Sieben Konfessionen feiern 25 Jahre Verbundenheit

Die Backnanger Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) begeht ihr Jubiläum mit Spiel, Spaß und Informationen auf dem Stiftshof.

25 Jahre Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bildern dargestellt. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

25 Jahre Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bildern dargestellt. Foto: J. Fiedler

Von Uta Rohrmann

Backnang. Oft passt es einfach doch noch, wenn es darauf ankommt. Entgegen den Drohungen der Wetter-App kamen keine Gewitter und kurz vor der Feier der sieben Konfessionen, die im Backnanger Stiftshof ihre 25-jährige Verbundenheit in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) begingen, hörte der Regen auf. Schnell wurden noch die Stühle außerhalb der Überdachung abgewischt. Auch andere Unbekannte waren in der Planung, die unter Leitung des ACK-Vorsitzenden Klaus Herberts vor etwa zwei Jahren begann: Weder sei die Coronalage abschätzbar gewesen, noch habe man den Termin für die Bundestagswahl gekannt.

Vor der malerischen Kulisse von Stiftskirche und Altstadt brachte die Band des Evangelischen Jugendwerks (EJW) unter Leitung von Daniel Kern die Freude und Dankbarkeit über diesen besonderen Anlass schwungvoll zum Ausdruck. Klassische Choräle mit modernen Arrangements, alte und neue Texte und Melodien aufeinander abgestimmt, zeigten eindrucksvoll, wie das Lob Gottes über Zeiten und Stilrichtungen hinweg eine harmonische Einheit bildet.

Vergleich der unterschiedlichen Christen mit Gliedern an einem Leib

Einheit in Vielfalt – das kann man auch in verschiedenen Bildern ausdrücken. Im ersten Brief an die Korinther, zwölftes Kapitel, das nach der ökumenischen Einheitsbibel vorgetragen wurde, vergleicht der Apostel Paulus die unterschiedlichen Christen mit Gliedern an einem Leib, dessen Haupt Christus ist. Als Jubiläumsmotto hatte sich das Vorbereitungskomitee für „Helles Licht in bunten Farben“ entschieden. „Weißes Licht ist physikalisch quasi eine Mischung aus den Farben des Regenbogens“, erläuterte der katholische ACK-Mitbegründer Klaus Herberts. „Das Licht steht für Jesus Christus, nach dem Johannesevangelium das Licht der Welt. Der Regenbogen steht für den Bund Gottes mit den Menschen. Das eine, helle Licht erscheint zwar in verschiedenen Farben – und in verschiedenen Konfessionen, es handelt sich aber um das eine Licht, das aus Gott hervorgeht.“

Derzeit sind sieben Mitgliedskirchen in der ACK aktiv, die sich jeweils anhand eines Symbols vorstellten. So erklärte Lisa Späth eine Besonderheit der Neuapostolischen Kirche, die einen Gaststatus in der ACK hat, anhand einer Schale mit Wasser und einer Taube: Es gibt dort drei Sakramente, neben dem Abendmahl die Taufe mit Wasser und die Taufe mit dem Heiligen Geist. Friedemann Sommer, Pastor bei den Mennoniten, erläuterte deren Gemeindelogo, das aus vier aufeinander zulaufenden Pfeilen besteht, die ein Kreuz bilden. Im Zeichen des Kreuzes sei es möglich, Konflikte anzugehen und zur Versöhnung zu finden.

Claudia Ax von der katholischen Kirche brachte eine Weltkugel mit, um zu verdeutlichen, dass der Glaube allumfassend sei. Im Namen der Evangelisch-methodistischen Kirche brachte Manfred Jeutter Farbstifte mit und den Wunsch, „dass Gott durch uns ein buntes Bild seiner Liebe malen kann“ – beispielsweise durch den allen offen stehenden Mittagstisch oder das Sommerzeltlager für junge Menschen.

Klaus Siebrand von der Evangelischen Landeskirche brachte einen großen gebackenen Schlüssel mit: „Jeder kann zu jeder Zeit zu Gott kommen.“ Christoph Feix, einer der Pastoren der Biblischen Gemeinde, zeigte deren Gemeindelogo, das die Buchstaben B und G zu einem Schiff in Fahrt vereint. Symbolisiert wird damit die Gemeinde, die vom Heiligen Geist in der Welt bewegt werde. Baptistenpastor Viktor Petkau brachte ein Auferstehungskreuz mit: „Jesus ist auferstanden! Er lebt und lädt Menschen ein, ihn kennenzulernen und ihm nachzufolgen.“

Bei der Gründung der Backnanger ACK im März 1996 war neben der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Evangelischen und Katholischen Gesamtkirchengemeinde außerdem die Griechisch-orthodoxe Gemeinde dabei, die sich dann aber leider nicht mehr beteiligte und auch beim Jubiläum nicht vertreten war. Hingegen konnte Dekan Wilfried Braun, zweiter ACK-Vorsitzender, auch Gäste von der muslimischen Gemeinde begrüßen.

In seinem Grußwort würdigte Oberbürgermeister Maximilian Friedrich, Sohn einer katholischen Mutter und eines evangelischen Vaters, die Backnanger ACK als Ökumene, die heute mit viel Leben und Herzblut gefüllt sei.

Flugs vergingen die anderthalb Stunden nach dem Gottesdienst mit Begegnungen auf dem Stiftshof. Mit Angeboten wie Hüpfburg, Rennbahn oder aufblasbarem Fußballfeld war Familienfreundlichkeit und Spaß beim Nachwuchs gesichert. Einzelne, die hier namentlich nicht genannt werden wollen, kamen auch extra wegen des – zugegebenermaßen sehr leckeren – Kuchenbuffets, das von den verschiedenen ACK-Mitgliedern zusammengestellt und von neuapostolischen Damen und Herren freundlich betreut wurde. Man traf Bekannte, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte, und kam an den Ständen der Mitgliedskirchen bei einer Tasse Kaffee auch mit Menschen aus anderen Glaubensrichtungen in anregende Gespräche.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob“

Den Abschluss bildete ein Vortrag zum Jubiläumsmotto „Helles Licht in bunten Farben“ des Rundfunkjournalisten und Theologen Andreas Malessa in der Stiftskirche. Mit seiner originellen und provozierenden Art stellte er anhand von Römer 15,7 („Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob“) die teils extreme Unterschiedlichkeit der Christen im Römischen Reich wie auch heute heraus. Weil jedoch das eigene Angenommensein bei Gott bereits geschehen sei, ginge es darum, dieses Geschenk weiterzureichen und damit Gott zu ehren. „Wenn ein Christ anders denkt als Sie, müssen Sie Gott nicht jedes Mal zum Vaterschaftstest bitten. Sie können nicht weniger Geschwister haben, als Gott Kinder hat“, so Malessa.

Zum Artikel

Erstellt:
28. September 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Junge frankophile Mitstreiter gesucht

Noch sind die Formalitäten zur Gründung des Partnerschaftsvereins Backnang/Annonay nicht abgeschlossen, im Hintergrund werden aber schon Fäden gesponnen, die in die Zeit nach der coronabedingten Durststrecke reichen. In Annonay gibt es einen Wechsel beim Partnerschaftskomitee.

Stadt & Kreis

Bus lässt Schüler an Haltestelle stehen

Nach Stopps in Sulzbach und Oppenweiler finden Strümpfelbacher Kinder morgens keinen Platz mehr im rappelvollen Bus der Linie 390. Stadträtin Siglinde Lohrmann fordert zum wiederholten Mal den Einsatz von mehr Bussen. Der Landkreis kündigt eine Fahrgastzählung an.

Stadt & Kreis

Abfallentsorgung soll mehr Service bieten

In Zusammenarbeit mit den Kommunalpolitikern hat die Abfallwirtschaft Rems-Murr als Kommunalanstalt des Rems-Murr-Kreises ein neues Konzept erarbeitet, das nun im zuständigen Ausschuss des Kreises mehrheitlich für gut befunden wurde. Allein der Backnanger Gernot Gruber stimmt dem Konzept nicht zu.