Tarifeinigung bei der Post

dpa Bonn. Nach zähem Ringen haben sich die Gewerkschaft Verdi und die Post geeinigt: Post-Beschäftigte können sich von kommendem Jahr an auf ein Lohnplus freuen. Auch Kunden des Gelben Riesen dürften angesichts des gelösten Tarifkonflikts nach mehreren Warnstreiks nun aufatmen.

Post-Beschäftigte können sich von kommendem Jahr an auf ein Lohnplus freuen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Post-Beschäftigte können sich von kommendem Jahr an auf ein Lohnplus freuen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Inmitten der Corona-Krise hat sich die Deutsche Post mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen Tarifvertrag für ihre rund 140.000 Mitarbeiter geeinigt.

Die Mitarbeiter sollen zum 1. Januar kommenden Jahres 3 Prozent mehr Lohn und Gehalt bekommen, wie der Bonner Konzern und die Gewerkschaft am Mittwoch mitteilten. Ein Jahr später soll es ein weiteres Plus um 2 Prozent geben. Zudem sollen Vollzeitbeschäftigte im November eine Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro bekommen, Teilzeitbeschäftigte und Auszubildende sollen 150 Euro erhalten.

Eine Verdi-Tarifkommission nahm das Tarifergebnis auf einer Sitzung einstimmig an. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 28 Monaten haben und bis Ende Dezember 2022 laufen.

Neben den Anhebungen bei Gehältern und Löhnen wurden auch höhere Vergütungen für Auszubildende und dual Studierende sowie eine Verlängerung des Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen bis Ende Dezember 2023 vereinbart. Außerdem wurde eine seit 2018 bestehende Wahloption fortgeschrieben. Damit können Beschäftigte wählen, ob sie auf das vorgesehene Lohn- und Gehaltsplus verzichten und stattdessen mehr Freizeit - eine sogenannte Entlastungszeit - bekommen.

Post-Personalvorstand Thomas Ogilvie sprach in einer Mitteilung von einer „guten Gesamteinigung“, die Planungssicherheit für Mitarbeiter und Kunden biete. „Für uns war es wichtig, in einer sehr unsicheren wirtschaftlichen Gesamtsituation tragfähige Lohnsteigerungen zu vereinbaren, die einerseits eine Würdigung für die Leistungen unserer Beschäftigten darstellen, die es uns andererseits aber auch ermöglichen, weitere Investitionen in unser Geschäft zu tätigen, um langfristig Beschäftigung zu sichern. Dieses Ziel haben wir erreicht“, sagte Ogilvie.

Auch die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis zeigte sich angesichts der Einigung zufrieden. „Das ist ein gutes Verhandlungsergebnis, das für die Beschäftigten eine nachhaltige Lohnerhöhung, Sicherheit und Perspektive bringt. Ohne das starke Engagement unserer Mitglieder wäre dies so nicht möglich gewesen“, sagte die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft.

In den vergangenen zwei Wochen hatten Tausende Postbeschäftigte vorübergehend ihre Arbeit niedergelegt, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Es kam zu Beeinträchtigungen bei der Sortierung und bei der Zustellung von Briefen und Paketen. Grob 2 Prozent der bundesweiten Brief- und Paketmenge blieben nach Firmenangaben an den Warnstreiktagen deswegen vorerst liegen. Nach Verdi-Angaben beteiligten sich an sechs Streiktagen rund 22 000 Beschäftigte an mehr als 300 Standorten.

Am Montag waren beide Tarifparteien zur dritten Verhandlungsrunde zusammen gekommen. Ursprünglich hatte Verdi ein Plus von 5,5 Prozent bei einer Vertragslaufzeit von 12 Monaten gefordert. Dem Bonner Konzern war dies deutlich zu viel.

Schon bei der vergangenen Tarifeinigung im April 2018 hatten sich beide Seiten auf eine zweistufige Anhebung geeinigt - im Oktober 2018 stiegen die Löhne und Gehälter um 3 Prozent und im Oktober 2019 um 2,1 Prozent.

© dpa-infocom, dpa:200923-99-679340/2

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Erstellt:
23. September 2020, 15:50 Uhr

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