Befragung von Bitkom
Senioren im Internet: Neue Studie widerlegt viele Klischees
Digital abgehängt? Das trifft auf immer weniger Senioren zu, wie eine neue Studie zeigt. Zwischen den Altersklassen gibt es allerdings große Unterschiede.
© Tim Brakemeier/dpa
Fast drei Viertel der Über-65-Jährigen nutzen inzwischen das Internet.
Von Rebekka Wiese
Die meisten älteren Menschen können sich das Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Das ist eine Erkenntnis aus der Studie „Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt“ des Branchenverbands Bitkom, die dessen Präsident Ralf Wintergerst am Donnerstag mit Bundesseniorenministerin Karin Prien (CDU) in Berlin vorgestellt hat. Demnach nutzen inzwischen rund drei Viertel der Über-65-Jährigen das Internet. Ebenso viele sagen, dass ein Leben ohne Onlinewelt unvorstellbar wäre.
„Man kann mit dieser Studie mit dem Klischee aufräumen, dass unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger sich nicht im Internet auskennen“, sagte Bitkom-Präsident Wintergerst. Die Zahlen zeigen, dass die Digitalisierung in der älteren Generation angekommen ist. Das ist neu: Bei einer Befragung von 2020 waren es erst 48 Prozent der Über-65-Jährigen, die das Internet nutzten.
Was Senioren im Internet machen
Heute gehen Seniorinnen und Senioren vor allem online, um zu kommunizieren. 92 Prozent schreiben E-Mails, 80 Prozent tauschen Textnachrichten aus. 60 Prozent nutzen auch Social-Media-Plattformen. 88 Prozent suchen im Internet nach Informationen zu persönlichen Interessen. Schon etwas mehr als die Hälfte der Über-65-Jährigen hat schon Sprachmodelle auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) genutzt, etwa Chat GPT oder Gemini.
Zwischen den Altersklassen gibt es aber große Unterschiede. Von den 65- bis 69-Jährigen sind inzwischen fast alle online, 98 Prozent der Befragten gaben an, das Internet in den vergangenen drei Monaten genutzt zu haben. Bei der Altersklasse zehn Jahre darüber, also den 75- bis 79-Jährigen, waren es schon nur noch 65 Prozent, bei den Über-80-Jährigen sogar nur 49 Prozent.
Seniorenministerin Prien sprach insgesamt von einem positiven Trend. Sie sagte aber auch: „Es gibt immer noch Menschen, die diesen Zugang nicht haben.“ Der Bund fördere deshalb verschiedene Programme, so Prien. Ein Beispiel: das Projekt „Digitaler Engel“, bei dem mobile Beratungsteams auf ältere Menschen zugehen und sie schulen. Prien erwähnte auch den „Digitalpakt Alter“, ein Netzwerk, in dem sich die Träger solcher Projekte organisierten. Sie kündigte weitere Vorhaben an, etwa eine generationenübergreifende Kompetenzinitiative.
