Rituale und Traditionen rund ums Abitur

Mit der Biologieprüfung hat das Abitur in Baden-Württemberg am vergangenen Donnerstag an den allgemeinbildenden Gymnasien begonnen. Im Vorfeld haben Mitschülerinnen und Mitschüler, aber auch Eltern für die Prüflinge Kuchen gebacken und aufmunternde Plakate gebastelt.

Die Sechstklässlerinnen und Sechstklässler des Max-Born-Gymnasiums haben im Religionsunterricht sogenannte Mutkärtchen für die Abiturklassen gebastelt.

© Alexander Becher

Die Sechstklässlerinnen und Sechstklässler des Max-Born-Gymnasiums haben im Religionsunterricht sogenannte Mutkärtchen für die Abiturklassen gebastelt.

Von Melanie Maier

Rems-Murr. „Viel Erfolg und nutzt euer Wissen!“, „Warum denkst du es dir kaputt? Du kannst das“ – mutmachende Sprüche wie diese stehen auf den Plakaten über dem Tisch mit Obst, Gebäck und Kuchen, den die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe eins des Max-Born-Gymnasiums am vergangenen Donnerstag vor der ersten Abiturprüfung aufgebaut haben. Daneben haben die Prüflinge sogenannte Mutkarten bekommen, die ihnen Kraft und Zuversicht schenken sollen. Die bunt gemalten Grüße im Postkartenformat haben die sechsten Klassen im Religionsunterricht gebastelt.

Während die Plakate und Kuchentische zum Abitur am Max-Born-Gymnasium schon eine lange Tradition haben, sind die Mutkarten, an denen jeweils noch ein Stück Traubenzucker klebt, in diesem Jahr neu, weiß Christoph Nesper, der stellvertretende Schulleiter. „Aber ich denke, es ist durchaus so gedacht, dass das zur Tradition werden soll“, sagt er. Bereits bei der Informationsveranstaltung für die Abiturientinnen und Abiturienten, bei denen Christoph Nesper diese wie in jedem Jahr über ihre Rechte und Pflichten bei den Prüfungen aufgeklärt hat („Was passiert, wenn Sie krank sind oder wenn Sie mit einem Spickzettel erwischt werden?“), haben zwei Religionslehrerinnen ihnen die Kärtchen übergeben.

Über die Eltern-Whatsapp-Gruppe wird das Buffet schnell organisiert

Während der Pandemie mussten Rituale und Traditionen rund ums Abitur wegen der strengen Hygienemaßnahmen an fast allen Gymnasien ausfallen. Spätestens jetzt leben sie wieder auf. Ihre Tochter, die dieses Jahr am Bildungszentrum Weissacher Tal (Bize) ihr Abitur schreibt, sei auf sie zugekommen und habe ihr von der Tradition erzählt, dass die Eltern der Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen vor Corona vor den Prüfungen immer ein kleines Buffet mit Snacks wie Obst, Muffins oder Rührkuchen zusammengestellt hatten, berichtet Daniela Fischer, Elternvertreterin am Bize. Deutschlehrer Severin Mühleisen hatte an dieses Ritual erinnert. Bei Daniela Fischer kam die Anregung gut an. In der Eltern-Whatsapp-Gruppe fragte sie, wer mitmachen wolle. Rasch meldeten sich mehrere Mütter und Väter, die sich engagieren wollten. „Das ging ganz schnell und unkompliziert“, sagt sie. „Wir wollen damit einfach zeigen, dass wir hinter den Kindern stehen, und ihnen ein positives Gefühl vermitteln, indem wir ihnen eine kleine Stärkung bereitstellen. Die Prüfungen dauern ja immer mehrere Stunden.“ Bevor sie den Vorsatz in die Tat umsetzen konnten, mussten die Eltern es aber noch mit der Schulleitung abklären. Rektorin Simone Klitzing begrüßte die Aktion. „Bei der Bioprüfung ist das jetzt auch schon angeboten worden“, berichtet sie.

Nervennahrung: Die Jahrgangsstufe eins am Max-Born-Gymnasium hat den Prüflingen der Stufe zwei einen Tisch mit Kuchen, Gebäckstücken und Obst vorbereitet. Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Nervennahrung: Die Jahrgangsstufe eins am Max-Born-Gymnasium hat den Prüflingen der Stufe zwei einen Tisch mit Kuchen, Gebäckstücken und Obst vorbereitet. Fotos: Alexander Becher

Für das Snackbuffet geben die Eltern Kuchen, Obst und Servietten einfach beim Sekretariat ab. Selbst aufbauen müssen sie den Tisch nicht. Das hat auch einen Grund. „Es gibt einfach bestimmte Richtlinien, die wir einhalten müssen. Wir Eltern dürfen beispielsweise nicht mehr in die Prüfungsräume“, erklärt Daniela Fischer.

Aufmunternde Worte stehen an Stellwänden

Plakate mit Mutmachsprüchen gibt es am Bize dagegen nicht. Das hänge mit der Sondersituation der Schule in Cottenweiler zusammen, die mehrere Schularten unter ihrem Dach versammelt, erklärt Rektorin Simone Klitzing. Auch Schulleiterin Jutta Birmele sagt, sie kenne solche Plakate eher von Schulen aus dem Kreis Esslingen. Es ist ihr erstes Abiturjahr an der Anna-Haag-Schule. „Andere Rituale und Traditionen sind mir bis jetzt noch nicht aufgefallen“, sagt sie. „Außer dass die Fachlehrerinnen und Fachlehrer vor den Prüfungen immer eine Süßigkeit auf jeden Tisch legen.“

Das machen auch die Lehrkräfte am Gymnasium an der Taus, und zwar schon seit Jahrzehnten, weiß Schulleiter Udo Weisshaar. Plakate mit Herzchen, Smileys und aufmunternden Worten von Schülern und Schülerinnen der Jahrgangsstufe eins beziehungsweise von Mitschülern, die selbst nicht an der jeweiligen Prüfung teilnehmen, hängen im Eingangsbereich und auf Stellwänden auf der Ebene sechs, wo die Abiturprüfungen stattfinden. Und noch ein weiteres Ritual kennt Udo Weisshaar: „Nach dem Ende der Prüfungen feiern die Abiturientinnen und Abiturienten alle im Plattenwald zusammen. Aber das sind nicht nur unsere Schüler, da kommen eigentlich alle aus Backnang – auch die vom Max-Born-Gymnasien und von den beruflichen Gymnasien – zusammen.“ Gemeinsam das Abitur feiern, das hat auch am Weissacher Bize längst Tradition. „Das immer schön zu beobachten“, findet Simone Klitzing.

Abiturprüfungen 2024

Zeitraum Am Donnerstag, 18. April, haben die Abiturprüfungen in Baden-Württemberg an den allgemeinbildenden Schulen mit dem Fach Biologie begonnen. Einen Tag später hat das Abitur an den Beruflichen Gymnasien mit der Mathematikprüfung angefangen. Die schriftlichen Prüfungen enden am 7. Mai (an den allgemeinbildenden Gymnasien mit dem Fach Mathematik).

Mündliche Prüfungen Von 26. Juni bis 8. Juli finden die mündlichen Prüfungen statt. In der Regel legen die Schülerinnen und Schüler in zwei Fächern eine Prüfung ab.

Prüflinge Dieses Jahr schreiben rund 47500 Schülerinnen und Schüler das Abitur in Baden-Württemberg, davon 31000 an den allgemeinbildenden Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe sowie 16000 an den Beruflichen Gymnasien.

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Erstellt:
22. April 2024, 06:00 Uhr

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