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Über eine Million Kilometer geradelt

Drei Wochen lang haben die Bürger im Rems-Murr-Kreis für den Klimaschutz in die Pedale getreten und haben fleißig Radkilometer gesammelt. Im Rahmen der Agenda 2030 soll die Alltagstauglichkeit des Radfahrens im Kreis stetig erhöht werden.

Die Tesat-Spaceradler führen mit 28935 Kilometern die Liste der Backnanger Teams im Stadtradeln an und liegen kreisweit auf Platz zwei. Foto: Tesat-Spacecom

Die Tesat-Spaceradler führen mit 28 935 Kilometern die Liste der Backnanger Teams im Stadtradeln an und liegen kreisweit auf Platz zwei. Foto: Tesat-Spacecom

Von Bernhard Romanowski

WAIBLINGEN. Kettensäge gegen Satellit – so ließe sich reißerisch das Duell auf den Punkt bringen, das sich das Team der Firma Stihl in Waiblingen mit der Mannschaft des Backnanger Unternehmens Tesat-Spacecom geliefert hat. Aber diese beiden Teams waren nicht die einzigen, die im Rahmen der Aktion Stadtradeln kräftig in die Pedale getreten haben. Drei Wochen lang sind die Bürger im Rems-Murr-Kreis für den Klimaschutz aktiv geworden und haben fleißig Radkilometer gesammelt.

Die Bilanz des Stadtradelns 2020 im Landkreis ist beeindruckend: Insgesamt radelten 3717 Personen in 271 Teams um die Wette: für Umwelt und Klima, für bessere Radwege und für ihre Gesundheit. Insgesamt haben sie über eine Million Kilometer zurückgelegt, genauer gesagt: 1007332 Kilometer . Damit hat der Kreis im bundesweiten Vergleich sein Ergebnis von 2019 vervierfacht. Sofern hiermit Fahrtwege mit dem Auto ersetzt worden sind, wurden 148 Tonnen CO2-Emissionen eingespart. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 38 Tonnen CO2.

Das Team Stihl konnte kreisweit die meisten Kilometer, nämlich 33046 in die Waagschale werfen, gefolgt von den Tesat-Spaceradlern mit 28935 Kilometern. Im Pro-Kopf-Vergleich liegen allerdings die Spaceradler vorne: Jeder Einzelne der 68 Teammitglieder legte im Mittel 426 Kilometer zurück. Im Team Stihl radelten derweil 98 Teilnehmer mit, die pro Kopf indessen auf 337 Kilometer kamen.

„Zwei unserer Kollegen sind in den drei Wochen jeweils für sich 2000 Kilometer geradelt“, lässt Nina Backes als Teamcaptain des Tesat-Teams wissen. Auch einige mittlerweile berentete Mitarbeiter des Unternehmens hatten sich für die Firma in die Pedale geworfen. Radfahren hat in dem Unternehmen einen gebührenden Stellenwert, so Backes weiter, die auf entsprechend geschaffene Radstellplätze und Duschen für die Radler in dem Unternehmen verweist.

Auf Kreisebene legte auch das Team des Landratsamts – quasi in besonderer Vorbildfunktion – mit 24483 Kilometern ein properes Ergebnis hin. Auch in Backnang kann man stolz sein: Die 100000-Kilometer-Marke, die der städtische Fahrradbeauftragte Volker Knödler geknackt sehen wollte, wurde satt übertroffen. Alle Backnanger Teams insgesamt legten in den drei Wochen zusammengenommen 132372 Kilometer zurück. Den Tesat-Spaceradlern folgt hier der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Backnang und Backnanger Bucht mit 12724 Kilometern auf Platz zwei und macht mit einer Pro-Kopf-Leistung von 606 Kilometern der 21 Teammitglieder zusätzlich eine sehr gute Figur.

Erstmals dabei war die Gemeinde Allmersbach im Tal, wo 6829 Kilometer geradelt wurden.

Die Maubacher Hobbyradler, im Vorjahr Zweite in Backnang, landeten diesmal auf Platz drei. In der Gemeinde Aspach liegt das Gesamtergebnis bei 41205, in Weissach im Tal bei 11488 Kilometern. Die Gemeinde Allmersbach im Tal nahm dieses Jahr erstmals am Stadtradeln teil und kann durch ihre Teams immerhin 6829 Kilometer vorweisen. Die nach Kommunen und Teams aufgeschlüsselten Ergebnisse findet man online unter www.stadtradeln.de.

„Die Stabsstelle Radwege im Landratsamt arbeitet mit Hochdruck an verschiedenen Radwegeprojekten“, teilt die Pressestelle des Rems-Murr-Kreises mit. Im Umwelt- und Verkehrsausschuss habe Radwege-Koordinatorin Karen Fischer jüngst den aktuellen Stand vorgestellt. Strategisches Ziel sei es, den Radverkehrsanteil bei Alltagswegen zu erhöhen, und zwar durch ein attraktives, lückenloses und sicher benutzbares Radwegenetz im Landkreis. „Nach einem ersten Entwurf 2019 konnten Bürger im Radwege-Meldeportal mehrere Monate lang ihre Wünsche und Verbesserungsvorschläge beitragen“, heißt es weiter dazu aus Waiblingen. Die über 1000 Meldungen seien inzwischen gesichtet und eingearbeitet worden, ebenso die Ergebnisse der Abstimmung mit den Kommunen. Um alle Strecken des Radwegenetzes auf einen landesweiten Qualitätsstandard zu bringen, beginne nun eine umfangreiche Zustandserfassung und -bewertung. Im Anschluss werden die notwendigen baulichen Maßnahmen aufgestellt und priorisiert.

Parallel arbeite die Stabsstelle Radwege an gleich drei Radschnellwegen, die sich in verschiedenen Phasen der Planung befinden: Für die Strecke Fellbach– Schorndorf ist die Machbarkeitsstudie abgeschlossen, dem Förderantrag für Planungsmittel wurde zugestimmt, wie der Kreis mitteilt. Die Trasse wird nun konkretisiert, der erste Planungsauftrag ist schon vergeben. Auch für die Strecke Ludwigsburg–Waiblingen ist die Machbarkeitsstudie bereits abgeschlossen, die Förderung für Planungsmittel (87,5 Prozent) ist bewilligt. Jetzt beginnt die konkretere Planung. Für die Strecke Waiblingen–Backnang ist der Antrag auf Fördermittel für eine Machbarkeitsstudie gestellt.

Aktuell saniert das Landratsamt die Murrböschung entlang der K1834 zwischen Kirchberg an der Murr und der Kreisgrenze. Sobald die Sanierung abgeschlossen ist, kann mit der Sanierung der Kreisstraße und dem Bau des langersehnten Radwegs begonnen werden. Die Radverbindung zwischen Winnenden und Waiblingen entlang der K1911 wird saniert und soll – unter anderem durch Randmarkierungen – sicherer gemacht werden. Das Land fördert die Maßnahme mit bis zu 50 Prozent. Die Arbeiten sollen im September beginnen.

Der Rems-Murr-Kreis beteiligt sich am Pilotprojekt „Radspaß – Sicher e-biken“. Das Projekt des Württembergischen Radsportverbands (WRSV) und des ADFC bietet in der Pilotphase kostenlose Fahrsicherheitstrainings für E-Biker an. Aktuell werden Fahrsicherheitstrainer dafür ausgebildet.

Im Rahmen des Projekts „Radhelden at School“ bietet der Landkreis zusammen mit dem Württembergischen Radsportverband (WRSV) Fahrradaktionstage für alle Grundschulen an. Hierbei sollen die Schüler Freude an der Bewegung, Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und mehr Sicherheit auf dem Fahrrad erlangen. Coronabedingt mussten die Aktionstage bis zu den Sommerferien abgesagt werden. „Ob die für den Herbst geplanten Termine stattfinden können, steht noch nicht fest“, teilt das Landratsamt mit.

Um die Alltagstauglichkeit des Fahrradfahrens noch weiter zu steigern, unterstützt der Rems-Murr-Kreis – im Rahmen des kreiseigenen Förderprogramms Agenda 2030 – die Installation von Fahrrad-Reparaturstationen im Landkreis. Der ADFC Rems-Murr, 21 Kommunen und der Landkreis stellen gemeinsam 36 solcher Stationen an belebten Radwegen und Rastplätzen im Kreis verteilt auf. Die Reparaturstationen sind mit Werkzeugen und Luftpumpe ausgestattet und ermöglichen die selbstständige Reparatur von kleinen Radpannen. Weitere Hilfestellung bietet zusätzlich ein hinterlegter QR-Code mit Anleitungsvideos zur Reparatur von Fahrradpannen.

Der Online-Karte auf der Homepage des ADFC Rems-Murr, der die Säulen nach ihrer Installation betreut, kann entnommen werden, wo im Rems-Murr-Kreis schnelle Hilfe bei Radpannen bereitsteht.

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Erstellt:
22. Juli 2020, 06:00 Uhr

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