Streaming: Fußballfans im Abseits

Fußball läuft bald nur noch im Internet: Voraussetzung ist, dass die Daten flutschen – In der Region gibt es große Unterschiede

Früher, mit Antenne oder Satellitenschüssel auf dem Dach, war Fernsehen ganz einfach: TV-Gerät einschalten, Programm wählen und Sepp Herberger gucken. Heutzutage wird gestreamt. Voraussetzung ist, dass durch die alten Kupferleitungen genügend Daten ins Haus kommen.

Von Martin Winterling

WAIBLINGEN. Vor allem im Fußball werden Streamingdienste Zug um Zug die klassischen, über Kabel oder Schüssel empfangbaren Sender wie zum Beispiel den Platzhirsch Sky verdrängen. Wohl dem, dessen Breitband nicht in die Knie geht, wenn auch die ganze Nachbarschaft an der Glotze oder am Computer hängt. Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Streaming in der Region zusammengefasst:

Welche Fußballübertragungsrechte gehen an die Streamingdienste?

Ob Netflix, Amazon Prime oder all die anderen Mediatheken: Wir gestalten unser TV-Programm immer häufiger selbst. In den kommenden Jahren wird immer mehr Fußball über Streamingdienste übertragen. Derzeit hat DAZN nur einen Teil der Rechte für die Bundesliga und die Champions League. Zur Saison 2021/2022 werden DAZN und Amazon aber schon die ganze Fußball-Königsklasse zeigen. Sky ist draußen. Und auch in der Bundesliga werden wohl Streamingdienste versuchen, den Pay-TV-Sender ins Abseits zu stellen. Schon heute muss der eisenharte Fan mehrere Dienste bezahlen, um alle Spiele zu sehen zu bekommen.

Damit ein Fußballfan künftig am Ball bleibt, braucht er entweder gute Nerven – oder eine hervorragende Breitbandversorgung. Das heißt 30 Mbit/s mindestens. Die ist laut Breitbandatlas im Rems-Murr-Kreis zu 94 Prozent gewährleistet. Die lokalen Unterschiede sind aber gewaltig. Schlusslicht ist die Gemeinde Kaisersbach, in der nur 46 Prozent der Leute auf 30 Mbit/s kommen, während es in Waiblingen, Remshalden oder Urbach 97 Prozent sind und in Plüderhausen sogar 98 Prozent. Allerdings handelt es sich um Durchschnittswerte. Aber auch innerhalb einer Stadt oder einer Gemeinde gibt es gewaltige Unterschiede. Hier die gut versorgten Ecken – und dort „weiße Flecken“, in denen wenig bis nichts läuft und der Fußballfan buchstäblich in die Röhre guckt.

Bis wann hat die Telekom das Glasfasernetz in der Region ausgebaut?

Bis 2030 sollen in der Region 90 Prozent der Haushalte über schnelles Internet verfügen. So lautet der Plan der Gigabit Region Stuttgart, die in Kooperation mit der Deutschen Telekom den Breitbandausbau plant. Und schnell heißt bei Glasfaser wirklich schnell – mindestens das Zehnfache der 30 Mbit/s, die heute als Untergrenze fürs Streaming über Kupfer oder Koaxialkabeln gelten.

Wo welche Übertragungsraten zur Verfügung stehen, zeigt der Breitbandatlas, den das Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) herausgibt. Es gilt als das zentrale Informationsmedium zur aktuellen Breitbandversorgung in Deutschland. Anhand von interaktiven Karten wird gezeigt, welche Bandbreiten und Techniken für die Datenübertragung zur Verfügung stehen. Die Anzeige in der Karte kann bis auf Ebene eines Orts- beziehungsweise Stadtteils navigiert werden.

Inwieweit dieser Breitbandatlas die ganze Realität widerspiegelt, kann auch Helmut Haag nicht beurteilen. Haag ist Pressesprecher der Gigabit Region Stuttgart, die selbst keine Informationen über den Breitbandatlas hinaus hat. Aus Erfahrung sollten 30 Mbit/s in der Regel genügen, um TV zu streamen. Die Streamingdienste selbst geben zwar deutlich geringere Raten an. Doch dann sehen die Streams meist nicht mehr sehr ansprechend aus.

Warum reichen die versprochenen hohen Übertragungsraten in der Realität doch nicht aus?

Das Nadelöhr beim Internet sind die Kupferkabel. Selbst wenn der Anbieter hohe Datenraten verspricht, geht die Übertragung in die Knie, sobald viele Nachbarn ebenfalls Daten aus dem Kabel saugen. Und je weiter weg man vom Knoten wohnt, desto schlechter sind die Übertragungsraten. Kurz gesagt: Je mehr dranhängen, desto weniger kommt an.

Umso wichtiger sei es, dass die Region Zug um Zug flächendeckend mit Glasfaser aufgerüstet wird, sagt Haag. Den Anfang machen die Gewerbegebiete, parallel werden auch die Wohngebiete in den Städten und Gemeinden ans Glasfasernetz angeschlossen. Die Region Stuttgart kooperiert beim Ausbau mit der Deutschen Telekom. Nach Allmersbach im Tal ist derzeit die Stadt Fellbach in der Vorvermarktung, sprich: Die Haushalte können ihr Interesse bekunden und die Sonderkonditionen nutzen, wenn sie sich gleich anschließen.

Haag rät dazu, diese Chancen zu nutzen. Wer den Vertrag mit der Telekom unterschreibt, bekommt den Anschluss in den Keller umsonst. Die Gebühr für den Hausanschluss in Höhe von 799,95 Euro entfällt. Allerdings ist man zwei Jahre lang an die Telekom gebunden. Derzeit hat die Telekom in Fellbach 75 Prozent der 2100 benötigten Bestellungen erreicht, um mit dem Glasfaserausbau loszulegen.

In welchen Städten und Gemeinden werden im kommenden Jahr Glasfaserkabel verlegt?

Wie es nach Fellbach weitergeht und in welcher Kommune als Nächstes die Glasfaserkabel verlegt werden, ist geheime Kommandosache von Telekom und Gigabit Region Stuttgart. Die Stadt Schorndorf ist aus dem regionalen Projekt ausgeschert beziehungsweise gar nicht erst eingestiegen. Deren Stadtwerke bauen das Glasfasernetz in eigener Regie aus.

Wer überträgt die Fußball-Europameisterschaft im Sommer 2020?

Wer über Glasfaser streamt, ist für die Zukunft beim Fußball auf der sicheren Seite. Die Telekom hat die Liverechte an den Spielen der EM 2024 in Deutschland erworben und streamt die Spiele. Die Fußball-Europameisterschaft 2020 wie auch die Fußball-WM 2022 in Katar können noch ganz altmodisch angeschaut werden. Im guten, alten Fernsehen bei ARD und ZDF.

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Erstellt:
30. Dezember 2019, 06:00 Uhr

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