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Schnelle Radroute durchs Remstal

Machbarkeitsstudie für die Strecke Schorndorf–Fellbach weist Potenzial nach – Chance auf Realisierung mit hohen Zuschüssen

Zwischen Schorndorf und Fellbach könnte der erste Radschnellweg im Rems-Murr-Kreis entstehen. Wie Stefan Hein, der Leiter des technischen Dezernats im Landratsamt, jetzt berichtete, hat das Projekt eine „hohe Chance der Verwirklichung“. Eine Machbarkeitsstudie hat ausreichend Potenzial gezeigt.

In der Region Stuttgart wurden die Untersuchungen für mehrere Radschnellwege bereits abgeschlossen. Dazu gehört auch die Remstal-Verbindung.

© Pressefotografie Alexander Beche

In der Region Stuttgart wurden die Untersuchungen für mehrere Radschnellwege bereits abgeschlossen. Dazu gehört auch die Remstal-Verbindung.

Von Armin Fechter

AUENWALD. Die 22 Kilometer lange Route abseits anderer Verkehrswege kostet nach den bisherigen Schätzungen etwa 33 Millionen Euro. Wenn alles läuft, wie erhofft, bleiben davon dank einer hohen Bundes- und Landesförderung noch 12,5 Prozent zu finanzieren übrig.

Über die aktuelle Entwicklung sprach Hein anlässlich der jüngsten Kreistagssitzung in Auenwald-Hohnweiler. Es sei erklärtes Ziel der Landesregierung, bis zum Jahr 2025 insgesamt zehn Radschnellwege zu bauen. Mit den Planungen für die Pilotstrecken Heidelberg– Mannheim, Heilbronn–Neckarsulm–Bad Wimpfen und Plochingen–Esslingen– Stuttgart hat das Land bereits begonnen, als Nächstes sollen Strecken bei Freiburg und Karlsruhe folgen. Entscheidende Bedeutung misst Hein der Tatsache bei, dass die Radschnellwege nach einer Novellierung des Straßengesetzes klassifizierten Straßen gleichgestellt sind. Das Land habe sich bereit erklärt, die Routen zu finanzieren, wenn der betreffende Radschnellweg eine regionale oder überregionale Verbindungsfunktion innehat und in der Regel mit einem Verkehrspotenzial von 2500 Radfahrten pro Tag in der Prognose außerhalb der Ortsdurchfahrten zu rechnen ist. Wenn hingegen eine nahräumige und gemeindeübergreifende Verbindungsfunktion vorliegt und mit einem Aufkommen von mindestens 2000 Radfahrten täglich zu rechnen ist, sind Landkreise und Kommunen in der Pflicht. Dazu gibt es attraktive Zuschüsse: Vom Bund kann eine Förderung in Höhe von 75 Prozent der Baukosten erlangt werden. Das Land sattelt noch die Hälfte vom Rest drauf, sodass die Förderung am Ende 87,5 Prozent ausmacht.

Landesweit werden derzeit 40 Verbindungen auf ihre Machbarkeit hin untersucht. Der Landkreis hat für zwei Strecken Studien in Auftrag gegeben: Die Untersuchung für die Verbindung Schorndorf–Fellbach, die sieben Städte und Gemeinden anbindet, ist fertig und liegt bereits beim Land. Das andere Gutachten für die Route Waiblingen–Ludwigsburg steht vor dem Abschluss. Beide Strecken sind für eine Baulast Landkreis/Kommunen vorgesehen. Eine Anpassung beziehungsweise Höherstufung ist bei stärkerer Nutzung möglich.

Gut ausgebaute Trassen sollen den Umstieg aufs Rad attraktiv machen

„Wir wollen keine Zeit verlieren, aber auch nichts überstürzen“, sagte Hein zur Vorgehensweise. Das bekräftigte Landrat Richard Sigel: Es solle keine Schnellschüsse geben. Mit Blick auf die Beteiligung der Kommunen fügte er an, es solle niemandem etwas übergestülpt werden.

Die gut ausgebauten separaten Fahrradtrassen sind insbesondere für Pendler interessant, die auf dem täglichen Weg von und zur Arbeit umwelt- und klimafreundlich und schnell unterwegs sein wollen. Sie sollen den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad attraktiv machen.

Um als Schnellverbindung gelten zu können, müssen die Radwege bestimmte Merkmale erfüllen. So müssen sie mindestens fünf Kilometer lang und auf mindestens 80 Prozent der Strecke vier Meter breit sein, damit sich Radler ungestreift begegnen und überholen können. Im Fall der Strecke Schorndorf–Fellbach wird dieser Standard zu 88 Prozent erfüllt. Zudem sind die Trassen kreuzungsfrei zu führen. Die Fahrbahnoberfläche muss ferner eine Qualität wie auf Straßen aufweisen, und Fußgängerwege müssen baulich abgesetzt sein. Gefordert wird auch, dass die Schnellwege in den Winterdienst einbezogen sind.

Weiter berichtete Hein über die Planungen für das Radwegenetz im Kreis. Auf dem Meldeportal www.radfahren-im-rmk.de seien bereits zahlreiche Hinweise von Radfahrern und anderen Interessierten eingegangen. „Das bedeutet viel Arbeit bei den Rückmeldungen“, sagte Landrat Sigel – und die Antworten würden auch nicht unbedingt den Wünschen entsprechen. Aber, so Hein: Man habe sich mit der Radwegekoordinatorin Karen Fischer zum Ziel gesetzt, auf jede Meldung zu reagieren – es sei denn, dies sei ausdrücklich nicht gewünscht.

In diesem Zusammenhang wies Reinhold Sczuka (CDU) darauf hin, dass es Probleme bei potenziellen Radwegen gebe, die auf Forststraßen durch den Wald führen. Das bestätigte Dezernent Hein, der auch die Gründe näher erläuterte. Es geht da zum einen um Strecken, die von der Forstverwaltung für den Rückbau vorgesehen sind, insbesondere Straßen mit schadstoffbelasteten Schwarzdecken. Die betreffenden Materialien sollen entsorgt und die Wege dann geschottert werden. Forststraßen seien zudem generell für Schäden anfällig, weil bei Waldarbeiten schwere Maschinen eingesetzt werden, was Risiken für Radfahrer birgt.

Abgesehen davon ist die Lage in rechtlicher Hinsicht ziemlich schwierig: Bei einem für Alltagsnutzung ausgewiesenen Radweg müssten auch Sicherheitsanforderungen erfüllt sein. Gefahr besteht aber beispielsweise durch Astbruch. Solche Wege müssten deshalb genauso wie Straßen regelmäßig freigeschnitten werden, damit nichts passieren kann. Alltagsrouten sollen deshalb, so die Konsequenz, nicht durch den Wald geführt werden – im Gegensatz zu touristischen Routen, bei denen mit waldspezifischen Gefahren immer zu rechnen ist.

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Erstellt:
8. Mai 2019, 06:00 Uhr

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