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Spaß an den gemeinsamen Spielen

Vergnügliche Vielfalt-Games öffnen den Blick für die Welt von Menschen mit Handicap – Bunte Wettkampfdisziplinen

Einblicke in die Welt von Menschen mit Handicap wurden den Teilnehmern bei den Vielfalt-Games in Murrhardt gewährt. Wettkampfdisziplinen wie Rollstuhl-Basketball oder „Blinder Wettlauf“ galt es zu bewältigen. Der Spaß sollte im Vordergrund stehen bei der Veranstaltung des Vereins „Vielfalt tut gut“.

Voller Einsatz: Wer beim „Bubble-Soccer“ angerempelt wird und hinfällt, kommt nicht allein wieder auf die Beine – da ist die Hilfe der anderen Akteure gefordert. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Voller Einsatz: Wer beim „Bubble-Soccer“ angerempelt wird und hinfällt, kommt nicht allein wieder auf die Beine – da ist die Hilfe der anderen Akteure gefordert. Foto: J. Fiedler

Von Claudia Ackermann

MURRHARDT. Auf dem Sportplatz bei der Stadthalle vergnügen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei einem ungewöhnlichen Wettkampf. Wie anstrengend ist es eigentlich, mit einem Rollstuhl eine Rampe hinaufzufahren oder einen Slalomparcours zu überwinden?

Felix wollte das wissen. In seiner Kindergartenzeit war er mit einem Jungen befreundet, der auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Ich wollte ein Gefühl bekommen, wie sich das anfühlt“, sagt der Zehnjährige. Ganz schön schwer ist es, den Rollstuhl um die Hindernisse herumzulenken. Bei seiner sechsjährigen Schwester Pauline reicht die Kraft, die Rampe hochzufahren, kaum aus. Da wird eben ein wenig nachgeholfen. Am Ende schafft es das Mädchen doch und erhält Applaus. Felix hatte zuvor ein Erfolgserlebnis beim Dosenwerfen. Verschiedene Brillen müssen aufgesetzt werden, die Sehbeeinträchtigungen simulieren. „Ich bin das gewöhnt“, sagt der Junge. Er selbst hat eine Sehschwäche und trägt eine starke Brille. So hatte er gegenüber seinen Mitstreitern beim Spiel vielleicht sogar einen Vorteil.

Unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen begegnen einander

Im vergangenen Jahr fanden die Vielfalt-Games zum ersten Mal in Murrhardt statt. Beim Verein „Vielfalt tut gut“ geht es darum, Menschen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zusammenzubringen – Jung und Alt, Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund oder eben Menschen mit oder ohne Behinderungen, erklärt der Vorsitzende Christian Staita. Man wolle aufzeigen, „dass miteinander alles viel besser und schöner funktioniert“. Für die Vielfalt-Games hat sich der Veranstalter Kooperationspartner mit ins Boot geholt. So stellt etwa der Verein Kubus (Kultur und Begegnung für Menschen in unterschiedlichen Situationen) aus Stuttgart die Brillen zur Simulation der Sehbehinderungen zur Verfügung. Ebenso wie die großen aufblasbaren Kugeln, in die die Teilnehmer beim „Bubble-Soccer“ hineinschlüpfen.

Eine Gruppe Jugendlicher ist mit vollem Einsatz dabei. Ungewohnt ist es, dass man sich nicht so schnell und wendig wie sonst auf dem Spielfeld fortbewegen kann. Die Sicht ist beeinträchtigt, und wenn man angerempelt wird und hinfällt, kommt man alleine nicht so leicht wieder auf die Beine. Da ist die Hilfe der Mitspieler gefragt.

Auch die Sport-Rollis für das Rollstuhl-Basketball-Spiel hat der Verein Kubus zur Verfügung gestellt. „Eine coole Aktion“, sagt der 15-jährige Linus: „Wir kommen zusammen und haben Spaß.“ Benjamin, 14 Jahre, fügt hinzu: „Schon krass für die Menschen, die immer im Rollstuhl sitzen müssen.“ Jetzt könne man sich vorstellen, wie das ist. Der 17-jährige Sebastian unterstreicht: „Es am eigenen Leib zu erfahren, ist was ganz anderes.“

Derweil ist eine Teilnehmerin an der Station „Blinder Wettlauf“ in der Stadthalle angekommen. Mit verbundenen Augen gilt es, geleitet und dirigiert, einen Parcours aus Sportgeräten zu überwinden. „Man nimmt die Umgebung ganz anders wahr und fühlt sich hilflos und orientierungslos“, resümiert Tatjana Spengler, nachdem sie das Ziel erreicht hat. „Ich musste mich komplett auf andere verlassen.“ Für sie war das eine eindrucksvolle Erfahrung: „Respekt vor denen, die nichts sehen. Respekt, wie sie durchs Leben kommen.“

13 Stationen müssen von den Teilnehmern durchlaufen werden, an denen es jeweils maximal zehn Punkte gibt. Bei einem ungewöhnlichen Tischfußball vergnügen sich Naemi, Mikk, Levin und Jule. Durch Löcher in der Tischplatte haben sie ihre Köpfe gesteckt und können den Ball nur durch Pusten ins gegnerische Tor befördern. Die Zwölfjährigen sind schon Spezialisten in dieser Disziplin. Nachdem sie den Freizeitspaß im vergangenen Jahr bei den Vielfalt-Games kennengelernt haben, haben sie das Gerät gemeinsam zu Hause nachgebaut. Sie freuen sich über das Angebot der Spiele zusammen mit anderen in den Ferien.

Aufgaben sind zu lösen, bei denen es auf Teamgeist ankommt

Am Stand des Kreisjugendrings Rems-Murr geht es um das Testen der Sinne beim Fühlen, Riechen oder Schmecken, Wissens- und Konzentrationsspiele sind dabei oder ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem es auf Teamgeist ankommt. Am Ende winken kleine Preise in Form von Gutscheinen. Aber das steht für die meisten Teilnehmer nicht im Vordergrund, sondern der Spaß an den gemeinsamen Spielen und neue Erfahrungen, die zum besseren Verständnis für Menschen mit Handicap beitragen.

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Erstellt:
12. August 2019, 06:00 Uhr

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