Unter Druck

Klage gegen Unterrichtsausfall droht: Ministerin in Zugzwang

Eltern verklagen möglicherweise das Land, weil zu viele Schulstunden ausfallen. Das zeigt, wie mächtig der Unmut über die mangelhafte Unterrichtsversorgung in Baden-Württemberg ist. Die Sorge der Väter und Mütter ist groß, dass ihre Kinder die Prüfungen nicht schaffen und sich Zukunftschancen verbauen könnten. Bei den Anforderungen – etwa beim Abitur – wird keine Rücksicht darauf genommen, ob alle Schulstunden stattgefunden haben oder nicht.

Der Ärger ist so groß wie die Hilflosigkeit. Eine Klage hatten die Elternvertreter schon im Herbst angekündigt. Jetzt wird die Drohgebärde noch verstärkt, weil Juristen immerhin Chancen für den Rechtsweg sehen. Dass Eltern eine Klage erwägen, zeigt, dass sie nicht länger bereit sind, abzuwarten und den Lehrermangel einfach hinzunehmen.

Die Überlegungen sind ein überdeutlicher Appell an Kultusministerin Susanne Eisenmann, dem Problem abzuhelfen. Viel mehr als Symbolik aber sind sie nicht. Das Problem Lehrermangel ist erkannt, und die Kultusministerin unternimmt einiges, ihm abzuhelfen. Das Übel ist und bleibt, dass es im Moment zu wenig Lehrer gibt und Stellen offenbleiben. Daran ändert auch eine Klage, sollte sie tatsächlich kommen, nichts. Die Drohung der Elternvertreter erhöht aber den Druck, die Unterrichtsversorgung zu verbessern.

Bis jetzt ist das Land zurückhaltend, wenn es darum geht, die Lehrerreserve aufzustocken. Zusätzlicher Druck könnte die Entscheidung beschleunigen. Auch bei der Qualifizierung von Seiteneinsteigern oder dem Einsatz der 2000 abgewiesenen Gymnasiallehrer gibt es sicher flexible und kreative Möglichkeiten, die durch den Druck der Eltern vielleicht ernsthafter als bisher erwogen werden.

renate.allgoewer@stzn.de

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Erstellt:
16. März 2019, 03:04 Uhr

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