2026 Mehrkosten von 3,5 Milliarden Euro
So viel kosten Deutschlands Beamte den Staat
Das Verfassungsgericht hat die Vorgabe gemacht, jetzt muss das Innenministerium handeln. Um die Besoldung seiner Beamten anzupassen, muss der Bund zusätzlich sehr viel Geld in die Hand nehmen.
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Deutschlands Beamte kosten den Staat jährlich hohe zweistellige bis dreistellige Milliardenbeträge.
Von Markus Brauer
Der ohnehin schon auf Kante genähte Bundeshalt wird weiter belastet. Das Bundesinnenministerium hat einem Medienbericht zufolge einen Gesetzentwurf zur Beamtenbesoldung vorgelegt.
Warum wird die Beamtenbesoldung angepasst?
Aufgrund der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zu einer angemessenen Bezahlung der Beamten soll eine neue Besoldungsstruktur umgesetzt werden. 2026 und 2027 würde dies zu Mehrkosten von 6,912 Milliarden Euro führen, plus weiteren 707 Millionen Euro rückwirkend für 2025, wie es in einer Prognose im Entwurf des Innenministeriums heißt, der dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ vorliegt. Danach dürften sich die Kosten weiter erhöhen.
Deutschlands Beamte kosten den Staat jährlich hohe zweistellige bis dreistellige Milliardenbeträge. Insgesamt verschlingen Personal- und Versorgungskosten (inklusive aktiver Beamte) einen wesentlichen Teil der staatlichen Haushalte, wobei die langfristigen Versorgungslasten auf über 800 Milliarden Euro geschätzt werden.
- Aktive Beamte: Zwar sind aktive Beamte oft günstiger als Angestellte, doch verursachen sie hohe Personalkosten für Bund, Länder und Kommunen.
- Pensionäre: Die Ausgaben für Pensionen, Hinterbliebenenversorgung und Beihilfen steigen drastisch, da immer mehr Staatsdiener in den Ruhestand gehen.
Wie viele Beamte gibt es in Deutschland?
- Für den Staat arbeiten rund 1,8 Millionen Beamte (inklusive Richter). Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden ist das gut ein Drittel aller Beschäftigten im öffentlichen Dienst.
- Die meisten Beamten sind bei den Ländern und Kommunen tätig – etwa als Lehrer oder bei der Polizei.
- Der Bund beschäftigt rund 200.000 Staatsdiener – vor allem in den Bundesministerien und ihren nachgeordneten Behörden, wie dem Bundeskriminalamt (BKA) oder der Bundespolizei.
Warum sind Beamte keine Arbeitnehmer?
Beamte sind keine Arbeitnehmer, weil sie gegenüber ihrem Dienstherrn, den staatlichen Behörden, in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis stehen. Dadurch haben sie Anspruch auf besondere Fürsorge seitens des Staates.
- Sicherer Job: Nach einer in der Regel dreijährigen Probezeit können Beamte in der Regel nicht mehr gekündigt werden – außer bei schweren Verstößen wie etwa Straftaten
- Einkommen: Beamte erhalten regelmäßige Besoldungserhöhungen, die an das Dienstalter gekoppelt sind. Zuschläge gibt es für Verheiratete und Eltern.
- Sozialabgaben: Weil Beamte nicht arbeitslos werden können, zahlen sie keine Beträge in die Arbeitslosen- und Rentenversicherung ein. Der Staat finanziert komplett ihre Pension.
- Gesundheit: Beamte erhalten Beihilfe, die einen großen Teil der Behandlungskosten abdeckt. Für den Rest müssen sie sich privat versichern.
Was kostet das Beamtentum?
- Gesamtausgaben: Die Personalausgaben der öffentlichen Hand liegen bei mehr als 250 Milliarden Euro jährlich.
- Besoldung (Aktive Beamte): Die Personalausgaben des Bundes für aktive Beamte beliefen sich 2024 auf rund 43 Milliarden Euro.
- Pensionen (Versorgungsausgaben): Die Versorgung für pensionierte Beamte, Richter und Berufssoldaten des Bundes lagen 2024 bei rund 7,4 Milliarden Euro. Rechnet man Kommunen und Länder sowie nachgeordnete Behörden hinzu, kommt man auf einen Betrag von 54,8 Milliarden Euro (2023).
- Durchschnittliche Pension: Die durchschnittliche Beamtenpension betrug 2023 rund 3240 Euro brutto im Monat, 2025 waren es bereits 3400 Euro.
- Zusätzliche Kosten: Die neue Besoldungsstruktur wird den Bund zusätzlich 3,5 Milliarden Euro pro Jahr kosten.
- Steigende Kosten:Wegen der demografischen Entwicklung dürften die Kosten für Beamtenpensionen in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen. Die Kosten werden aus Steuergeldern finanziert, und die Pensionslasten stellen eine erhebliche finanzielle Herausforderung für zukünftige Haushalte dar.
Warum zahlen Beamte nicht in die Rentenkasse ein?
Beamte in Deutschland zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, weil sie ein eigenes Versorgungssystem haben: die sogenannte Beamtenversorgung. Dieses System basiert auf dem sogenannten Alimentationsprinzip, das Beamten im Ruhestand ein lebenslanges Ruhegehalt garantiert, das sich am letzten Grundgehalt und an der Dienstzeit orientiert. Die Pensionen werden direkt aus den Haushaltsmitteln des Staates (Bund, Länder, Kommunen) gezahlt, nicht aus einem Kapitalstock oder durch Beiträge der Beamten selbst.
