Menschenrechte
Aktivist und Präsidentschaftsanwärter Jesse Jackson ist tot
Er kämpfte mit Martin Luther King für Gleichberechtigung und bewarb sich um die Präsidentschaftskandidatur. Mit Jesse Jacksons Tod ist eine der bekanntesten schwarzen Stimmen in den USA verstummt.
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Jesse Jackson ist im Alter von 84 Jahren gestorben. (Archivbild)
Von Von Patricia Bartos und Naveena Kottoor, dpa
Chicago - Über Jahrzehnte hinweg war Jesse Jackson einer der prominentesten Bürgerrechtler in den USA. Der schwarze Aktivist kämpfte in den 1960er Jahren an der Seite von Martin Luther King für Gleichberechtigung in Amerika. Nun ist der Bürgerrechtler friedlich im Kreise seiner Familie in Chicago gestorben. Jackson wurde 84 Jahre alt.
"Sein unerschütterliches Engagement für Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenrechte trug dazu bei, eine globale Bewegung für Freiheit und Würde zu formen", heißt es in einem Statement, das die von ihm gegründete Stiftung Rainbow Push Coalition unter Berufung auf seine Familie veröffentlichte. "Unser Vater war ein dienender Anführer - nicht nur für unsere Familie, sondern für die Unterdrückten, die Stimmlosen und die Übersehenen auf der ganzen Welt."
Wegbegleiter und Politiker äußerten sich bestürzt über Jacksons Tod. "Ein Gigant ist nach Hause gegangen", schrieb etwa der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton auf Instagram. Jackson sei sein Mentor gewesen, er habe die Nation und die Welt verändert. Der britische Vize-Premierminister David Lammy beschrieb Jackson als "eine Säule der Bürgerrechtsbewegung". "Möge sein Vermächtnis weiterleben", schrieb er auf X.
Bemerkenswertes Redetalent mit Gespür für Emotionen
Geboren wurde Jackson 1941 in Greenville im südlichen US-Bundesstaat South Carolina als Jesse Louis Burns, später nahm er jedoch den Nachnamen seines Stiefvaters Charles Jackson an. Jesse Jackson studierte Theologie in Chicago, als er seine Mitarbeit in der Southern Christian Leadership Conference des legendären Bürgerrechtlers King begann.
Jackson war mit Martin Luther King in Memphis, als dieser 1968 ermordet wurde. Später gründete Jesse Jackson eigene Organisationen, die 1996 in der "Regenbogen"-Koalition aufgingen - eine Initiative, die sich nach eigenem Bekunden "für sozialen Wandel" engagiert.
In den 70ern zählte er für das Magazin "Ebony" zu den hundert einflussreichsten schwarzen Amerikanern. Im darauffolgenden Jahrzehnt wurde der Baptistenpfarrer einer der bekanntesten afroamerikanischen Politiker.
"Manchmal wird es dunkel, aber der Morgen kommt"
Weltweite Schlagzeilen machte er jedoch vor allem mit seinen Bewerbungen um die Präsidentschaftskandidatur der demokratischen Partei. Zweimal, 1984 und 1988, bewarb er sich als Kandidat für die US-Demokraten - jedoch erfolglos, denn damals war er seiner Zeit weit voraus. Als der linke Schwarze zum ersten Mal versuchte, dem weißen Establishment der Demokraten Paroli zu bieten, war das eine Sensation. Niemand gab dem mit bemerkenswertem Redetalent und untrüglichem Gespür für Emotionen ausgestatteten Baptistenpfarrer eine Chance. Jackson galt als Bürgerschreck und Außenseiter. In den Vorwahlen schaffte er mit dem dritten Platz einen Achtungserfolg.
Vier Jahre später baute Jackson auf diesen Erfolg auf und wurde zum ernstzunehmenden Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur. Bei den Vorwahlen schloss er 1988 als Zweitplatzierter ab. Spekuliert wurde damals, ob Jackson als Vizepräsidentschaftskandidat ins Rennen gehen würde, aber auch daraus wurde nichts.
Als Jackson 1988 auf dem Parteitag der Demokraten sprach, gab er, wie so oft, bewegende Worte von sich: "Amerika ist keine Decke, die aus einem Faden, einer Farbe und einem Stoff gewebt ist", sagte er. "Sie können es schaffen. Manchmal wird es dunkel, aber der Morgen kommt. Geben Sie nicht auf."
20 weitere Jahre sollte es dauern, bis mit Barack Obama 2008 tatsächlich ein Schwarzer kandidieren und bald darauf ins Weiße Haus einziehen sollte. In der Wahlnacht war Jackson vor laufenden Kameras zu Tränen gerührt. Der Wahlsieg Obamas sei auch eine Wiedergutmachung derer gewesen, die ihr Engagement für die Bürgerrechtsbewegung mit ihrem Leben bezahlt hätten, sagte Jackson dem US-Sender CBS.
Soziales Engagement bis zum Lebensende
Jackson gab seine Ambitionen auf das Präsidentenamt danach auf. Das Ende seines sozialen und politischen Engagements bedeutete das aber nicht - im Gegenteil. Unter anderem verhandelte er mehrfach erfolgreich die Freilassung von gefangenen Ausländern in Konfliktgebieten. Der damalige US-Präsident Bill Clinton ernannte Jackson 1997 zum Sondergesandten für die Förderung der Demokratie in Afrika. Im Jahr 2000 wurde ihm die Freiheitsmedaille des Präsidenten verliehen - eine der beiden höchsten zivilen Auszeichnungen der USA.
1963 heiratete Jackson seine College-Liebe Jacqueline Lavinia Brown, das Ehepaar hat fünf Kinder. Einer der Söhne, Jesse Jackson Jr., war von 1995 bis 2012 Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus in Washington. 2001 gestand Jackson Senior ein, dass er aus einer Affäre mit einer Mitarbeiterin seiner "Regenbogen"-Koalition eine weitere Tochter habe.
Um Jacksons Gesundheit stand es in den letzten Jahren nicht besonders gut. 2017 teilte er selbst mit, dass er an Parkinson erkrankt sei. Während der Coronavirus-Pandemie mussten er und seine Ehefrau nach einer Infektion im August 2021 im Krankenhaus behandelt werden. Die Todesursache von Jackson war zunächst unklar, mehreren Medienberichten zufolge kam er vor wenigen Monaten ins Krankenhaus und litt an einer seltenen neurologischen Erkrankung.
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Jesse Jackson 1968 mit Martin Luther King. (Archivbild)
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Um Jacksons Gesundheit stand es zuletzt nicht gut. (Archivbild)
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Der US-Bürgerrechtler starb im Kreise seiner Familie. (Archivbild)
