Sulzbacher Nahwärmenetz wird ausgebaut

Nach gefühlt langem Stillstand kommt jetzt Bewegung in den langersehnten Ausbau des Nahwärmenetzes in Sulzbach an der Murr. Im großen Wohngebiet Hofäcker aus den 50er-Jahren sollen im Herbst neue Gebäude angeschlossen werden können.

Im Winter wird die Hackschnitzelheizung in Sulzbach an der Murr drei- bis viermal pro Woche beliefert. Durch die Erweiterung des Nahwärmenetzes wird sich das noch etwas erhöhen. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Im Winter wird die Hackschnitzelheizung in Sulzbach an der Murr drei- bis viermal pro Woche beliefert. Durch die Erweiterung des Nahwärmenetzes wird sich das noch etwas erhöhen. Foto: Alexander Becher

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. Das Interesse der Bürgerschaft an der vergangenen Gemeinderatssitzung war groß – für die rund 20 Zuschauer mussten extra noch zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden. Denn Andreas Föll, Leiter Erzeugung Süd bei der Süwag Grüne Energien Wasser, und Jochen Wilfert, Geschäftsführer des Ludwigsburger Planungsbüros Knecht, sollten über den Stand der Dinge und die aktuell geplanten Maßnahmen zum Sulzbacher Nahwärmenetz berichten.

Im Frühjahr 2022 war das Thema in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung aufgegriffen worden. Damals war noch unklar, ob die Kapazitäten der vorhandenen 800-Kilowatt-Holzhackschnitzelanlage am Schulzentrum und die Abwärme der Biogasanlage Lautertal (550 Kilowatt) für diese Erweiterung ausreichen würden, oder ob eine zweite Hackschnitzelanlage gebaut werden müsse. „Durch eine Ertüchtigung der vorhandenen Heizanlage können wir die zusätzlich benötigte Wärme erzeugen“, stellt jetzt Andreas Föll von der Süwag fest. Kernpunkt sind zwei sieben Meter hohe Pufferspeicher, welche die (zum Beispiel in der Nacht) nicht abgerufene Wärme speichern. Während im Moment der Brenner, der seither direkt ans Wärmenetz angeschlossen ist, immer wieder an- und ausschaltet, kann er dann selbst in der Übergangszeit länger durchlaufen. Dies verbessert die Effizienz und schont das Gerät. Außerdem kann so bei Spitzenlast – wenn also bei starkem Frost jeder seine Heizung aufdreht – verhindert werden, dass gleich die alte Ölheizung anspringt, welche im Schulgebäude immer noch als stille Reserve vorgehalten wird. Den Sommer über genügt dagegen die Abwärme der Biogasanlage völlig für die Erzeugung des Warmwassers.

Die Erweiterung durch die Süwag steht bereits seit Jahren im Raum

Die Position der gewaltigen Metallsilos, die trotz leichter Einsenkung in den Boden die Höhe des Hauptdachs erreichen werden, wurde mit der Gemeinde abgestimmt. Sie sollen einigermaßen unauffällig zwischen den Sportlereingängen auf der Nordseite der Willy-Ehnis-Halle platziert werden, wo sie von der Jahnstraße aus durch Bäume verdeckt sind, wie Bauplaner Jochen Wilfert erläutert. Für die beiden notwendigen Ausgleichsbehälter, welche den Volumenunterschied zwischen kaltem und warmem Wasser in den Speichern auffangen sollen, wird der bestehende Heizraum in Richtung Straße verlängert. Hier kann dann auch die anfallende Holzasche gesammelt werden, die etwa einmal im Monat von einem Lastzug abgeholt wird.

Klar ist inzwischen auch, dass die Süwag sozusagen als privater Bauherr auf kommunalem Grund die Leitungen im Wohngebiet Hofäcker legen wird. Zu Beginn des Nahwärmeprojekts vor gut 20 Jahren hatte die Gemeinde die Leitungen noch selbst gebaut und an den Betreiber verpachtet. Das ist bei der knappen Kassenlage derzeit undenkbar. Ein entsprechender neuer Vertrag lag der Gemeinde schon seit Jahren vor, jedoch hatte der frühere Bürgermeister rechtliche Bedenken. Inzwischen wurde ein Vertrag unterzeichnet, der laut Christoph Lohrmann dem Netzbetreiber die Baurechte einräumt, jedoch nicht exklusiv. Die Gemeinde könnte also auch mit anderen Gesellschaften Verträge abschließen.

Hoffnung auf weitere Interessenten

Damit kann in den Hofäckern den Hauseigentümern, deren Heizanlagen häufig in die Jahre gekommen sind und meist nicht den heutigen Anforderungen an klimafreundliches Heizen entsprechen, der bequeme Anschluss an ein vorschriftsmäßig klimaneutrales Wärmesystem angeboten werden. „Schon seit Jahren rufen immer wieder Leute bei mir an und fragen nach dem Stand der Dinge. Auch aus anderen Wohngebieten in Sulzbach“, berichtet der Projektingenieur.

Weitere Themen

Aktuell sind 65 der rund 240 möglichen Gebäude in den Hofäckern als Interessenten bei Christoph Lohrmann gelistet. Er hofft aber auf weitere Interessenten im Rahmen dessen, was er „Baggerakquise“ nennt: Zögerer, die sich während der Bauarbeiten vor ihrer Haustür doch noch zur Teilnahme entschließen. „Aber bitte: Nicht erst dann melden, wenn die Straße wieder zugeteert ist“, mahnt er. „Da können wir dann leider nichts mehr machen.“ Für die klimafreundliche Heizung gibt es vom Staat 40 Prozent Zuschuss auf die vorgelegten Rechnungen. Bei Hausbesitzern können das zum Beispiel die Demontage der alten Heizkessel und Öltanks sowie die Installation eventuell neuer Heizkörper und der Kauf der Übergabestation von der Süwag sein.

Der Tiefbau ist sehr aufwendig und auch teuer

Sehr frühzeitig gestellte Anträge, die durch den zähen Fortschritt des Projekts jetzt Gefahr laufen, abzulaufen, können laut Süwag auf Antrag um ein Jahr verlängert werden. Allerdings sollen sich einzelne Hausbesitzer unter dem Handlungsdruck ihrer alten Heizung, die vielleicht weder mit dem technischen Geschick des Installateurs noch der Kulanz des Kaminfegers zu retten war, in der Verzweiflung inzwischen bereits eine eigene neue Heizung angeschafft haben, heißt es in der Sitzung.

Dies ist besonders ärgerlich, wenn dadurch der Anschluss der übrig gebliebenen Häuser für die Süwag unrentabel wird. „Ein Meter Strecke kostet uns rund 1000 Euro, vor allem wegen des aufwendigen Tiefbaus“, erläutert Lohrmann. „Bei 100 Metern sind das 100000 Euro. Wegen einem Haus rentiert sich das nicht.“ Durch die Größe der Baumaßnahme gibt es noch dazu die Pflicht zur Auswertung von Luftbildern hinsichtlich möglicher Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Dann müsste der Kampfmittelräumdienst beteiligt werden, was die Angelegenheit noch teurer machen würde. Die Süwag rechnet durch die Erweiterung mit einem Mehrbedarf von einer Lkw-Ladung an Hackschnitzeln pro Woche während der Heizsaison; aktuell werden drei bis vier Lieferungen benötigt. Jährlich würden durch den Ersatz von Heizöl dafür rund 850 Tonnen CO2 eingespart. Die Aufbruchstimmung zieht offenbar schon Kreise: Auch die Firma Erkert trägt sich anscheinend mit dem Gedanken, die Abwärme aus der Wasserkühlung ihrer Produktionsmaschinen besser zu nutzen beziehungsweise in das Nahwärmenetz einzuspeisen.

Sobald die Bauanträge für die Erweiterung genehmigt sind, sollen die Gewerke ausgeschrieben werden. Die Süwag, welche für die Netzerweiterung und den Umbau der Heizzentrale etwa 4,5 Millionen Euro investiert, plant einen Baubeginn im Herbst und einen Bauabschluss bis zum Jahresende. Die Erschließung im Wohngebiet soll dann zeitgleich erfolgen.

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Erstellt:
17. Mai 2024, 06:00 Uhr

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