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Spektakuläre Kriminalfälle

In einer neuen Serie berichtet unsere Zeitung über sechs alte Fälle von Mord, Totschlag und aufsehenerregenden Einbrüchen.

Symbolfoto: Bernd Libbach - adobe.stock.com

© Bernd Libbach - stock.adobe.com

Symbolfoto: Bernd Libbach - adobe.stock.com

Von Hans-Christoph Werner und Florian Muhl

BACKNANG. Über spektakuläre Kriminalfälle, die sich in den vergangenen 70 Jahren im Raum Backnang zugetragen haben, berichtete unsere Zeitung 2012 in einer siebenteiligen Serie. Die Palette damals reichte vom unaufgeklärten Mord am Kaufhauschef Max Mayer im Jahr 1973 über eine elfköpfige Zorro-Bande bis hin zum Polizeibeamten Norbert Poehlke, der als Hammermörder die ganze Region in Angst und Schrecken versetzte. Mit dem kurzen Überblick über diese sieben spektakulären Kriminalfälle auf dieser Panoramaseite starten wir heute eine neue Serie zu diesem Thema. Unser Mitarbeiter Hans-Christoph Werner hat weitere sechs „alte Kriminalfälle“ aus den Jahren 1967 bis 1993 ausgegraben, die er noch einmal aufrollt. Dabei geht es um einen Überfall auf ein Spielcasino und den Diebstahl von Dynamit sowie erneut um Mord und Totschlag.

 Ewald Mayer (rechts)

Ewald Mayer (rechts)

Mord bleibt unaufgeklärt

Am Abend des 4. November 1973 wird Ewald Mayer, Mitinhaber des bekannten Backnanger Kaufhauses Max Mayer, in den Geschäftsräumen seines Hauses schwer verletzt aufgefunden. Ins Krankenhaus eingeliefert, konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Anscheinend hatte der Kaufmann bei seinem abendlichen Rundgang durch die Geschäftsräume Einbrecher überrascht. Schwer verletzt hatte er sich noch bis zum Telefon geschleppt, dann aber keine Kraft mehr gehabt, Hilfe zu rufen. Einen Monat nach der Tat wurden zwei 19-jährige Männer des Überfalls verdächtigt. Sie waren an jenem Novembertag nach Backnang getrampt, hatten erst versucht, in eine Tankstelle einzubrechen und waren dann wohl in das Kaufhaus eingestiegen. Vor Gericht beschuldigten sich die beiden Verdächtigen gegenseitig. Da ihnen die Tat nicht nachgewiesen werden konnte, wurden sie freigesprochen.

Auf dem Foto die ehemalige Kreissparkassenfiliale in Burgstall

© Edgar Layher

Auf dem Foto die ehemalige Kreissparkassenfiliale in Burgstall

Raubüberfälle nur zum Teil geklärt

Raubüberfälle auf Bankfilialen und Tankstellen, insgesamt elf an der Zahl, trugen sich von November 2004 bis Juni 2006 in Backnang und Umgebung zu. Nur ein Teil der Fälle konnte, weil im Zusammenhang mit anderen Straftaten stehend, aufgeklärt werden. Bis zum heutigen Tag ungeklärt ist zum Beispiel ein Bankfilialenüberfall in Sachsenweiler vom Juni 2006. Mit einer Pistole bedrohte der Räuber die Filialleiterin und zwang sie zur Herausgabe des Geldes. Mit mehreren Hundert Euro flüchtete er zu Fuß.

Die ehemalige Kaelble-Lagerhalle in Flammen.

Die ehemalige Kaelble-Lagerhalle in Flammen.

Brand vernichtet Firmengebäude

Es sei der größte Brand in der Stadt seit 1987 gewesen. Am Abend des 4. April 2006 brannte eine Lagerhalle auf dem Gelände der ehemaligen Firma Kaelble in der Maubacherstraße lichterloh. In der Halle waren Kunststoffteile einer Auto-Tuning-Firma gelagert. Die Feuerwehr hatte Mühe, die Flammen zu löschen. Bei dem Brand, dessen Ursache bis zum heutigen Tag ungeklärt ist, waren so hohe Temperaturen entstanden, dass sich sogar Doppel-T-Stahlträger verformten. Der Brandschaden belief sich auf sechs Millionen Euro.

Haus in Aspach-Altersberg

© Edgar Layher

Haus in Aspach-Altersberg

Geständnis durch Selbstmord

Am frühen Morgen des 26. August 2006 wird der Geschäftsmann Günther Vogel schwer verletzt auf der Außentreppe seines Hauses in Kleinaspach-Altersberg aufgefunden. Was zunächst wie ein Unfall aussah, stellte sich als Tötungsdelikt heraus. Ungereimtheiten hatten die Polizei bei ihrer Ermittlungsarbeit zunächst irritiert. Das Auto des Geschäftsmannes zum Beispiel wurde am Bahnhof in Ludwigsburg aufgefunden. Signifikante Habseligkeiten des 43-jährigen Werbe-Millionärs wie zum Beispiel seine Rolex-Armbanduhr blieben verschwunden. Der Verdacht fiel dann auf die Witwe des Getöteten. Sie wurde festgenommen, machte allerdings nur geringe Angaben und verweigerte dann die Aussage gänzlich. Mitten im Prozess, nach dem fünften Verhandlungstag, nachdem fürs Gericht nicht nur Totschlag, sondern auch Mord infrage kam, nahm sie sich in ihrer Gefängniszelle das Leben.

Auf dem Foto der Angeklagte (links) mit seiner Mutter (Mitte) und den jeweiligen Verteidigern im Landgericht.

© flo

Auf dem Foto der Angeklagte (links) mit seiner Mutter (Mitte) und den jeweiligen Verteidigern im Landgericht.

Rentner brutal zu Tode gequält

In Großerlach wurde am 16. April 2008 der 64-jährige Rentner Jan S. tot aufgefunden. Durch die Tagebuchaufzeichnungen des Opfers kam die Polizei auf die Spur der Täter. Jahre zuvor hatte der aus Schweden stammende Diplomingenieur einen 27-jährigen Mann in Frankfurt kennen gelernt. Offenbar spielten homoerotische Abenteuer eine wichtige Rolle. Weil diese Abenteuer bezahlt wurden, besuchte der junge Mann den Rentner immer wieder. Schließlich kamen er und seine 49-jährige Mutter auf die Idee, den Rentner zu ermorden, um an die angeblich im Tresor aufbewahrten 90.000 Euro zu kommen. An einem Apriltag 2008 quälte und peinigte das Duo den Rentner einen ganzen Tag lang und ließ ihn schließlich schwer verletzt zurück. Tage später wurde das Opfer tot aufgefunden. Im Dezember desselben Jahres wurden Mutter und Sohn zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mord beziehungsweise schweren Raubes mit Todesfolge verurteilt.

Norbert Poehlke in den Jahren 1974 (links) und 1980.

Norbert Poehlke in den Jahren 1974 (links) und 1980.

Der Hammermörder

Der Fall hielt das ganze Land in Atem. In der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ wurde nach ihm gefahndet. Damals hatte der sogenannte Hammermörder, weil er bei seinen Banküberfällen gerne einen Vorschlaghammer einsetzte, bereits drei Raubmorde und vier Banküberfälle begangen. Die Opfer seiner Raubüberfälle traf Norbert Poehlke ganz zufällig. Er erschoss sie, um an deren Auto zu kommen. Mit dem Auto fuhr er dann bei einer Bank vor und überfiel diese. Weil Norbert Poehlke bei seinen Überfällen seine Dienstwaffe benutzte, vermutete die Polizei den Täter in den eigenen Reihen. Nach einem erneuten Banküberfall im September 1985 konnte zum ersten Mal ein Phantombild des Räubers erstellt werden. Ferner verdichteten sich durch Überprüfung der Dienstwaffen die Hinweise auf Poehlke. Einer Verhaftung zuvorkommend tötete er in seinem Haus in Backnang-Strümpfelbach erst seine Ehefrau, dann seinen sieben Jahre alten Sohn. Seinen zweiten Sohn, einen Vierjährigen, nahm er mit auf seine Flucht nach Italien. Neun Tage später tötete er in der Nähe des italienischen Brindisi seinen zweiten Sohn und anschließend sich selbst.

Spektakuläre Kriminalfälle

Zorro-Bande

Ende der 40er, Anfang der 50er-Jahre sorgte eine zuletzt elfköpfige Band von zumeist jugendlichen Straftätern in Backnang und Umgebung für Aufregung: die Zorro-Bande. Fast romantisch liest sich eine Auswahlliste der verübten Diebstähle. Da heißt es jeweils von Nassach, Kirchberg, Bruch oder Großerlach: ein Schwein gestohlen. In der Tat waren es in großer Zahl „Lebensmittel“, sprich Hühner, Schafe, Schweine, die von der Bande gestohlen und entweder weiterveräußert oder gar selbst verspeist wurden. Bei einem Einbruch in Maubach konnte 1953 drei Mitglieder der Bande gefasst werden. Im Oktober desselben Jahres saß die ganze Bande hinter Schloss und Riegel. Das Landgericht verhängte im Sommer 1955 hohe Gefängnisstrafen.

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Erstellt:
10. Juli 2020, 08:54 Uhr

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