Sicherheitsfragen um Raddampfer bremsen Bürgerverein aus

dpa/lsw Mannheim. Ein Bürgerverein will die „Mainz“ aus ihrem Dornröschenschlaf wecken: Der Schaufelraddampfer soll überholt und als Museum hergerichtet werden. Doch es gibt Probleme.

Die „Mainz“, ein Raddampfer aus dem Jahr 1929, liegt in Mannheim auf dem Neckar an einem Ufersteg. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Die „Mainz“, ein Raddampfer aus dem Jahr 1929, liegt in Mannheim auf dem Neckar an einem Ufersteg. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Eigentlich sollte der historische Schaufelraddampfer „Mainz“ in neuem Glanz schon im Mai dieses Jahres als Publikumsmagnet in Mannheim dienen. Doch Sicherheitsfragen haben den Terminplan durcheinandergewirbelt. Nachdem die Sanierung des Schiffes als Museum unter anderem mit 300.000 Euro vom Bund finanziert ist, streiten sich Stadt und Verein über mögliche Gefahren. Die untere Wasserbehörde will das auf dem Neckar liegende Schiff aus dem Jahr 1929 so gesichert wissen, dass bei einem Unfall kein Besucher verletzt wird.

Aus Sicht des Chefs der Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschiffahrtsmuseums in Mannheim, Rudolf Götz, ist dieses Szenario abwegig. „Unfälle sind am Ankerplatz gar nicht denkbar, da müsste ein Boot schon eine 90-Grad-Kurve drehen - was nicht geht, da der Neckar da zu schmal ist.“ Der ehemalige Fregattenkapitän vermutet eine Blockade im Rathaus - und das obwohl der Gemeinderat für den Verbleib des schwimmenden Museums und neuen Ortes für Kultur in Mannheim gestimmt habe.

Das weist Stadtsprecherin Diana Schilling zurück. „Wir wollen dem Projekt keine Steine in den Weg legen.“ Die erneute Nutzung des Museumsschiffs nach dem Ende seiner wasserrechtlichen Genehmigung 2017 werde unterstützt. Es seien aber noch Fragen zum Betriebs- und Finanzierungskonzept zu klären, bevor die Genehmigung wieder erteilt werden könne. Das Land und die Stadt als Träger des Technikmuseums (Technoseum), das den 1986 als Museum eingerichteten Dampfer kostenlos dem Verein übertragen soll, seien im Dialog mit Götz und seinen Mitstreitern. Doch der sieht wenig Sinn in weiteren Gesprächen, weil die Stadt sich auf Dalben zur Sicherung festgelegt habe. Dalben sind in den Grund eingerammte Pfähle, die das Wasserfahrzeug zur Schifffahrtsrinne hin absichern könnten.

Die Stadt sieht nach Angaben Schillings drei Möglichkeiten, die „Mainz“ resistenter gegen Unfälle zu machen: Dalben, verstärkte Befestigungsketten oder „baulicher Anfahrtschutz“ an Bug und Heck. Der „Anfahrtsschutz“ läuft für Götz ebenfalls auf Dalben hinaus; die verstärkte Kette mache keinen Sinn, weil sie am Schiff nicht entsprechend fixiert werden könne. Ein „Gartenzaun“ aus Dalben würde verhindern, dass der bundesweit letzte Raddampfer mit Originalmaschine für Wartungsarbeiten jemals wieder bewegt werden könne. Für die Bedingungen der Stadt fehle die gesetzliche Grundlage. Und es werde mit zweierlei Maß gemessen: Kreuzfahrtschiffe dürften ohne die für die „Mainz“ geforderten Vorkehrungen in Mannheim sogar über Nacht anlegen.

Auf den Zeitpunkt einer Entscheidung über die Zukunft des historischen Wasserfahrzeugs will sich die Verwaltung derzeit nicht festlegen. „Wir verlieren langsam den Mut“, beschreibt Götz die Stimmung im Verein. Was passiert, wenn Stadt und Verein sich nicht verständigen? Götz meint resigniert: „Dann kommt die „Mainz“ in Holland in den Ofen.“

© dpa-infocom, dpa:210605-99-870697/2

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Erstellt:
5. Juni 2021, 08:06 Uhr

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