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Sondierung fördert Pilgerstaffelreste zutage

Stadt stößt bei Vorerkundung des oberen Abschnitts auf Teile des ehemaligen Treppenwegs – Denkmalamt eingebunden

Um den Wiederaufbau der Pilgerstaffel an der Walterichskirche ist es zwischenzeitlich ruhig geworden. Hintergrund ist, dass die von Fachfirmen veranschlagten Baukosten das mögliche Budget überstiegen, das Unterstützer sowie Bürgerstiftung in Form von Spenden zusammengetragen haben. Nun hat die Stadtverwaltung, um das Projekt genauer planen zu können, auf Anregung des Denkmalamts eine Sondierung vorgenommen, bei der weitere Reste der Staffel gefunden worden sind.

Der Fund mit Erläuterungen von Christian Schweizer. Er und sein Vater Rolf Schweizer sowie Gisela Maurer waren als Stiftungsräte mit Bürgermeister Armin Mößner und Stadtbaumeister Lars Kaltenleitner bei der Grabung vor Ort. Grafik/Foto: C.Schweizer/C. Schick

Der Fund mit Erläuterungen von Christian Schweizer. Er und sein Vater Rolf Schweizer sowie Gisela Maurer waren als Stiftungsräte mit Bürgermeister Armin Mößner und Stadtbaumeister Lars Kaltenleitner bei der Grabung vor Ort. Grafik/Foto: C.Schweizer/C. Schick

Von Christine Schick

MURRHARDT. In Absprache mit dem evangelischen Kirchengemeinderat Murrhardt sowie Pfarrer Hans Joachim Stein hat die Stadtverwaltung am vergangenen Montag besagte Sondierung in Angriff genommen.

Der Hintergrund: Bei Gesprächen mit der oberen Denkmalbehörde bezüglich des Neubaus der Pilgerstaffel wurde angeregt, unter archäologischer Begleitung weitere Nachweise zur Rekonstruierung des ehemaligen Verlaufs zu suchen. Hierbei war besonders die Stelle interessant, an der die Pilgerstaffel damals durch die Kirchhofmauer auf das Gelände der Walterichskirche und den umgebenden Friedhof gestoßen ist.

Mößner: „Fund ist ein wichtiger Schritt“

Bürgermeister Armin Mößner berichtet, dass Antonio Braz-Sequeira vom Zweckverband Bauhof bei den vorsichtigen Arbeiten zunächst einen kleinen Bagger eingesetzt und später noch per Hand beziehungsweise Schaufel gegraben hat. Die Stelle liegt vergleichsweise ebenerdig zwischen Kirchhofmauer und dem Weg an der Walterichskirche. Mößner schätzt, dass es sich um eine Fläche von vielleicht fünf Quadratmetern handelt. Auf etwa 1,7 Metern Tiefe traten bei der Grabung dann neben einer sogenannten Treppenwange, also der seitlichen Einfassung, auch eine Trittstufe sowie Wegeplatten zutage – alle Stücke sind noch sehr gut erhalten. Die gegenüberliegende Treppenwange allerdings ist nur noch im Ansatz zu erkennen. „Der Fund ist ein weiterer wichtiger Schritt für das Projekt des Wiederaufbaus“, sagt der Bürgermeister. Auch wenn er sich sogar etwas mehr Substanz erhofft habe, zeigt er sich dennoch zufrieden. Nächster Schritt war, das Landesamt für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart über das Ergebnis zu informieren und mit Dokumentationsmaterial zu den Funden zu versorgen. Dort müssen die Fachleute entscheiden, wie es weitergehen kann. Für den Bürgermeister macht es aber Sinn, auch den weiteren Bereich in Richtung Walterichskirche zu untersuchen. „Es könnte ja sein, dass wir so auf weitere, vielleicht fünf bis sieben Treppenstufen treffen.“

Letztlich müsse man für den Wiederaufbau den Abschnitt ja sowieso aufgraben und mit einer weiteren Sondierung ließe sich bei der Planung des Projekts sehr viel genauer vorgehen, so der Gedanke. Dass auf der gegenüberliegenden Seite, also hangabwärts, aller Wahrscheinlichkeit nach nichts an zusätzlichen Resten mehr in der Erde ruht, hatten Grabungsstichproben 2013 ergeben. Damals stießen die Mitarbeiter im Wesentlichen an zwei Stellen auf größere, noch erhaltene Fundamentsteine der ehemaligen Treppe – auf Höhe des unteren Drittels waren dies Steinblöcke mit einem Teil der seitlichen Begrenzung (Wangen- oder Futtermauer) sowie am Fuße der Friedhofsmauer weitere Fundamentteile.

An Grundzügen der Planung ändert sich nichts

Offen ist immer noch, wie das Vorhaben finanziert werden kann. Beim Stifterforum der Bürgerstiftung Murrhardt Ende 2018 berichtete Mößner unter anderem auch zum Stand des Projekts. Für den Wiederaufbau steht mittlerweile die Summe von 230000 Euro zur Verfügung. Zuvor war das Vorhaben ins Stocken geraten. Bereits zweimal hatten Stadtverwaltung und Gemeinderat die Arbeiten ausgeschrieben, mussten die Vergabe aber beide Male aufgrund der zu hohen Angebotspreise von etwa 280000 Euro wieder aufheben, die die finanziellen Möglichkeiten überstiegen. Eine Überlegung war später, die Arbeiten „freihändig zu vergeben“, was laut Mößner nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen möglich ist.

An den Grundzügen der Planung hat sich nichts geändert: Die neu aufgebaute Pilgerstaffel soll beginnend am Walterichsweg im Stadtgarten parallel zur alten ehemaligen Trasse den Hang hinauf zum ehemaligen Tor in der Kirchhofmauer zur Walterichskirche und zum Ölberg-Triptychon führen. Auf der Länge von 53 Metern werden rund 15 Höhenmeter überwunden. Die künftige Staffel soll 91 Stufen und zwölf unterschiedlich große Zwischenpodeste umfassen.

Die Fundstelle befindet sich zwischen Kirchhofmauer und Walterichskirche. An der Seite des Gebäudes unter dem Holzdach (hinten rechts) ist der verschlossene Ölberg zu sehen.

Die Fundstelle befindet sich zwischen Kirchhofmauer und Walterichskirche. An der Seite des Gebäudes unter dem Holzdach (hinten rechts) ist der verschlossene Ölberg zu sehen.

Info
Die Pilgerstaffel zur Walterichskirche ist um das Jahr 1100 entstanden

Die Pilgerstaffel führte vom Walterichsweg im Stadtgarten in 73 Stufen, unterbrochen von vier Zwischenpodesten, diagonal auf der Nordseite des Walterichshügels hinauf zur Walterichskirche. Archäologisch ist sie etwa zeitgleich mit der romanischen Wallfahrtskirche um das Jahr 1100 entstanden.

Über 900 Jahre lang hatte die Pilgerstaffel eine wichtige heimatkundliche Funktion und Tradition. Als besondere Bußübung kletterten Fromme aus nah und fern auf den Knien die Treppe hinauf. In der Osternacht zogen viele Pilger bei der feierlichen Lichterprozession über die Treppe zur Kirche. Dazu gibt es einen Augenzeugenbericht der Engelwirtin Mathilde Zügel aus dem Jahr 1896.

Wie die Pilgerstaffel aussah, vermitteln verschiedene Bilder, darunter eine Radierung des Murrhardter Kunstmalers und Ehrenbürgers Reinhold Nägele. Zudem verfasste der Engelwirtssohn Wolf Zügel 1942 als junger Offizier in der Ukraine ein Gedicht über die geschichtsträchtige Treppe als letzten Gruß an die Heimat.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Pilgerstaffel und wurde Ende der 1940er-Jahre abgebrochen. Trittsteine wurden teils zur Erneuerung und Ausbesserung der Kirchhof- und Friedhofsmauer verwendet.

In der jüngeren Vergangenheit haben viele Murrhardter sowie mittlerweile auswärts wohnende ehemalige Bürger der Stadt für den Wiederaufbau der Pilgerstaffel gespendet. Die Spendensumme auf dem Sonderkonto des Geschichtsvereins Murrhardt wuchs kontinuierlich, bis sich im Jubiläumsjahr 2013 die Bürgerstiftung Murrhardt ebenfalls für die Pilgerstaffel als heimatgeschichtliches Projekt engagierte.

Die Bürgerstiftung freut sich über weitere Spenden zugunsten des Wiederaufbaus der Pilgerstaffel: Interessenten und Unterstützer können sich an sie unter Telefon 07192/213-101 oder E-Mail buergerstiftung@murrhardt.de wenden.

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Erstellt:
12. September 2019, 11:30 Uhr

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