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Teures Provisorium

Der neue Interimsparkplatz am Backnanger Bahnhof wird mehr als 300000 Euro kosten

Archivfoto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Archivfoto: J. Fiedler

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Dort, wo am Backnanger Bahnhof noch bis vor Kurzem der alte Güterschuppen stand, soll in Kürze ein neuer Parkplatz entstehen. Interimsweise, denn eigentlich hat die Stadt diesen Platz als Standort für den neuen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) ausgeguckt. Wann der gebaut wird, ist allerdings noch offen, jedenfalls nicht vor 2023, wie Baudezernent Stefan Setzer im Ausschuss für Technik und Umwelt klarmachte. Bis es so weit ist, sollen auf der rund 2000 Quadratmeter großen Fläche Autos parken.

Der neue Parkplatz, der sich an den bestehenden anschließt, wird insgesamt 40 Stellplätze haben, darunter zwei mit einer Ladesäule für Elektrofahrzeuge und drei für Carsharing-Fahrzeuge. Außerdem sind sechs zusätzliche Taxi-Stellplätze vorgesehen. Auch an die Radfahrer wurde gedacht: Für sie wird eine überdachte Abstellanlage mit etwa 30 Plätzen installiert. Pendler können auch eine der zehn abschließbaren Fahrradboxen mieten, außerdem gibt es Schließfächer für Helme und Taschen, Lademöglichkeiten für Pedelecs und eine Servicesäule mit Werkzeug und Luftpumpe, um kleinere Pannen zu beheben.

Das Ganze hat allerdings seinen Preis: Insgesamt 327000 kostet die Einrichtung des Parkplatzes, weitere 100000 Euro der Mobilitätspunkt für die Radfahrer. Für ein Provisorium ist das ein stolzer Preis, wie auch Erster Bürgermeister Siegfried Janocha einräumte. Allerdings blieben davon nur 154000 Euro an der Stadt hängen, der Rest könne durch Zuschüsse finanziert werden. So gebe es etwa für die Radinfrastruktur eine Förderung von 70 Prozent durch den Verband Region Stuttgart.

Andreas Stier vom Stadtbauamt begründete die hohen Kosten unter anderem mit den aufwendigen Bodenarbeiten. So habe man unter dem abgerissenen Güterschuppen noch einen alten Bunker gefunden, von dem keiner etwas wusste. Insgesamt wurden 5000 Tonnen Material im Untergrund verbaut. Dies hätte man allerdings im Hinblick auf den künftigen ZOB ohnehin machen müssen. Um den Parkplatz zu beleuchten, müssen außerdem vier neue Laternenmasten aufgestellt werden.

Stier verteidigte auch noch einmal die Entscheidung, den Parkplatz mit einer Asphaltschicht abzudecken. Ein Schotterparkplatz sei an dieser Stelle nicht möglich: „Da läuft uns bei Regen die Brühe auf die Bahnhofstraße.“

Der Ausschuss stimmte dem neuen Parkplatz zwar einstimmig zu, allerdings war angesichts der hohen Kosten auch ein wenig Murren zu hören: „Das ist schon ein Haufen Geld für ein Provisorium“, meinte etwa SPD-Fraktionschef Heinz Franke. Wobei die Frage, wie lange „vorübergehend“ in diesem Fall bedeutet, noch nicht beantwortet ist. „Meistens halten die Provisorien ja viel länger, als man denkt“, gab CDU-Stadtrat Gerhard Ketterer zu bedenken.

Dem wollte Siegfried Janocha nicht widersprechen. Angesichts der vielen Projekte, die die Stadt in den nächsten Jahren plane, müsse man damit rechnen, dass es bis zum Bau des ZOB noch mindestens vier bis fünf Jahre dauert, „es könnten auch zehn werden“. Deshalb hält Janocha es auch für vertretbar, den Parkplatz in ordentlicher Qualität zu erstellen. Im Übrigen könne man durch die Parkgebühren auch mit jährlichen Einnahmen zwischen 15000 und 20000 Euro rechnen.

Heinz Franke und Ute Ulfert (CDU) regten noch an, Kurzzeitparkplätze für Abholer einzurichten, da diese ihre Autos am Bahnhof bislang oft kreuz und quer in den Weg stellten. Diese Anregung werde man aufnehmen, versprach Janocha.

Bei der Stadt rechnet man mit etwa drei Monaten Bauzeit, losgehen soll es im April. Ende Juni soll der neue Parkplatz dann nutzbar sein, pünktlich zum Straßenfest, sofern es ein solches in diesem Jahr überhaupt geben wird.

„Meistens halten die Provisorien ja viel länger, als man denkt.“Gerhard KettererCDU-Stadtrat

„Meistens halten die Provisorien ja viel länger, als man denkt.“ Gerhard Ketterer CDU-Stadtrat

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Erstellt:
14. März 2020, 06:00 Uhr

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