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Prävention auf dem Wochenmarkt

Paul Mejzlik und Andreas Gulde vom Polizeipräsidium Aalen informieren Passanten am Rand des Wochenmarkts in Backnang zum Thema Betrug. Üble Machenschaften wie der Enkeltrick oder die Masche der falschen Polizisten sind weiter aktuell.

Reger Andrang herrschte am Mittwochmorgen am Infostand der Polizei zum Thema Betrug. Kriminalhauptkommissar Paul Mejzlik (rechts) und sein Kollege, der Polizeikommissar Andreas Gulde, erläuterten den Passanten in Backnang die Tricks, mit denen Kriminelle an das Geld argloser Bürger zu kommen versuchen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Reger Andrang herrschte am Mittwochmorgen am Infostand der Polizei zum Thema Betrug. Kriminalhauptkommissar Paul Mejzlik (rechts) und sein Kollege, der Polizeikommissar Andreas Gulde, erläuterten den Passanten in Backnang die Tricks, mit denen Kriminelle an das Geld argloser Bürger zu kommen versuchen. Foto: A. Becher

Von Bernhard Romanowski

BACKNANG. Die beiden Herren in Uniform hatten am Mittwochmorgen beim Backnanger Wochenmark gut zu tun. Paul Mejzlik, seines Zeichens Kriminalhauptkommissar, und sein Kollege, der Polizeikommissar Andreas Gulde, waren im Auftrag des Polizeipräsidiums Aalen allerdings nicht in die Murr-Metropole gekommen, um dort Jagd auf Langfinger oder etwaige Preiswucherer zu machen, und auch nicht, um selbst einzukaufen. Sie hatten vielmehr ihren Infostand vor der Volksbank Backnang aufgestellt, um interessierte Passanten über die derzeit aktuellen Betrugsmaschen aufzuklären.

Auch betrügerische Mitteilungen über angebliche Gewinne führen regelmäßig zu Vermögensschäden.

Die Zahl der sogenannten Anrufstraftaten stieg in den vergangenen Jahren stark an. Bis heute werden täglich Hunderte von Menschen in ganz Deutschland und eben auch in den Landkreisen Schwäbisch Hall, Ostalbkreis und Rems-Murr-Kreis angerufen, die zum Einzugsgebiet des Aalener Polizeipräsidiums gehören. Das Ziel der Täter ist stets, durch Tricks und Täuschungen an die Wertsachen oder das Geld und somit teilweise an die komplette Altersvorsorge der zumeist älteren Menschen zu gelangen. Diese Telefonbetrüger und ihre Komplizen haben es nicht nur auf Bargeld und wertvollen Schmuck, sondern auch auf Ersparnisse bei der Hausbank und die in Bankschließfächern gelagerten Wertsachen wie Goldmünzen oder Goldbarren abgesehen. Von den Betrugsmaschen der falschen Polizisten und vom Enkeltrick hat mittlerweile fast jeder schon mal gehört, und man wundert sich jedes Mal aufs Neue, warum immer Menschen darauf hereinfallen. „Aber die Täter gehen mit äußerst kreativen Methoden vor“, warnt Paul Mejzlik vor der leichtfertigen Annahme, man selbst werde niemals auf eine dieser Maschen hereinfallen.

Der Trick mit den falschen Polizisten geht so: Die Kriminellen rufen ihre Opfer unter der Nummer 110 oder der Nummer der örtlichen Polizeidienststelle an und warnen beispielsweise vor einem geplanten Einbruch. Sie bieten an, Bargeld oder Wertsachen von einem vermeintlichen Kriminalbeamten in Sicherheit bringen zu lassen und nach einem gelungenen Zugriff der Polizei, die angeblich auf die Einbrecher wartet, alles zurückzugeben. Weitere beliebte Maschen: Die Betrüger warnen telefonisch vor Falschgeld, das überprüft werden müsse, oder vor Kriminellen, die das Konto der Angerufenen plündern wollen.

Die Täter setzen ihre Opfer mit geschickt arrangierten und immer aktuell angepassten Lügengeschichten derart unter Druck, bis diese einwilligen und teilweise ihr gesamtes Erspartes aushändigen – und auf Nimmerwiedersehen verlieren. Auch die Mitteilungen über angebliche Gewinne, die durch Vorkasse in Aussicht gestellt werden, führen immer wieder zu Vermögensschäden.

Kriminalhauptkommissar Paul Mejzlik spricht mitunter von Telefon-, ja Psychoterror, dem die Opfer manchmal über Tage ausgesetzt seien. Letztere sind mitunter so perfide telefonisch von den Tätern bearbeitet worden, dass sie es für einen Trick und die Beamten für Betrüger halten, wenn dann tatsächlich die echte Polizei vor der Haustür steht und helfen will, wie Mejzlik aus seiner beruflichen Erfahrung schildert.

In Baden-Württemberg erbeuteten die Täter im Jahr 2018 allein mit der Masche „Falscher Polizeibeamter“ insgesamt 6,8 Millionen Euro, im Jahr 2019 waren es bereits über zehn Millionen Euro mit anhaltend steigender Tendenz. Auch im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen waren eine Vielzahl von Anrufstraftaten – Versuche und vollendete Delikte – zu verzeichnen. In Backnang gab es im ersten Halbjahr 2020 sieben Schadensfälle in Sachen Enkeltrick. Die Masche mit den falschen Polizisten wurde hier mindestens 50-mal abgezogen, mindestens drei Schadensfälle, also für die Täter erfolgreiche Ausführungen, waren zu verbuchen. „Die Dunkelziffer dürfte allerdings noch deutlich höher sein“, unterstreichen die Beamten Gulde und Mejzlik. Um ältere Menschen vor derartigen Betrügern zu schützen, seien besonders die Angehörigen oder andere Vertrauenspersonen in der Pflicht. Die Polizei wird ebenfalls weiter ihr Bestes geben, die Zahl dieser Fälle zu senken. Im vergangenen Jahr haben die Aalener Beamten die Prävention vorwiegend in Vorträgen praktiziert. Dieses Jahr stehen die Infostände auf den Wochenmärkten auf dem Plan. Auf dem Backnanger Wochenmarkt wird die Polizei am 2. September wieder mit dem Stand vertreten sein, wo man sich auch mit entsprechendem Infomaterial eindecken kann.

Verhaltenstipps der Polizei

Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selbst mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.

Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht kennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte/Bekannte wissen kann.

Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.

Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen.

Nehmen Sie sich Zeit, um die Angaben des Anrufers zu überprüfen. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen lange bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.

Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nahestehenden Personen.

Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen.

Kommt Ihnen der Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei.

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Erstellt:
13. August 2020, 06:00 Uhr

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