Projekt Auenpark: Begeisterung und Befürchtungen

An einer Bürgerbeteiligung mit Ortsbegehung zum geplanten Projekt Auenpark in Oberweissach nahmen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger teil. Während einige von den Plänen angetan waren, machten sich andere Sorgen, etwa wegen fehlender Parkplätze oder Freibadatmosphäre direkt vor der Haustür. Die Planer versuchten, auf alle Wünsche einzugehen.

Der Auenpark soll auf einer Fläche von insgesamt rund 2,5 Hektar entstehen. Visualisierung: Roosplan

Der Auenpark soll auf einer Fläche von insgesamt rund 2,5 Hektar entstehen. Visualisierung: Roosplan

Von Carmen Warstat

Weissach im Tal. Der Weissacher Gemeinderat und das Backnanger Planungsbüro Roosplan haben die Bevölkerung am Dienstagabend zu einer Bürgerinformationsveranstaltung mit Ortsbegehung zum geplanten Naherholungsgebiet Auenpark in Oberweissach eingeladen. Die nahe der Grundschule und des Kindergartens im Kammerhofweg naturnah gedachte, großzügige Anlage mit Erlebnis-, Spiel- und Lernmöglichkeiten im Freien stößt sowohl auf Begeisterung als auch auf Befürchtungen und Widerspruch seitens der Bürgerschaft. Eine Reihe von Bürgerinnen und Bürgern, darunter zahlreiche Anwohner, nahmen an der Veranstaltung teil.

Moderiert wurden die Verlautbarungen von der Tübingerin Anni Schlumberger von der Human IT Service GmbH, die Erfahrung im Bereich der Organisation von Bürgerbeteiligungen mitbringt. Sie ließ zunächst Gemeinderat Wilhelm König (Unabhängige Bürgerliste Weissach im Tal, UBL) zu Wort kommen. Dieser stellte kritische Fragen zu den Förderzuschüssen und Kosten (etwa für Parkplätze und Sanitäranlagen, eventuelle Überwachungsmaßnahmen sowie Unterhalt und Pflege der Anlage), zur Versicherung des Auenparkgeländes gegen Hochwasserschäden, zum Wert der von der Gemeinde eingebrachten Fläche sowie der eventuellen Versiegelung von Wiesenflächen für Parkplätze und Ähnliches.

Wilhelm König händigte den Gemeinderäten und dem Planungsleiter Jochen Roos vom Backnanger Büro Roosplan seinen Fragenkatalog aus und hakte später nach: Es gehe ihm darum, „dass das nicht im Sand verläuft“, sondern die Fragen konkret beantwortet werden. Damit traf er den Nerv vieler Bürger und insbesondere der Anwohner, denen eine öffentliche Gemeinderatssitzung zum Bebauungsplanverfahren zugesichert wurde.

Nichtsdestotrotz steht schon jetzt fest, dass der Auenpark realisiert wird. Offen ist in Teilen lediglich das Wie. Mehrere Anwesende betonten, dass verschiedene Einwände von Anwohnern bereits berücksichtigt wurden und Jochen Roos sich vorab bereits viel Zeit für Gespräche genommen habe. Dennoch wurden auch nach Roos’ Ausführungen in der Oberweissacher Grundschule noch Zweifel laut: Für wen wird die Anlage eigentlich gebaut und ist sie nicht von Anfang an zu groß gedacht worden? Wo sollen die Besucher parken? Wird uns ein WC vor das Haus gestellt? Und ist nicht mit einer Freibadatmosphäre zu rechnen? Was ist mit Schnaken auf der geplanten Sukzessionsfläche? Wird es dort nicht zu viel Schilf geben, da geplant ist, möglichst nicht in die Natur einzugreifen? Müssen Bäume fürs Projekt sterben? Vom Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, sprach eine Bürgerin, die das beschauliche Umfeld ihres Eigentums bedroht sieht. Allgemeiner Tenor: Ein tolles Projekt – aber bitte nicht hier!

Angriffe auf den Gemeinderat konterte dessen Mitglied Jan Hutzenlaub (Liste Weissacher Bürger, LWB) unter anderem mit der Einladung an die Kritiker, sich selbst im Rat zu engagieren beziehungsweise sich dafür aufstellen zu lassen. Manche der auch bei der Ortsbegehung vorgebrachten Befürchtungen wirkten irrational, zumal der Spielplatz nicht verlegt, sondern lediglich aufwendig und ideenreich erneuert werden wird und Planungselemente wie Grillstelle und Spielgeräte im Zuge der Planentwicklung auf Wunsch einiger Anwohner längst aus deren Reichweite „rübergezogen“ wurden in Richtung Kindergarten und der Grundschule, wo sich keine Wohnbebauung befindet. Die Sukzessionsfläche hingegen soll zu einer parkähnlichen Landschaft werden, in der ab und zu Kinder spielen, wie es das überall gibt.

Die durchaus begeisterten, aber weniger mitteilsamen und weniger lauten Befürworter des Projekts fragten beispielsweise nach der genauen Gestaltung des Spielplatzes. Auch dabei ist noch nicht alles konkret, doch eine Mitarbeiterin des Büros Roosplan nahm auch diese Hinweise und Wünsche schriftlich auf.

Jochen Roos, der Details des Plans vorstellte, wirkte überaus bemüht, alle Anliegen der Bürgerschaft „mitzunehmen“, und visierte den Baubeginn für den Spielplatz für Mitte dieses Jahres an. Der Bachbereich (Renaturierung des Bachs und Sukzessionsfläche) soll erst im kommenden Jahr in Angriff genommen werden. Das Gesamtvolumen des Projekts bezifferte er auf gegenwärtig etwa 620000 Euro.

Unter den Anwesenden befand sich auch der neu gewählte Weissacher Bürgermeister Daniel Bogner, der sein Amt voraussichtlich im Juni antreten wird. Er begrüßt den Projektentwurf und bezeichnet es als positiv, dass dieser in Details noch offen ist. Bogner hält es für wichtig, dass Bürgeranliegen in die Realisierung einfließen.

Nichtsdestotrotz steht
schon jetzt fest,
dass der Auenpark realisiert wird.

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Erstellt:
14. April 2022, 06:00 Uhr

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