Bauphase lange erlaubt war, dass es praktisch ist und dass es nicht sanktioniert wird. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Die Zahl der Verkehrsverstöße an der Ecke Grabenstraße/Eduard-Breuninger-Straße ist eklatant. Im Minutentakt biegen Autos trotz Verbots links ab. Das hängt damit zusammen, dass dies während der Bauphase lange erlaubt war, dass es praktisch ist und dass es nicht sanktioniert wird. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Viele Monate lang – als die Aspacher Brücke gesperrt war – durften Verkehrsteilnehmer auf Höhe der Kreissparkasse von der Grabenstraße direkt nach links in die Eduard-Breuninger-Straße abbiegen. Seit jedoch die Aspacher Brücke wieder für den Verkehr komplett freigegeben wurde, ist genau dieses Abbiegen nicht mehr erlaubt. Insgesamt vier Schilder signalisieren den Fahrzeugführern mehr als deutlich, dass diese Abkürzung laut Straßenverkehrsordnung nicht mehr zulässig ist und sie bittschön den Aspacher Kreisel nutzen sollen, um in die Eduard-Breuninger-Straße zu kommen. Und trotzdem herrscht tagtäglich reger Linksabbiegerbetrieb. Noch. Denn nun erwägt die Verwaltung den Einbau von Pollern, die das Abbiegen unterbinden sollen.

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses Technik und Umwelt war der Linksabbiegermissstand im Zusammenhang mit der Umgestaltung und Sanierung der Eduard-Breuninger-Straße (wir berichteten) zum wiederholten Male Thema. Denn im Zuge der erwähnten Straßensanierung muss auch die Passage der Grabenstraße auf Höhe der Kreissparkasse sowie die benachbarte Bushaltestelle umgebaut werden. Und so stellte sich bei dieser Gelegenheit erneut die Frage, wie Autofahrer davon abgebracht werden können, überhaupt erst durch den Graben zu fahren. Angestoßen wurde das Thema von Heinz Franke. Der SPD-Fraktionsvorsitzende plädiert seit Jahren dafür, den Verkehr im sogenannten Graben zu reduzieren, am liebsten wäre ihm die Umwandlung in eine Fußgängerzone.

Vonseiten der Stadtverwaltung ist man ebenso bemüht, den Verkehr aus der Grabenstraße herauszubringen. Allerdings sieht man hier auch die Notwendigkeit, die Zufahrten zu den Parkhäusern zu ermöglichen. Und auch die Anlieferung der verschiedensten Geschäfte in der Innenstadt funktioniert hauptsächlich über diese Straße. Und die Anwohner müssen auch ihre Wohnungen erreichen können. Und ganz wichtig: Die Straße ist Teil vieler Buslinien. Und das ist auch so gewollt und wird so bleiben.

Die Talstraße konnte bislang ihre Funktion als Cityring nicht erfüllen.

Die Verwaltung ist der Ansicht, dass die Grabenstraße schon deutlich weniger Verkehr bewältigen müsste, wenn die Talstraße ihre Funktion als Cityring erfüllen würde. Das konnte sie in den vergangenen Monaten und Jahren oft nicht, weil sie nahezu eine Dauerbaustelle mit zeitweiligen Sperrungen war. Und vor allem, weil die Aspacher Brücke nahezu zweieinhalb Jahre für den Verkehr nur sehr eingeschränkt nutzbar war.

Nun aber sollen sich die Verhältnisse ändern. Die Talstraße ist nahezu fertig. Nur im kommenden Sommer wird es wegen des Umbaus des Biegelwehrs zu einer sogenannten rauen Rampe und wegen des Baus des benachbarten Pumpwerks einige überschaubare Verkehrseinschränkungen geben. Überschaubar im Ausmaß und zeitlich. Zudem gilt auf der gesamten Straße inzwischen Tempo 40. Zum Vergleich: Im Graben dürfen die Fahrzeuge nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Eigentlich.

Jetzt hofft die Verwaltung darauf, das der leistungsstarke und funktionierende Cityring künftig besser angenommen und der Graben nicht mehr missbraucht wird, weder als Abkürzung noch als Autoposerstrecke. Der Abkürzung an der Sparkassenecke soll vielmehr ein Riegel vorgeschoben werden, indem laut Stadtplanungsamt Poller eingebaut werden. Diese sollen elektrisch im Boden versenkbar sein. Das ist wichtig, denn für Omnibusse soll der Bypass auch in Zukunft noch erlaubt sein. Die Busfahrer oder die Busse werden dann mit Sendern ausgestattet, welche die Poller wie von Zauberhand im Boden verschwinden lassen. Bislang habe die Verwaltung mit der Realisierung der Pollersperre laut Planungsamtsleiter Tobias Großmann unter anderem auch deshalb gezögert, weil es in anderen Städten im Winter Probleme mit der Technik gegeben habe. Bei Frost oder Schnee konnte es vorkommen, dass die Mechanik versagte. Inzwischen jedoch sind die Poller elektrisch heizbar, sodass auch tiefe Minusgrade zu keiner Beeinträchtigung der Technik führen.

Noch ist keine Entscheidung gefallen. Großmann könnte sich auch vorstellen, dass auf Höhe der Sparkassengarage eine Ampel montiert wird, die für die Linksabbiegerspur dauerhaft Rot zeigt. Ausschließlich Busfahrer könnten dann, ebenfalls über einen Sender gesteuert, Grünlicht anfordern.

Solch elektrisch versenkbare Poller möchte die Stadt für die Grabenstraße anschaffen. Sie funktionieren inzwischen auch bei Minusgraden. Nähern sich Linienbusse oder Rettungsfahrzeuge, senken sich die Poller ab. Foto: Adobe Stock/steuccio79

© steuccio79 - stock.adobe.com

Solch elektrisch versenkbare Poller möchte die Stadt für die Grabenstraße anschaffen. Sie funktionieren inzwischen auch bei Minusgraden. Nähern sich Linienbusse oder Rettungsfahrzeuge, senken sich die Poller ab. Foto: Adobe Stock/steuccio79

Kommentar
Unnötige Ausgabe

Von Matthias Nothstein

Die Verkehrssituation ist eindeutig. An der besagten Kreuzung darf man nicht links abbiegen. Basta. Weil es trotzdem viele tun, werden nun elektrisch betriebene Poller angeschafft, die sicher eine Stange Geld kosten. Das ist eine völlig unnötige Ausgabe. Das soll aber mitnichten eine Kritik am Abbiegeverbot sein. Es ist vielmehr eine ganz klare Kritik an der Schlussfolgerung. Die (günstige) Beschilderung müsste eigentlich völlig ausreichen. Wer sie missachtet, der gehört kräftig zur Kasse gebeten. Das würde sich schnell herumsprechen und vermutlich die gleiche Wirkung wie die Poller haben. Denn wer drei-, viermal an der Ecke bezahlt hat, der wird es sich sehr wohl überlegen, ob ihm die paar Meter Abkürzung ein solches Risiko wert sind. Oder ob er nicht doch um den Kreisel fährt. Oder ob es überhaupt nötig ist, in die Grabenstraße zu fahren. Denn das ist das eigentliche Problem. Es gibt nicht wenige Stimmen, die solche Poller gutheißen würden, dann aber am anderen Ende der Grabenstraße, nämlich an der Einfahrt bei der Sulzbacher Brücke.

Und noch etwas. Es geht auch ums Prinzip. Wenn es nicht mehr ausreicht, Regeln zu erlassen und an deren Einhaltung zu glauben, oder wenn es nicht mehr genügend Personal gibt, diese Regeln durchzusetzen, dann sind wir auf dem besten Weg in eine Bananenrepublik. Dann werden erst Schilder missachtet, dann Polizisten, und dann...

m.nothstein@bkz.de

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Erstellt:
14. November 2020, 06:00 Uhr

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