Stümke und Schlich wollen Backnanger OB werden

Die Kandidaten stehen den Parteien „Die Linke“ beziehungsweise „Die Partei“ nahe, bewerben sich aber als unabhängige Einzelkämpfer.

Marco Schlich (links) und Roland Stümke wollen ins Backnanger Rathaus. Fotos: privat

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Marco Schlich (links) und Roland Stümke wollen ins Backnanger Rathaus. Fotos: privat

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. So ganz allmählich nimmt das Kandidatenkarussell vor der Oberbürgermeisterwahl in Backnang Fahrt auf. Nach Maximilian Friedrich und Jörg Bauer haben nun auch Roland Stümke und Marco Schlich ihren Hut in den Ring geworfen. Backnangs Hauptamtsleiter Timo Mäule ist überzeugt davon, dass dies längst nicht alle Namen sein werden, die am 14. März auf dem Wahlzettel erscheinen werden. Er deutete gestern an, dass namhafte Kandidaten auf die Nachfolge von Frank Nopper als Oberbürgermeister schielen, bislang aber das Terrain sondieren und zudem erst einmal die Feiertage vorübergehen lassen wollten.

Roland Stümke ist gelernter Bankkaufmann und hat eine Weiterbildung zum Bankfachwirt absolviert. Derzeit arbeitet er als Seniorfachberater bei der Firma Albert-Haus im Angestelltenverhältnis in der Musterhausausstellung in Fellbach. Mehrere Jahre lang war er Inhaber der Firma Immobilien Stümke Backnang. „Diese wird heute noch von meiner Frau, jedoch nur noch für Freunde und Bekannte, im Nebenerwerb geführt.“ Über seine politische Orientierung sagt Stümke selbst: „Ich trete parteiunabhängig an, bin aber seit 2013 Mitglied der Partei ,Die Linke‘.“ Er beanspruche für sich, „frei zu denken, frei zu sprechen und zu meinen Standpunkten und Überzeugungen auch öffentlich zu stehen“. In seiner Brust schlagen eigenen Worten zufolge drei Herzen: „ein rotsoziales, ein grün-ökologisches und ein schwarz-wirtschaftsorientiertes. Ich sehe Wirtschaft und Soziales in einem untrennbaren Zusammenhang.“ Ferner erklärt er, „Frieden und Völkerfreundschaft sind mir ein sehr hohes Gut. Die Linke ist meine soziale Orientierung.“

Stümke ist es wichtig, ein Kandidat für alle Backnangerinnen und Backnanger zu sein: „Eine Klassengesellschaft lehne ich strikt ab. Jede Bürgerin und jeder Bürger sind gleich wertvoll und jede Stimme zählt.“

Der 52-Jährige ist seit über 25 Jahren „glücklich mit meiner Frau Yvonne verheiratet“. Stolz ist er auf seine drei erwachsenen Kinder, Daniel, 25 Jahre (Masterstudent an der TU München), Daria, 22 Jahre (Ausbildung zur Justizfachangestellten), und Ronja, 19 Jahre (Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten). Die Lebensmittelpunkte des gebürtigen Ravensburgers waren bislang Aspach (19 Jahre) und Backnang (33 Jahre). In der Murr-Metropole lebt er auch heute. Über seine Schulbildung schreibt er: „Ich habe verschiedene Backnanger Schulen (Schillerschule, Grund- und Hauptschule in der Taus, Gymnasium in der Taus, Schickhardt-Realschule und das Wirtschaftsgymnasium) besucht.“ Auf dem Wirtschaftsgymnasium erwarb er 1989 die Allgemeine Hochschulreife.

Beide Kandidaten wohnen seit vielen Jahren in der Murr-Metropole.

Als zwischenzeitlich „gestandener Backnanger“ kennt Stümke Backnang wie seine Westentasche. „Ich habe alle Höhen und Tiefen live miterlebt. Mein Vater Hans-Joachim war jahrzehntelang Vorstand des Städtischen Blasorchesters Backnang. Auch ich durfte unter Fritz Näher für mehrere Jahre aktiv auf die Pauke hauen. Ich habe bereits das erste Backnanger Straßenfest besucht und die Partnerschaft mit unserer ersten Partnerstadt Annonay von Kind an begleitet. Meine Frau habe ich beim ersten offiziellen Besuch mit Edwin Müller in Bácsalmás kennen und lieben gelernt.“ Die Entwicklung und Vertiefung der Städtepartnerschaften sind dem OB-Kandidaten daher ebenso eine Herzensangelegenheit wie auch das Städtisches Blasorchester Backnang und der Spielmannszug.

Auch Marco Schlich ist in Backnang kein Unbekannter. Der 45-Jährige stand bei der Kommunalwahl 2019 auf der Liste der Backnanger Demokraten. Zudem ist er in verschiedenen Organisationen und Vereinen in Backnang vernetzt. So erwähnt der gebürtige Schorndorfer etwa den Partnerschaftsverein Backnang/ Chelmsford, in dem er auch etliche Jahre erster Vorsitzender war.

Der Bauingenieur, der seit 15 Jahren in Backnang wohnt und hier als Ingenieur für die Firma Soundplan im Bereich Lärmschutz arbeitet, bezeichnet sich selbst als loser Unterstützer der „Fridays for Future“-Bewegung. Er ist in verschiedenen Klimaschutzinitiativen in Backnang engagiert, ebenso in der Bürgerinitiative „Backnang für alle“. Dort setzt er sich vor allem dafür ein, sozial verträglichen Wohnraum für alle zu schaffen und die Mietpreise auf einem erträglichen Niveau zu halten.

Zwar ist Marco Schlich Mitglied in der Partei „Die Partei“, aber auch Schlich betont, ohne Parteiunterstützung als Einzelkandidat antreten zu wollen. Wichtig ist ihm das Wahlkampfmotto „Backnang klimaneutral bis 2030“. Schlich zielt dabei auf alle Bereiche ab, in denen mehr passieren müsse, sei es Verkehrspolitik, Wirtschaftspolitik oder Fragen des Wohnungs- oder Städtebaus. Zwar bezeichnet er sich auch als Sympathisant der Grünen, vor allem auch der grünen Backnanger Stadträte, aber er sei unter anderem deshalb kein Mitglied, „weil die Entscheidungen der Grünen in Baden-Württemberg nicht konsequent genug sind“.

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Erstellt:
5. Januar 2021, 06:00 Uhr

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