Land will Corona-Regeln bei Inzidenz unter 10 lockern

dpa/lsw Stuttgart. Fast die Hälfte der Baden-Württemberger ist zumindest einmal geimpft. Die Corona-Zahlen sinken stetig, Sorgen macht nur die ansteckendere Delta-Variante. Dennoch soll es mehr Freiheiten geben.

Eine Laborantin sortiert Proben. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild

Eine Laborantin sortiert Proben. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild

Angesichts sinkender Corona-Neuinfektionszahlen will Baden-Württemberg die Auflagen in Regionen mit einer Inzidenz von unter 10 demnächst deutlich lockern. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus Regierungskreisen in Stuttgart erfuhr, soll die neue Corona-Verordnung mit einem Vier-Stufen-Modell am 28. Juni in Kraft treten. Was erlaubt ist, richtet sich nach den Inzidenzen: Stufe vier gilt bei einer Inzidenz von 100 bis 50, Stufe drei von 50 bis 35, Stufe zwei von 35 bis 10 und Stufe eins für alle Kreise mit einer Inzidenz unter 10.

In Regionen, in denen weniger als 10 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner in einer Woche registriert werden, soll es viele Erleichterungen für den öffentlichen Raum, für öffentliche Veranstaltungen sowie für Gastronomie, Kultur, Sport und den Handel geben. Zuletzt waren die Corona-Zahlen deutlich gesunken. Bis auf den Stadtkreis Heilbronn lagen alle 44 Stadt- und Landkreise im Südwesten bei der Inzidenz unter dem Grenzwert 35.

Mit dem Stufenmodell will die grün-schwarze Landesregierung die Regeln deutlich vereinfachen. Der Entwurf für die neue Verordnung kommt aus dem Gesundheitsministerium und soll Ende kommender Woche beschlossen werden. Wie die Lockerungen im Einzelnen aussehen, muss in der Regierung noch diskutiert werden. Es wird aber damit gerechnet, dass sich bei einer Inzidenz von unter 10 wieder mehr Menschen aus mehr Haushalten treffen dürfen. Bisher gilt, dass sich in Kreisen mit einer Inzidenz unter 50 bis zu zehn Menschen aus drei Haushalten treffen dürfen.

Derweil breitet sich die besonders ansteckende Delta-Variante des Coronavirus in Baden-Württemberg weiter aus. In den vergangenen zwei Wochen habe ihr Anteil an den besorgniserregenden Varianten bei 5,15 Prozent gelegen, so das Landesgesundheitsamt. Der Präsident des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler warnte, durch die zunächst in Indien entdeckte ansteckendere Variante könnte sich das Virus wieder verbreiten.

Die Ministeriumssprecherin in Stuttgart sagte: „Deshalb gilt es umso mehr, Tempo beim Impfen zu machen und die AHA-Regeln entsprechend der Inzidenz weiter zu beachten.“ Die Infektionszahlen im Südwesten gingen zwar weiter zurück, dennoch befinde sich das Land noch immer mitten in der Corona-Pandemie. „Es gilt jetzt unbedingt zu verhindern, dass es aufgrund der weitreichenden Öffnungen und der bevorstehenden Urlaubszeit wieder zu einem Anstieg der Infektionszahlen kommt und wir unseren bisherigen Erfolg gefährden.“

Der Sprecherin verwies darauf, dass sowohl in der Corona-Verordnung Schule, die die Maskenpflicht an Schulen regele, als auch in der allgemeinen Verordnung des Landes „Sicherheitsstopps“ eingebaut seien. „Wenn - etwa wegen der Ausbreitung der Varianten - die Inzidenzen steigen, dann greifen sehr rasch die entsprechenden Maßnahmen, und Öffnungen werden zurückgenommen.“ Und bei Inzidenzen über 100 greife dann auch die Bundesnotbremse. Die Maske an Schulen beispielsweise müsse wieder getragen werden, wenn die Inzidenzen über 35 (Maske in Klassenzimmern) oder über 50 (Maske auf dem Schulhof) stiegen.

Beim Impfen geht es voran: Knapp die Hälfte der Baden-Württemberger hat inzwischen mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Auch Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) sagte, Tempo beim Impfen sei gerade jetzt wichtig, da sich die Delta-Variante zunehmend ausbreite. „Unser Ziel ist weiterhin, bis Ende des Sommers allen impfberechtigten Menschen in Baden-Württemberg ein Impfangebot zu machen.“ Dies sei mit den bisher von Herstellern und Bund angekündigten Liefermengen auch möglich.

In Baden-Württemberg sind bisher mehr als 8,5 Millionen Impfungen verabreicht worden. Dazu trugen die Impfzentren mit rund 3,5 Millionen Erst- und mehr als 2,1 Millionen Zweitimpfungen den bisher größten Teil bei. Bei den Arztpraxen gab es bislang über 1,8 Millionen Erst- und mehr als 950.000 Zweitimpfungen, übrige Impfungen wurden von Betriebsärzten vorgenommen.

© dpa-infocom, dpa:210618-99-51037/4

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Erstellt:
18. Juni 2021, 16:31 Uhr

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