Trotz Widrigkeiten gute Qualität

Der Ertrag von den Streuobstwiesen kann sich sehen lassen. Bei der Aspacher Firma Streker läuft die Anlieferung schon auf vollen Touren. Das Unternehmen strickt weiter an seinem Nachhaltigkeitskonzept: Klimaneutraler Apfelsaft kommt jetzt auf den Markt.

Rohstoff für Apfelsaft: Die Obstanlieferung bei der Aspacher Firma Streker ist seit 24. August in vollem Gange und wird wohl bis in den November hinein andauern. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Rohstoff für Apfelsaft: Die Obstanlieferung bei der Aspacher Firma Streker ist seit 24. August in vollem Gange und wird wohl bis in den November hinein andauern. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG/ASPACH. In vollem Gange ist die Ernte auf den Streuobstwiesen rund um Backnang. Petra Streker, Geschäftsführerin der Firma Streker Natursaft in Großaspach, verzeichnet bereits einen entsprechenden Andrang vonseiten der Anlieferer. Seit 24. August läuft die Obstannahme bereits, und sie wird voraussichtlich bis in den November hinein geöffnet bleiben. Traditionell ist der Bittenfelder die letzte Sorte, die in die Presse kommt, er sollte an sich einen Frost abbekommen haben – aber, so Strekers Beobachtung: „Er fällt jetzt schon.“ Eine Folge der Trockenheit, die den Bäumen enorm zusetzt – die Äpfel werden dann notreif abgeworfen. Hinzu kommt, wie auch im Erwerbsobstbau, das Sonnenbrandproblem: Die Schale verfärbt sich braun, der Apfel fault ab. Genau hinzusehen gilt es für die Erzeuger bei Fallobst, das ebenfalls schnell fault.

Aber allen Widrigkeiten zum Trotz erscheint die Qualität des Ernteguts „gar nicht so schlecht“, wie Petra Streker salopp formuliert. Nach der Wahnsinnsernte von 2018 und der Pleite von 2019, als so gut wie nichts ankam, zeigt sich 2020 als ordentliches Jahr: „Es passt bisher.“ Und das nutzt auch den Erzeugern. Viele nutzen das Lohnmostprogramm, sie lassen sich dabei ihre Anlieferung als Gutschrift quittieren.

Die Geschäftsführerin unterstreicht in diesem Zusammenhang die regionale Verbundenheit mit den Erzeugern. „Kurze Transportwege von regional erzeugten Äpfeln erzeugen weniger CO2-Emissionen als längere Wege“, lautet der Ansatz, mit dem Nachhaltigkeit zum Unternehmenskonzept geworden ist. „Als Schwabe spart man immer“, macht Streker deutlich. Deshalb hat die Firma schon im Jahr 2002 ein Umweltmanagement nach dem Emas-System eingeführt.

Mit dem Umweltmanagement verbunden waren Maßnahmen zur Einsparung von Energie und Materialien. Mittlerweile sei im Betrieb aber alles gemacht, was möglich war, sagt Streker – daher stand die Überlegung an: „Was können wir mehr machen?“ In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für nachhaltige Entwicklung (DINE) an der Hochschule Heilbronn wird jetzt ein weiterer Schritt in Sachen Klimaschutz unternommen: Der klimaneutrale Apfelsaft kommt ab diesem Herbst auf den Markt.

Dazu wurde zunächst mit dem externen Partner eine Emissionsbilanz erstellt. Denn weder Anlieferung noch Produktion und Handel können komplett ohne CO2-Ausstoß geleistet werden. Dabei zeigte sich, dass die Firma nach den bereits getroffenen Maßnahmen nur noch 400 Tonnen CO2 für den Direktsaft aus eigener Produktion, der einen erheblichen Teil der Produktion und Abfüllung ausmacht, kompensieren muss.

Das Unternehmen unterstützt ein Projekt zum Schutz des Regenwalds.

In diesem Zusammenhang bekam das Unternehmen ein hohes Maß an Effizienz in den Produktionsprozessen und an Ressourceneffizienz bescheinigt. Die Kompensation geschieht, indem der Safthersteller ein vom DINE empfohlenes Waldschutzprojekt unterstützt. Dabei handelt es sich um das Projekt „Fortaleza Ituxi Redd“ in Brasilien, das darauf abzielt, Wälder in der Region mit der höchsten Entwaldungsrate im Amazonas-Regenwald zu schützen und wieder aufzuforsten. „Da kann man effektiv und schnell etwas machen“, sagt Petra Streker. Das Projekt sei zertifiziert, und der Wald am Äquator wachse schnell und binde damit viel CO2.

Als klimaneutrale Säfte kommen Strekers Apfeldirektsaft, Apfel aus Konzentrat und Bioapfelsaft in der Glasmehrwegflasche in den Handel. Die Ausweitung auf weitere Produkte und den gesamten Standort in Großaspach ist geplant. Erkennbar sind die klimaneutralen Säfte an einer eigenen Kennzeichnung.

Großkeltereien graben den Preis für Bioäpfel an, Streker sichert Festhalten an Verträgen zu

Die Marktlage bei Biosaft ist schwierig. Laut Petra Streker passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Das gilt vor allem, wenn eine Streuobsternte größer ausfällt. Ursache ist, dass viele Erzeuger auf biologische Produktion umgestellt haben und somit immer mehr Bioobst zum Versaften kommt. Die Nachfrage nach Biosaft hat damit aber nicht Schritt gehalten.

Großkeltereien vom Bodensee mit Annahmestellen im Rems-Murr-Kreis haben deshalb ihre Preise für Obst gesenkt – bestehenden Verträgen mit Anlieferern zum Trotz. In einem Fall hat eine Kelterei den vertraglich zugesicherten Bioäpfel-Ablieferpreis von 20 Euro für 100 Kilogramm (das entspricht 10 Euro für den Zentner) auf 17 Euro reduziert.

Gegen diese Praxis haben Erzeuger und Obst- und Gartenbauvereine – beispielsweise der aus Leutenbach – protestiert. „Unsere Streuobstwiesen liegen“, so schreibt dessen Vorsitzender Dieter Blessing an Landwirtschaftsminister Peter Hauk, „Ihnen, Ihrem Ministerium wie auch unseren Mitgliedern sehr am Herzen, prägen sie doch unsere Landschaft und tragen in hohem Maße zur Biodiversität, Klimaverbesserung und noch viel mehr bei.“ Dank des garantierten Preises von 20 Euro lohne es sich wieder, sich um den Erhalt der Streuobstwiesen zu kümmern, und es habe sich viel getan.

Der Backnanger SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber unterstützt dieses Anliegen. Es gehe darum, „dass die Mostobst-Abnahmeverträge, die die Firma Widemann (Bodensee-Kelterei) mit ihren Streuobstlieferanten abgeschlossen hat, auch eingehalten werden. Oder wie der Jurist sagt: pacta sunt servanda.“ Gleichzeitig verweist Gruber auf das Beispiel der Aspacher Firma Streker, die am vereinbarten Preis festhält.

„Die partnerschaftliche Zusammenarbeit ist uns sehr wichtig“, sagt Petra Streker. „Die Erzeuger verlassen sich auf uns.“ Deshalb hält sie daran fest: „Bioerzeuger, die mit uns einen Vertrag haben, erhalten natürlich den vereinbarten Vertragspreis.“ Streker räumt zwar ein: „Das tut schon weh in der aktuellen Marktlage.“ Wichtig seien ihr aber Regionalität und kurze Wege.

Ob sich der Preis aber auf lange Sicht halten lassen wird, ist offen. Petra Streker vermutet, dass sich eine Annäherung zwischen traditionell und biologisch erzeugter Ware ergeben wird.

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Erstellt:
23. September 2020, 06:00 Uhr

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