Seit 50 Jahren gibt er alles für die Weissacher Seemühle

Manfred Thiel feiert in diesem Jahr sein 50-Jahr-Betriebsjubiläum in der Seemühle in Unterweissach. 1974 begann er seine Lehre beim damaligen Müllermeister. Seit September 2023 ist er eigentlich Rentner. Arbeitstechnisch hat sich für ihn seither aber nicht viel geändert.

Müllermeister Manfred Thiel hat immer etwas zu tun in seiner Mühle. Normalerweise, sagt er, schaue er jeden Tag mal rein. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Müllermeister Manfred Thiel hat immer etwas zu tun in seiner Mühle. Normalerweise, sagt er, schaue er jeden Tag mal rein. Foto: Alexander Becher

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Ein halbes Jahrhundert hat Manfred Thiel in der Seemühle am Rand von Unterweissach verbracht. So pathetisch es auch klingen mag: Diese Mühle, sie ist sein Leben. Seit 50 Jahren bedient er in dem 1245 erstmals urkundlich erwähnten Gebäude die Maschinen, hält sie instand, schleppt Mehlsäcke, kontrolliert das von den Landwirten angelieferte Korn, lagert und mahlt es, bekämpft Ungeziefer mit Heißluft und erledigt dazu noch unzählige weitere große und kleine Aufgaben. Sechs Lehrlinge hat er im Lauf der Jahre selbst ausgebildet, darunter Sohn Andreas und Ziehsohn Nico Rojahn. Auch sie sind heute Müllermeister. Tochter Christina Antony ist als Chefin der Mühlenbäckerei für Einkauf und Verkauf zuständig.

„Seit ich in der Mühle bin, hat’s für mich nichts anderes gegeben“, sagt Manfred Thiel auf einem Stuhl im Pausenraum der Mühle. Am 1. August 1974, nach dem Hauptschulabschluss in Unterweissach, begann der heute 64-Jährige seine Lehre beim damaligen Müllermeister Heinz Frießinger. Im Jahr zuvor hatte er bereits die gesamten Sommerferien in der Mühle mitgearbeitet und sich einen Eindruck von dem Beruf des Müllers verschafft. „Nach drei Wochen habe ich vier DM pro Stunde bekommen, darüber habe ich mich richtig gefreut“, erinnert sich der 1959 in Unterweissach geborene Thiel.

Seit April 1996 pachtet er die Seemühle

Drei Jahre dauerte die Lehre, anschließend arbeitete er als Geselle in der Seemühle. 1981 verabschiedete er sich vorübergehend in die Bundeswehr. Als er nach 15 Monaten zurückkam, wurde das Mehl nicht mehr von Haus zu Haus ausgeliefert. „Stattdessen gab es Teigwaren, Müsli und Mehl in Regalen in der Mühle zu kaufen“, erzählt er.

Ermutigt von seinem Ausbilder besuchte Manfred Thiel die Meisterschule. Einen Teil absolvierte er in Backnang, den anderen im Münchener Stadtteil Pasing. 1989 erhielt er seinen Meistertitel. Sieben Jahre später, am 1. April 1996, erfolgte der Führungswechsel in Unterweissach. Meister Heinz Frießinger verabschiedete sich in den Ruhestand, Manfred Thiel pachtete die Seemühle. „Der Übergang ging reibungslos“, sagt er. „Ich war ja schon 22 Jahre da, das war also gar kein Problem. Angst hatte ich nur vor der Ernteannahme.“ Einmal im Jahr liefern die ganzen Landwirte innerhalb weniger Tage ihr Getreide an, „dann sind wir Tag und Nacht hier, um die Ware anzunehmen“.

Trotz Rente kommt Manfred Thiel nicht zur Ruhe

Weitere Themen

Als er die Seemühle pachtete, musste Manfred Thiel die gesamte Einrichtung übernehmen. Die Mahlmaschinen, sagt er, seien Vorkriegsmodelle. Am liebsten hätte er die Mühle deshalb erweitert, ein neues Gebäude mit modernen Maschinen nebenan gebaut. Seit 27 Jahren versucht er schon, die Seemühle zu kaufen. Erfolglos. 1997 schrieb er den ersten von vielen Briefen an seinen ehemaligen Chef. „‚Du bist ja noch gar nicht so lange selbstständig‘ war immer die Aussage“, sagt Manfred Thiel. Mittlerweile hat Heinz Frießingers Sohn die Vollmacht über die Mühle inne. Doch verkaufen mag auch er sie offenbar nicht. Die Zukunft sieht der jetzige Herr der Mühle daher nicht besonders rosig. „Wir konnten nicht so viel investieren, wie wir wollten, und das Gebäude ist auch schon alt.“ Ganz aufgeben möchte er die Hoffnung auf einen Kauf aber noch nicht. Auch deshalb hat er vor zwei, drei Jahren mit seinen Kindern eine GmbH&Co. KG gegründet.

Eine Ausnahmesituation war für sie alle die Pandemie. „Wir haben sieben Tage die Woche quasi durchgearbeitet. Alle wollten plötzlich Mehl haben“, sagt Manfred Thiel.

Er selbst ist eigentlich seit September 2023 in Rente. Arbeitstechnisch hat sich für ihn aber kaum etwas geändert. Nach wie vor geht er so gut wie jeden Tag in die Mühle. Auch sonntags. Und sei es nur, um mal eben nach der Quelle zu schauen. Wochentags ist er spätestens um 6 Uhr an seinem Arbeitsplatz. „Bis 18 Uhr geht’s rund“, sagt er. Sein Körper gibt ihm dabei immer öfter den Takt vor. „Die Knie sind kaputt, deshalb lege ich mich ab und zu mal hin.“ Aber so richtig ausruhen, das kann Manfred Thiel schlecht. „Nur auf dem Sofa herumliegen, das ist für mich nichts. Ich mache auch keinen Urlaub, das nervt mich bloß. Mir reicht es, mich mal abends auf die Terrasse zu legen.“ Von dort ist er, wenn’s sein muss, auch schnell in der Mühle. Dort, wo sich sein Leben abspielt.

Mühlenfest Dieses Wochenende findet das Weissacher Mühlenfest an der Mühle in Unterweissach statt. Das Fest beginnt am Samstag, 18. Mai, mit einem Countryabend. Von etwa 20 Uhr an spielen die Mavericks. An Pfingstsonntag, 19. Mai, beginnt bereits um 11 Uhr der Familientag, abends legt DJ Andy Smith bei einer 90er-Party auf. An Pfingstmontag, 20. Mai, wird der Deutsche Mühlentag um 11 Uhr offiziell an der Seemühle eröffnet. Auch an dem Tag ist für kleine und große Besucherinnen und Besucher viel geboten – inklusive Hüpfburg, Kinderschminken, Ponyreiten, Verkauf von Backwaren und Bewirtung im Zelt.

Zum Artikel

Erstellt:
15. Mai 2024, 11:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Tour durch Naturgärten in Weissach und Waldrems

Zum Saisonstart von „Backnang blüht auf“ geht es auf einer Führung durch zwei naturnah gestaltete Gärten. Sie zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, die Bedingungen für Flora und Fauna zu verbessern.

Stadt & Kreis

Im Herbst soll der Auenpark in Weissach fertig sein

Der Gemeinderat von Weissach im Tal hat seine Zustimmung zum zweiten Bauabschnitt des Parks gegeben. Dort soll vor allem der Däfernbach renaturiert und erlebbar werden. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen derzeit bei zirka 290.000 Euro.

Die Mütter Marina (links) und Andrea Bohn feiern mit ihren Söhnen Henry, Hugo und Hannes den Muttertag und Vatertag jeweils als Familientag. Foto: Alexander Becher
Top

Stadt & Kreis

Vatertag und Muttertag im Doppelpack

In diesem Jahr liegen die beiden Feste, an denen traditionell jedes Elternteil für sich gefeiert wird, nur drei Tage auseinander. Zwei Regenbogenfamilien, in denen zwei Mütter beziehungsweise zwei Väter die Eltern sind, geben Einblicke, wie sie diese Feiertage begehen.