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Tageselternhaus soll wachsen

Stadt Backnang will die Zahl der Plätze verdoppeln – Erweiterung am aktuellen Standort im Seehofweg nicht möglich

Der Bedarf bei der Kinderbetreuung wächst und wächst, die Stadt Backnang kommt mit dem Ausbau ihrer Tagesstätten kaum hinterher. Eine Alternative zur Kita könnte das Tageselternhaus des Vereins Kinder- und Jugendhilfe sein, in dem zurzeit 14 Kinder von Tagesmüttern betreut werden. Die Stadt würde die Zahl der Plätze gerne erhöhen.

Im Backnanger Tageselternhaus – hier noch am alten Standort in Germannsweiler – betreuen Tagesmütter wie Eduarda Maru-Ferreira Kinder in familiärer Atmosphäre. Eltern von Kleinkindern ist das oft lieber als ein Platz in der Kita.Archivfoto: E. Layher

© Edgar Layher

Im Backnanger Tageselternhaus – hier noch am alten Standort in Germannsweiler – betreuen Tagesmütter wie Eduarda Maru-Ferreira Kinder in familiärer Atmosphäre. Eltern von Kleinkindern ist das oft lieber als ein Platz in der Kita.Archivfoto: E. Layher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Mit dem Tageselternhaus, das 2009 in einer Wohnung über dem Juze in der Mühlstraße startete, war der Verein Kinder- und Jugendhilfe Vorreiter im Rems-Murr-Kreis. Seitdem hat die Einrichtung zwar dreimal ihren Standort gewechselt, das Konzept blieb aber unverändert: In gemieteten Räumen betreuen jeweils zwei Tagesmütter maximal sieben Kinder gleichzeitig. Die Mitarbeiterinnen sind beim Verein Kinder- und Jugendhilfe fest angestellt. „Dadurch ist das Angebot verlässlicher als bei einer selbstständigen Tagesmutter“, erklärt Karin Kirsch, pädagogische Leiterin beim Verein Kinder- und Jugendhilfe. Wird etwa eine Betreuerin krank, kümmert sich der Verein um eine Vertretung.

Auch die Tatsache, dass die Kinder an einem neutralen Ort und nicht in einer fremden Wohnung betreut werden, überzeugt viele Eltern. Trotzdem ist die Atmosphäre aufgrund der kleinen Gruppen und einer festen Bezugsperson für die Kinder sehr familiär: „Das schätzen die Eltern“, weiß Karin Kirsch. Vormittags ist das Tageselternhaus, das vor einem Jahr von Germannsweiler in den Seehofweg gezogen ist, ausgebucht. Freie Plätze gibt es momentan noch bei der Schulkinderbetreuung am Nachmittag.

CDU-Antrag stößt auf offene Ohren

Die CDU-Fraktion im Gemeinderat hat nun den Antrag gestellt, das Angebot zu erweitern. Denn obwohl die Stadt viele Millionen Euro in den Ausbau ihrer Kitas steckt, fehlen dieses Jahr noch bis zu 100 Plätze, um den den Bedarf zu decken. „Ein Tageselternhaus bietet mehr Flexibilität als eine Kita“, begründet die Fraktionsvorsitzende Ute Ulfert den Vorstoß. Das gilt für die Betreuungszeiten – im Tageselternhaus können Eltern ihre Kinder auch an einzelnen Tagen abgeben – aber auch für die Einrichtung insgesamt. „Sollte der Bedarf irgendwann sinken, kann man ein solches Gebäude auch wieder als Wohnhaus nutzen“, sagt Ulfert. Und auch die Investitionen für ein Tageselternhaus sind wesentlich niedriger als bei einer neuen Kita.

Die CDU fordert die Stadt deshalb auf, gezielt nach einer geeigneten Immobilie zu suchen. Bei größeren Bauprojekten könne man eine solche Einrichtung auch von Anfang an mit einplanen, schlägt Ulfert vor. Bei Regine Wüllenweber läuft sie damit offene Türen ein. „Wir führen gerade Gespräche mit dem Ziel, dieses Angebot zu erweitern“, sagt die Leiterin des Amtes für Familie, Jugend und Bildung. Der Verein Kinder- und Jugendhilfe stünde als Träger bereit.

Klar ist allerdings, dass eine Erweiterung im Seehofweg nicht möglich ist. „Wir bräuchten also entweder einen zweiten Standort oder ein größeres Haus“, erklärt die Amtsleiterin. Auf dem freien Wohnungsmarkt eine geeignete Immobilie für ein Tageselternhaus zu finden, sei aber nahezu unmöglich, weiß Karin Kirsch vom Verein Kinder- und Jugendhilfe. Um eine Genehmigung für eine solche Einrichtung zu bekommen, muss das Gebäude nämlich viele Auflagen erfüllen, etwa beim Brandschutz. Wichtig wäre aus Sicht von Karin Kirsch auch, dass der Standort möglichst zentral liegt und gut erreichbar ist. Das war ein Manko in Germannsweiler, wo das Tageselternhaus von 2016 bis 2018 seinen Sitz hatte.

Am ehesten ließe sich so ein Projekt wohl in einer städtischen Immobilie verwirklichen. Welche das sein könnte, ist noch unklar: „Wir prüfen alle Optionen und sind zuversichtlich, dass wir es hinbekommen“, sagt Regine Wüllenweber.

Ziel wäre aus ihrer Sicht eine Verdoppelung der Kapazitäten von derzeit 14 auf 28 Plätze. Auch Karin Kirsch hält das für realistisch. „Wir würden dann auch eine Ganztagsgruppe anstreben.“ Die pädagogische Leiterin ist auch zuversichtlich, dass sie weitere Tagesmütter finden wird, die in einer solchen Einrichtung arbeiten wollen. Allerdings könne man auf diese erst zugehen, wenn ein Standort gefunden ist und die Rahmenbedingungen feststehen.

Info
So finanziert sich das Tageselternhaus

Das Tageselternhaus des Vereins Kinder- und Jugendhilfe ist eine Einrichtung nach dem sogenannten Reutlinger Modell. Das Konzept wurde vom Tagesmütterverein und dem Kreisjugendamt in Reutlingen entwickelt. Die rechtliche Grundlage dafür hat das Land Baden-Württemberg Anfang 2009 geschaffen.

Die Stadt Backnang trägt die Mietkosten für das Tageselternhaus und leistet einen Zuschuss zu den Personalkosten in Höhe von 55000 Euro pro Jahr.

Der Landkreis bezahlt allen Tagesmüttern einen Stundensatz von 6,50 Euro pro Kind. Beim Tageselternhaus geht dieser Betrag an den Verein Kinder- und Jugendhilfe, der den angestellten Tagesmüttern dafür ein festes Gehalt bezahlt.

Die Eltern müssen für die Betreuung bei Tageseltern Gebühren an das Kreisjugendamt entrichten. Diese sind abhängig vom Einkommen und vom Alter der Kinder. Der Höchstbetrag für einen Ganztagsplatz liegt bei 665Euro pro Monat.

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Erstellt:
29. Januar 2020, 06:00 Uhr

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