Teurer Treibstoff belastet Busbetriebe

Die extrem hohen Dieselpreise bringen die Anbieter von Linien- und Reisebussen in finanzielle Schwierigkeiten, zusätzlich zu den pandemiebedingt geringen Einnahmen. Der Landkreis berät derzeit über ein Paket, welches die Betriebe des VVS finanziell unterstützen soll.

Marco Trovato blickt mit gemischten Gefühlen auf die kommende Zeit. Er führt die Omnibusverkehr Ruoff GmbH. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Marco Trovato blickt mit gemischten Gefühlen auf die kommende Zeit. Er führt die Omnibusverkehr Ruoff GmbH. Foto: A. Becher

Von Anja La Roche

Rems-Murr. Die Busbranche ging wie viele andere Branchen als Verlierer aus der Pandemie hervor und leidet immer noch unter ihr (wir berichteten). Im vergangenen Jahr sind zudem die Kraftstoffpreise gestiegen und seit Kriegsbeginn in der Ukraine regelrecht explodiert. Das belastet die Betriebe zusätzlich. Bei den Anbietern von Linienbussen für den öffentlichen Nahverkehr kommt ein weiterer Kostenpunkt hinzu: Seit Dezember 2021 sind die Personalkosten aufgrund eines neuen Tarifvertrags gestiegen. Nun liegt ein Beschlussvorschlag vom Umwelt- und Verkehrsausschuss des Landkreises Rems-Murr vor: Da die Unternehmen im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) vor großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehen, soll der Landkreis – in Abstimmung mit den VVS-Landkreisen – zeitnah Lösungen erarbeiten und dem Ausschuss zur Entscheidung vorlegen. Am 16. Mai will der Kreis das erarbeitete Konzept dem Ausschuss vorstellen, teilt Leonie Graf vom Landratsamt Rems-Murr-Kreis mit.

Einer der in Backnang operierenden Busbetriebe ist das Friedrich Müller Omnibusunternehmen. Dieses ist allerdings eine Tochtergesellschaft der Regional Bus Stuttgart GmbH und gehört damit der Deutschen Bahn. Dahingegend nicht in staatlicher Hand ist eine weitere Firma, die den hiesigen öffentlichen Nahverkehr mit Buslinien versorgt: die Omnibus-Verkehr Ruoff GmbH (OVR), die ihren Sitz in Waiblingen hat. Der OVR-Geschäftsführer Marco Trovato bestätigt, dass sich das Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage befindet. „Die Entwicklung des Treibstoffpreises ging schon vor Kriegseintritt nach oben“, sagt er. Dass die Preise dann ganz unerwartet im vergangenen Monat in Folge des Kriegs in der Ukraine explodierten, „belastet unser Unternehmen extrem“, so der Geschäftsführer. Immerhin würden durchschnittlich 15 Prozent der Betriebskosten für Diesel draufgehen.

„Man schläft schon ruhiger, wenn man weiß, wo die Reise hingeht.“

Marco Trovato, Geschäftsführer von der Omnibus-Verkehr Ruoff GmbH, über die wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens

Der zurzeit teure Treibstoff ist allerdings nicht die einzige finanzielle Herausforderung für das Unternehmen. „Vor der Pandemie hatte der ÖPNV guten Rückenwind, auch als Teil der Verkehrswende in Sachen Klimaschutz“, sagt Marco Trovato. Die Anzahl der Fahrgäste sei stetig gestiegen. Mit der Coronapandemie gab es allerdings viel weniger Fahrgäste und damit auch weniger Einnahmen. Und auch jetzt seien die Zahlen nicht auf das einstige Niveau zurückgekehrt. Das liege unter anderem daran, dass mehr Menschen im Homeoffice arbeiten als vor der Pandemie, vermutet der OVR-Geschäftsführer. „Das wird sich sicher erholen, aber das dauert.“

Ein weiterer Kostenzuschlag kam im Dezember 2021 mit dem neuen Tarifvertrag. Die Tarifpartner müssen nun auch bei längeren Standzeiten der Busse – welche besonders im ländlichen Raum auftreten – ihren Fahrern Gehalt zahlen, statt die Standzeiten als „unbezahlte Pausen“ einzusparen. Die unerwartet gestiegenen Treibstoffpreise seien zwar im Moment das größere Problem, so Marco Trovato, langfristig seien die gestiegenen Personalkosten allerdings die größere finanzielle Belastung. „Die Personalkosten sind der größte Kostenblock“, sagt der Geschäftsführer.

Mit der Landkreisverwaltung führt das Omnibusunternehmen OVR bereits „gute Gespräche“ über die Überbrückungshilfen, so Marco Trovato. Der Geschäftsführer sorgt sich zwar gerade um sein Unternehmen, „man schläft schon ruhiger, wenn man weiß, wo die Reise hingeht“, aber ist sich ebenso bewusst, dass sein Betrieb von öffentlichem Interesse ist – und damit auch öffentlicher Hilfen sicher. Neben dem Landkreis plane auch das Land einen Anteil zu tragen, sagt Trovato. Leonie Graf vom Landratsamt bestätigt dies: „Seitens des Landes gibt es tatsächlich Überlegungen, ebenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Hier erhoffen wir uns einen substanziellen Beitrag. Unser Konzept ist jedoch unabhängig von etwaigen Landesmitteln, um den Unternehmern eine größtmögliche Planungssicherheit zu geben.“

Vereine buchen wieder Reisebusse

Auf den gleichen Rückhalt können sich Firmen, die vor allem private Busreisen anbieten, nicht verlassen. Sie haben immerhin keine Treibstoffkosten, wenn keine Kundschaft da ist; ein Linienbus fährt, auch wenn er leer ist, ein leerer Reisebus hingegen bleibt daheim. Doch bei den Fahrten, die vor dem Anstieg der Treibstoffpreise gebucht wurden, können die zusätzlichen Kosten nur bedingt an die Kunden weitergegeben werden, denn Vertrag ist Vertrag. Daher belasten die hohen Dieselpreise auch die Anbieter von Busreisen. Mit finanzieller Unterstützung von der Politik rechnet keiner der befragten Anbieter von Busreisen.

Roland Braun ist der Inhaber von Strohmaier Omnibus-Reisen in Auenwald. „Mit den Treibstoffpreisen hat gerade jeder Probleme, wir als Busunternehmen ganz besonders“, sagt er. Seit Beginn der Pandemie 2020 habe er Existenzängste, die Finanzhilfen der Politik hätten nur die Fixkosten gedeckt. Dennoch klingt Roland Braun optimistisch, denn immerhin kommen mit den Lockerungen der Coronamaßnahmen wieder Buchungen rein. Dabei hat er außerdem den Vorteil, dass er seine Kundschaft gut kennt. „Die zusätzlichen Kosten kann ich mit den Kunden irgendwie klären. Ich habe eine super Kundschaft“, sagt er.

Ähnlich geht es auch Elfi Trostel. Sie führt die Firma Omnibus Pfizenmaier in Backnang-Heiningen. Ihre Kunden, das sind vor allem Vereine und Kirchengemeinden, würden Verständnis für die Preissteigerung zeigen. Belastend seien die Tankpreise dennoch, denn komplett könne sie die Kosten nicht anpassen. „Bei den neuen Angeboten kann das einkalkuliert werden“, sagt Elfi Trostel.

Wenige Buchungen für private Reisen

Doch es gibt auch Unternehmer in der Branche, denen trotz Lockerungen die geringe Auftragslage zu schaffen macht. Gerd Böltz, Inhaber von Böltz-Reisen in Murrhardt, berichtet von einer geringen Reiselust. „Der Reiseverkehr ist liegen geblieben. Die Leute haben Angst vor dem Krieg und der Pandemie“, sagt er. Roland Braun aus Auenwald bestätigt: Seine Kunden für Tagesreisen seien meistens im Alter zwischen 65 und 85 Jahren. Bei dieser eher betagten Kundschaft gebe es noch eine große Zurückhaltung. Unbeschwert einen Busbetrieb zu führen scheint auch nach über zwei Jahren Ausnahmezustand nicht möglich.

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Erstellt:
20. April 2022, 06:00 Uhr

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