Trend zum Abitur erlangt Höchstwert

Parallel zu den Abiturienten steigt auch die Zahl derer, die gar keinen Abschluss erreichen

Trend zum Abitur erlangt Höchstwert

WAIBLINGEN (cib). Mama Abitur, Papa Abitur, Kind Abitur. Ist eine alte Lehrerregel. War aber noch nie so richtig wie heute. Fast zwei Drittel aller Kinder, die bundesweit auf einem Gymnasium sind, kommen aus Haushalten, in denen mindestens ein Elternteil Abi oder Fachhochschulreife hat, sagt das Statistische Bundesamt. Der Trend zum Abitur hat deutschlandweit derweil auch einen neuen Höchstwert erreicht: 34,7 Prozent der zuletzt gezählten Schulabgänger hatte das Reifezeugnis in der Tasche. Verglichen damit liegt die Quote im Rems-Murr-Kreis mit rund 27,1 Prozent Abiturienten niedriger als im Bund. Und in der Bundesliga der Abiturienten liegen wir damit auf Platz 290 unter den 403 im Regionalatlas ausgewerteten Städten, Kreisen und Stadtstaaten. Die Geschichte hat allerdings einen Haken: Es gibt auch einen Trend zu keinem Abschluss: Bundesweit sind es jetzt 5,7 Prozent der Jugendlichen. Im Rems-Murr-Kreis blieben zuletzt 5,6 Prozent ohne Abschluss. Im bundesweiten Vergleich bedeutet das für den Rems-Murr-Kreis Platz 203.

Jahrelang galt die Abiturientenquote als das Maß aller Bildungsdinge. Insbesondere bei der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Auf dem Bildungssektor ist die vor allem durch die Pisa-Studie bekannt. Seit dem Bildungsbericht 2017 lobt sie auch das deutsche Duale System. Und in der weltweiten Bildungshierarchie ist Meisterbrief inzwischen sogar etwas besser als Abitur, weil dem Bachelor gleich gestellt. Karriere mit Lehre kann auch finanziell funktionieren, wie Betriebswirtschaftler errechnen können. Erstens, weil Abitur nicht zwingend eine Lehre ausschließt. Zweitens, weil Handwerk bekanntlich goldenen Boden hat. Und drittens, weil der Handwerker von heute auch beispielsweise der Manager von morgen werden kann. Schuster, bleib bei deinem Leisten, gilt also nicht mehr.

Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille: die Abgehängten. In ganz Baden-Württemberg beendeten 5,2 Prozent junge Menschen die Schulzeit, ohne einen Hauptschulabschluss in der Tasche zu haben. Das ist eine etwas höhere Quote als im Vorjahr mit damals 4,8 Prozent. Deutschlandweit ist der Anteil der Abschlusslosen zum dritten Mal in Folge wieder leicht gestiegen: zuletzt von 5,6 auf runde 5,7 Prozent. Allerdings ist diese Zahl statistisch mit Vorsicht zu genießen, weil die Statistiker da zwei Gruppen mixen, die nicht in einen Topf gehören: Etwa gut die Hälfte der Schulabgänger ohne Abschluss konnte gar keinen Abschluss machen, denn sie besuchten eine Förderschule. Viele von ihnen eine mit dem Schwerpunkten Lernen oder geistige Entwicklung, und da wird meist gar kein Hauptschulabschluss angeboten.

Aber selbst wenn alle Förderschüler, sprich bundesweit rund die Hälfte, abgezogen werden, verpasst eine hohe Zahl Jugendlicher die nötige Ausbildungsreife. Aktuell entfernen sich die Zahlen damit weiter vom Fernziel, das die Bundesregierung 2008 ausgerufen hat: Bis ins Jahr 2015 sollte sich die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss von acht auf vier Prozent halbieren. 5,7 Prozent und Tendenz steigend, wie aktuell zu verzeichnen ist, ist das kein Erfolgswert.

Im Rems-Murr-Kreis entwickelten sich die beiden Gruppen junger Menschen so: 2008 blieben 5,5 Prozent ohne Abschluss, 2013 waren es 5,2 und aktuell sind es 5,6 Prozent. Dagegen machten im Sommer 2016 im Rems-Murr-Kreis rund 27,1 Prozent der Schüler Abitur, und damit mehr als im Vorjahr mit 26,4 Prozent. Im Jahr 2013 hatte die Abiturienten-Quote bei 25,7 Prozent und im Jahr 2008 bei rund 22,6 Prozent aller Schulabgänger den begehrten Abschluss.

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Erstellt:
2. Januar 2019, 06:00 Uhr

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