Türkei baut Einfluss auf Muslime in Europa aus

Konferenz in Köln erteilt Absage an „deutschen Islam“

Köln/Istanbul Die Türkei will ihren Einfluss auf Muslime in Europa ausbauen. Eine Konferenz des türkischen Religionsamtes Diyanet und ihres deutschen Ablegers Ditib in Köln beschloss die Gründung eines Sekretariats, das regelmäßige Treffen europäischer Muslime organisieren soll. Das Sekretariat, das seinen Sitz in Ankara haben soll, ist eine Antwort auf die Bemühungen europäischer Staaten wie Deutschland, die Rolle der Türkei in den islamischen Organisationen ihrer Länder einzudämmen. Die Kölner Konferenz erteilte Überlegungen für einen „deutschen Islam“ eine klare Absage. An dem Treffen nahm auch ein Mitglied der islamistischen Muslimbruderschaft teil.

Zu der Konferenz „II. Treffen der europäischen Muslime” vom 2. bis zum 4. Januar kamen laut türkischen Medienberichten rund 100 Gäste in die Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld. Die Hauptrede hielt der Chef des türkischen Religionsamtes, Ali Erbas. Er wandte sich gegen eine Assimilierung von Muslimen in Europa: Es sei „unmenschlich“, von Muslimen oder Einwanderern zu erwarten, dass sie sich völlig von ihren Herkunftsregionen lossagen sollten.

Kritiker sehen in Ditib, dem mit rund 900 Gotteshäusern größten Moscheeverband in Deutschland, einen Handlanger der türkischen Regierung. Ditib gehört zu Diyanet, das seinerseits Staatschef Recep Tayyip Erdogan untersteht. In Deutschland werden Imame von Ditib-Moscheen aus der Türkei entsandt und sind türkische Staatsbeamte.

Kritiker sehen in Ditib einen Handlanger Erdogans

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Erstellt:
8. Januar 2019, 03:12 Uhr

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