Brief an Pistorius

Strobl warnt: Truppenabzug könnte Baden-Württemberg besonders treffen

Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) sorgt sich wegen eines möglichen Truppenabzugs. Er richtet einen Appell Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD).

CDU-Innenminister Thomas Strobl sorgt sich um die US-Standorte im Südwesten.

© Bernd Weißbrod/dpa

CDU-Innenminister Thomas Strobl sorgt sich um die US-Standorte im Südwesten.

Von Annika Grah

Innenminister Thomas Strobl (CDU) warnt in einem Brief an Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vor den Folgen eines US-Truppenabzugs für Baden-Württemberg. „Als ein Land mit einer langen Tradition der Präsenz amerikanischer Streitkräfte sehe ich Baden-Württemberg besonders von dieser Absicht betroffen“, schreibt Strobl in dem Brief, der unserer Zeitung vorliegt.

Wichtige US-Standorte in Stuttgart

Strobl verweist darauf, dass sich in Stuttgart die Hauptquartiere der Oberkommandos für Europa und Afrika befinden. In Stuttgart würden in einem stabilen Umfeld strategische Entscheidungen für zwei Kontinente getroffen. „Die Garnison Stuttgart bildet deshalb mit vier angeschlossenen Kasernen einen bedeutenden Nukleus im Gefüge der amerikanischen Militärpräsenz in Deutschland, und dies soll auch so bleiben.“

Das gleiche gelte für den Logistikstandort der Coleman-Barracks in Mannheim, der im Zusammenspiel mit dem in Ulm angesiedelten Logistikkommando eine Basis für mögliche Truppenbewegungen in Europa bilde. Strobl appelliert deshalb an Pistorius, seinen Einfluss zu Gunsten des Verbleibs der US-Standorte auch in Baden-Württemberg geltend zu machen.

Die USA hatten am Wochenende den Abzug von rund 5000 Soldaten aus Deutschland innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate aus Deutschland angekündigt. Die USA erwägen seit Jahren, ihre Militärpräsenz in Europa zu reduzieren. An den jeweiligen Standorten sorgt man sich in der Debatte auch um wegfallende Umsätze, durch die kaufkräftigen US-Militärs.

Strobl sieht Abzug weniger entspannt als Pistorius

Einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge soll es sich bei der Ankündigung um in Bayern stationierte Soldaten handeln. Trump sprach im Verlauf des Wochenendes allerdings noch von „weit mehr“ Soldaten. In politischen Kreisen wird befürchtet, dass die 5000 erst der Anfang sein könnten. Laut dem Stuttgarter Hauptquartiers der US-Streitkräfte in Europa (Eucom) befinden sich aktuell rund 80 000 US-Soldaten im europäischen Einsatzgebiet, davon etwa 36 000 permanente und rotierende Soldaten in Deutschland.

Bundesverteidigungsminister Pistorius hatte den Truppenabzug am Wochenende als „absehbar“ bezeichnet. „Sicher mag die Entscheidung von Präsident Trump erwartbar gewesen sein und Europa am Ende noch stärker motivieren, seine Verteidigungsfähigkeit selbst in die Hand zu nehmen“, erwidert Strobl. „Hilfreich ist die aktuelle Entwicklung im Moment aber sicher nicht.“

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Erstellt:
5. Mai 2026, 11:38 Uhr
Aktualisiert:
5. Mai 2026, 12:00 Uhr

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