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Schüler fordern Recyclingpapier

Mit ihrem Nachhaltigkeitsprojekt setzen sich Schüler der Max-Eyth-Realschule für die Umwelt ein

„Was können wir eigentlich tun?“, das haben sich die Schüler der Klasse 6a an der Max-Eyth-Realschule Backnang gefragt, nachdem sie einen Text über den Klimagipfel gelesen hatten. Dann haben sie beschlossen: Ihre Schule soll auf Recyclingpapier umstellen. Dafür mussten die Schüler Überzeugungsarbeit beim Lehrerkollegium, bei Schulleitern und der Stadt leisten – mit Erfolg.

Klasse 6a der Max-Eyth-Realschule mit ihrer Lehrerin Donate Weiß (hinten rechts). Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Klasse 6a der Max-Eyth-Realschule mit ihrer Lehrerin Donate Weiß (hinten rechts). Foto: A. Becher

Von Kristin Doberer

BACKNANG. „Unser Klima wandelt sich, das kann niemand mehr bestreiten und jeder muss etwas tun“, erklärt Liron Bäßler (12) bei der Präsentation des Nachhaltigkeitsprojekts seiner Klasse. Im Zuge des Projekts hat sich die Klasse 6a mit Lehrerin Donate Weiß dafür eingesetzt, dass alle Backnanger Schulen von Frischfaserpapier auf Recyclingpapier umstellen.

Auf die Idee kamen die Schüler selbst im Deutschunterricht, beim Lesen eines Textes über Greta Thunberg und den Klimagipfel im September 2019. „Da kam dann bei den Schülern die Frage auf: Was tun wir eigentlich?“, beschreibt Lehrerin Donate Weiß. Im anschließenden Gespräch sei von einer Schülerin dann auch der Hinweis gekommen, dass für die vielen Arbeitsblätter im Unterrichtsalltag auch viele Bäume gefällt werden müssen, etwas, das nicht allen bewusst war. „Vor dem Projekt dachte ich, dass es ohnehin nur Recyclingpapier gibt“, sagt Johannes Pfeil. „Ich wusste nicht, dass jeder fünfte Baum extra für Papier gefällt wird.“

Was die Schüler besonders interessiert hat: Wie sieht der Papierverbrauch an der Max-Eyth-Realschule aus und was würde es bringen, auf Recyclingpapier umzustellen? Das Ergebnis: Die Schule verbraucht etwa eine Million Blätter im Jahr, ausschließlich aus FSC-Frischfaserpapier – das übrigens alle Schulen in Backnang verwenden. Dabei scheinen die Vorteile für die Umwelt durch die Verwendung von Recyclingpapier offensichtlich: „Man könnte an unserer Schule pro Jahr 15000 Kilogramm Holz einsparen, 216000 Liter Wasser, 38600 Kilowattstunden Energie und 3200 Kilogramm CO2“, erklärt Liron Bäßler.

Doch es soll nicht nur bei der Recherche im Unterricht bleiben. Den Schülern ist schnell klar, dass sie auch etwas verändern wollen. Dafür haben sie sich ein klares Zeil gesetzt: die Umstellung auf Recyclingpapier an der Max-Eyth-Realschule und bestenfalls auch an allen weiteren Backnanger Schulen sowie in der Verwaltung. Um ihr Ziel zu erreichen, mussten die Schüler mehrere Hürden überwinden. „Zunächst haben wir den Zentraleinkauf für Backnang angesprochen, aber dort wurde uns gesagt, dass Schulen keinen Einfluss auf die Papiersorte nehmen können“, erklärt Weiß. Mit dieser Auskunft wollte sich die Klasse nicht zufriedengeben. Deshalb haben sie im November einen vierseitigen Brief an Oberbürgermeister Nopper verfasst, in dem sie die Vorteile von Recyclingpapier belegen. Daraufhin wurde die Klasse ins Rathaus geladen, um ihre Ergebnisse dort erneut vorzustellen. Damit haben sie erreicht, dass die Schulen in Backnang nun selbst darüber entscheiden, welches Papier sie bestellen möchten.

„Wenn Schüler etwas bewegen wollen, müssen wir sie unterstützen“

Außerdem haben sie ihr Anliegen vor dem gesamten Lehrerkollegium und vor der Schulleiterrunde Backnang präsentiert, mit Erfolg: Einstimmig hat die Schulleiterrunde für die Umstellung auf Recyclingpapier gestimmt.

100 Prozent zufrieden ist die Klasse mit dem Ergebnis nicht. „Wir hätten uns gewünscht, dass das Recyclingpapier verpflichtend für alle Schulen wird“, sagt Weiß. „Das kommt vielleicht irgendwann.“

Nun möchte Weiß mit ihrer Klasse noch weiter auf die Vorteile von Recyclingpapier aufmerksam machen. Und zwar über die Teilnahme an Wettbewerben wie dem Ideenwettbewerb „Nachhaltigkeit“ im Rems-Murr-Kreis. Auch dass das meiste Toilettenpapier in Supermärkten aus Frischfaserpapier besteht, wollen sie mehr an die Öffentlichkeit bringen. „Die meisten Leute wissen das gar nicht. Dabei ist es einfach Unsinn, Toilettenpapier aus Frischfaserpapier zu kaufen“, sagt Weiß. „Schließlich kann man das nicht mehr recyceln.“

Schulleiter Heinz Harter ist stolz auf die Leistung der 6a: „Man fragt sich, warum wir nicht schon längst umgestiegen sind. Manchmal braucht es einfach einen Anstoß.“ Sofort könne die Schule allerdings nicht zum Recyclingpapier wechseln, zunächst müsse man testen, welches Papier für die Drucker am besten geeignet sei. Außerdem hat die Schule einen Vorrat an FSC-Papier, der noch etwa vier Monate reichen würde. „Man braucht ja auch nicht für alles dasselbe Papier“, wirft Weiß hier ein. So schlägt sie vor, das gelagerte Frischfaserpapier für spezielle Anlässe aufzuheben und Arbeitsblätter und Schulaufgaben, die ohnehin nach einem Jahr vernichtet werden, auf recyceltem Papier zu drucken.

Auch Schulleiter Harter ist von der Idee überzeugt, nicht nur aus den ökologischen Gründen: „Wir haben die Verantwortung, hinzuschauen, wenn Schüler sich so für etwas einsetzen. Wenn die Schüler etwas bewegen wollen, müssen wir sie auch unterstützen.“

Info
FSC-Papier und Recyclingpapier:

FSC-Papier ist Frischfaserpapier, das aus Bäumen aus nachhaltiger Waldwirtschaft hergestellt wird. Es wird zu etwa 80 Prozent von Eukalyptusplantagen importiert.

Für die Herstellung von Recyclingpapier ist kein frischer Zellstoff nötig, da in Deutschland Altpapier in großen Mengen vorhanden ist.

Recyclingpapier ist günstiger in der Herstellung und kann bis zu siebenmal recycelt werden, erst danach ist die Beimischung von Frischfasern notwendig.

Recyclingpapier hat kaum noch Qualitätsunterschiede zu Frischfaserpapier. Es ist in allen Weißegraden verfügbar und kann ebenso gut archiviert werden.

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Erstellt:
4. Februar 2020, 11:30 Uhr

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