Unechte Einbahnstraße in Aspach wird abgelehnt

In der Siemensstraße in Großaspach kommt es aufgrund von am Straßenrand abgestellten Fahrzeugen immer wieder zu zähem Verkehrsfluss und gefährlichen Situationen. Der Verwaltung schwebt eine Einbahnstraßenregelung vor, der Gemeinderat möchte einen anderen Weg gehen.

Pattsituation in der Siemensstraße: Die Durchfahrt gestaltet sich aufgrund der am Fahrbahnrand geparkten Fahrzeuge und des hohen Verkehrsaufkommens oft zäh. Wie eine Lösung aussehen könnte, dazu gibt es unterschiedliche Standpunkte. Foto: Alexander Becher

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Pattsituation in der Siemensstraße: Die Durchfahrt gestaltet sich aufgrund der am Fahrbahnrand geparkten Fahrzeuge und des hohen Verkehrsaufkommens oft zäh. Wie eine Lösung aussehen könnte, dazu gibt es unterschiedliche Standpunkte. Foto: Alexander Becher

Von Kai Wieland

Aspach. Lang ist die Siemensstraße in Großaspach nicht. Im Grunde handelt es sich lediglich um eine von der Heilbronner Straße abgehende und wieder auf diese zurückführende Spange. Da sich dort allerdings ein Edeka und ein Aldi sowie Autohändler, eine Autowerkstatt und eine Tankstelle befinden, ist das Verkehrsaufkommen aus beiden Richtungen dennoch erheblich. Weil zudem von den Autohäusern kommend das Parken am rechten Fahrbahnrand gestattet ist, wird die Durchfahrt mitunter zum Slalomparcours, was bisweilen gefährliche Situationen heraufbeschwört.

„In der Siemensstraße kommen mehrere Probleme zusammen“, erklärt Carolin Scholz, Sachgebietsleiterin im Amt für öffentliche Ordnung. So wichen etwa Autofahrer, die eigentlich den Gegenverkehr abwarten müssten, aufgrund fehlender Geduld oder Unwissen über die Vorfahrtsregelung stattdessen oftmals auf den Gehweg aus. „Das ist natürlich gefährlich und muss vermieden werden“, erklärt Scholz. Die Situation werde durch abbiegenden Verkehr im Bereich des Teplitzer Wegs und eines dort fehlenden Gehwegs noch verschärft. „Auch für Fahrradfahrer ist die Situation ähnlich gefährlich.“ Neben den Privat-Pkw, welche die Siemensstraße befahren, trägt außerdem der Anlieferverkehr der ansässigen Unternehmen zum Gesamtgemenge bei. „Dieser hat auf den Firmengeländen und Ladezonen keinen Platz und steht so auf der Straße, unter anderem im Kurvenbereich. Dadurch wird die Sicht des Autofahrers eingeschränkt“, stellt Carolin Scholz fest.

Gemeinderat spricht sich für Halteverbote aus

Neu ist die Problematik nicht, in den vergangenen Monaten wurde diese sowohl im Verkehrsbeirat als auch zu verschiedenen anderen Gelegenheiten von den Gemeinderäten thematisiert. Als der fraktionslose Udo Wruck sich in der jüngsten öffentlichen Sitzung nach dem aktuellen Stand in der Frage erkundigte, löste die Antwort der Gemeindeverwaltung bei einigen Gremiumsmitgliedern allerdings Irritationen aus.

„Ich denke, wir haben gemeinsam mit der unteren Verkehrsbehörde in Backnang eine gute Lösung gefunden“, hatte Carolin Scholz vorausgeschickt, ehe sie dem Gemeinderat das Konzept einer sogenannten unechten Einbahnstraße präsentierte. Diese würde die Einfahrt in die Siemensstraße lediglich aus einer Richtung gestatten. Wer innerhalb der Straße, etwa von einem der Supermarktparkplätze einbiegt, dürfte sie jedoch in beide Richtungen befahren. „So wäre zum Beispiel die Logistik der Firmen innerhalb der Siemensstraße weiterhin unproblematisch möglich.“

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Peter Hanisch (CDU/Bürgerliche Wählerliste) und Markus Kaumeyer (Freie Wählervereinigung), beide Mitglieder des Verkehrsbeirats der Gemeinde, äußerten scharfe Kritik an dem Vorstoß der Verwaltung. „Eine Einbahnstraßenregelung haben wir im Verkehrsbeirat schon vor einem Jahr abgelehnt, das sollte insofern gar nicht mehr zur Debatte stehen. Wieso ist es jetzt plötzlich wieder Thema?“, fragte Kaumeyer. Stattdessen habe sich der Beirat – der allerdings kein beschlussfassendes Gremium ist, wie Carolin Scholz feststellte – für ein beidseitiges Halteverbot mit der Erlaubnis zum Be- und Entladen ausgesprochen. „Das Problem sind ja nicht die Lkw oder die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die da mal eine halbe Stunde geparkt werden“, sagt Peter Hanisch. Vielmehr sei der Großteil der betreffenden Fahrzeuge, insbesondere auch der Abschleppwagen, auf die ansässigen Autohäuser zurückzuführen und werde dort dauerhaft abgestellt. „Die müssen eben schauen, dass sie ihre Fahrzeuge anderweitig unterbringen. Andere Autohändler im Ort können ihre Fahrzeuge ja auch nicht einfach überall abstellen.“

Gemeinde zieht Planung einer unechten Einbahnstraße zurück

Carolin Scholz wies schließlich darauf hin, dass Halteverbote an dieser Stelle von der unteren Verkehrsbehörde in Backnang nicht genehmigt würden und fügte hinzu, dass dies auch nachvollziehbar sei. „Das Problem besteht im gesamten Verlauf der Siemensstraße. Allein durch Halteverbote lässt es sich nicht lösen“, erklärt sie gegenüber unserer Zeitung. „Außerdem sollen in Gebieten, die den Charakter von Gewerbe- und Industriegebieten haben, Parkmöglichkeiten vorgehalten werden. Um allen Faktoren gerecht zu werden, wurde während einer Verkehrsbesichtigung die Einbahnstraßenlösung ausgearbeitet.“

Von der unteren Verkehrsbehörde der Stadt Backnang wurden die Planungen der Gemeinde Aspach, eine unechte Einbahnstraße in Verbindung mit einem absoluten Halteverbot im Einmündungsbereich auf Höhe der Autogalerie einzurichten, befürwortet. „Die Einrichtung von durchgängigen Halteverboten ist in einem Gewerbegebiet verkehrsrechtlich grundsätzlich nicht zulässig“, teilt Pressesprecher Christian Nathan mit. „Darüber hinaus ist die durchgängige Anordnung von Halteverboten nicht geeignet, den in einem Gewerbegebiet typischen Schwerlastverkehr ohne Behinderung für alle Verkehrsteilnehmer zu organisieren.“ Jene Planungen seien vonseiten der Gemeinde allerdings ganz aktuell wieder zurückgezogen worden, mutmaßlich als Folge der Reaktionen im Gemeinderat. Wie eine Lösung für die Siemensstraße stattdessen aussehen könnte, ist noch offen. „Neue Konzepte der Gemeindeverwaltung sind bei der Verkehrsbehörde bislang nicht eingegangen“, sagt Nathan.

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Erstellt:
2. April 2024, 11:30 Uhr

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