Vermögens- und Fälschungsdelikte gestiegen

Andreas Fischer, Leiter des Polizeipostens Murrhardt, stellt im Gemeinderat Zahlen zur polizeilichen Kriminalstatistik der Walterichstadt vor.

Bericht im Gemeinderat. Foto: VRD - stock.adobe.com

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Von Christine Schick

Murrhardt. Der Polizeipostenleiter schickte seinem Bericht voraus, dass die Zahlen aktuell etwas anders als gewohnt aus internen Gründen nicht als Powerpoint-Präsentation dargestellt werden könnten, alternativ hatte er aber zentrale Eckdaten in Bezug auf das Jahr 2020 auf einem Papier zusammengestellt, das im Gremium verteilt wurde. „Die Zahlen basieren auf dem Anzeigeverhalten“, sagte Andreas Fischer zur Einordnung. Generell bestünden für die Polizei vier Handlungsschwerpunkte: Bekämpfung der Eigentumskriminalität, politisch motivierte Kriminalität (Zahlen nicht ausgewiesen), die Sicherheit im öffentlichen Raum und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Die Zahlen zeigen die Entwicklung in Murrhardt im Vergleich zu 2019. Insgesamt haben die Straftaten um 19,3 Prozent zugenommen, die absolute Zahl liegt bei 686, was einem Anstieg um 111 Taten entspricht. Sehen lassen kann sich die Aufklärungsquote, die bei 73,8 Prozent liegt und gegenüber 2019 (66,1 Prozent) zugelegt hat. Die landesweite Quote verortete Andreas Fischer bei etwa 60 Prozent. Auch gestiegen ist die sogenannte Häufigkeitszahl, die erfasste Fälle in Relation zur Einwohnerzahl (Fälle je 100000 Einwohner) stellt. Erfreulich für Andreas Fischer ist, dass die Rohheitsdelikte um rund vier Prozent abgenommen haben, unter ihnen sind beispielsweise Körperverletzungen, bei denen der Rückgang mit acht Prozent noch deutlicher ist. Einen klaren Zuwachs wiederum haben die sonstigen, nicht spezifizierten Straftatbestände um 46 Prozent, darunter Sachbeschädigungen mit einem Plus von rund zwölf Prozent, zu verzeichnen. Augenfällig ist ebenso die gestiegene Computerkriminalität, die um rund 23 Prozent zugelegt hat. Bei der Umweltkriminalität sind es sogar 133 Prozent, wobei es sich in absoluten Zahlen um sieben Delikte (plus vier Stück) handelt. Von einem starken Anstieg – um 55 Prozent – sprach Fischer bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten, dabei spiele auch die Serie eines Internetbetrügers eine Rolle, der von Murrhardt aus agierte beziehungsweise hier seinen Wohnsitz habe, wie Fischer später noch präzisierte. Als allgemeinen Trend machte er aus, dass sich Betrugsdelikte (in Murrhardt um 50 Prozent gestiegen) zunehmend ins Internet verlagerten.

Straßenkriminalität und Aggressionsdelikte haben abgenommen

Einen Rückgang gab es im Vergleich zu 2019 bei den Diebstahlsdelikten, die um rund 16 Prozent gesunken sind. Auch die Straßenkriminalität (Abnahme um 4,4 Prozent) und die Aggressionsdelikte (Abnahme um 5,5 Prozent) sind rückläufig („Der Trend findet sich auf Landesebene auch“), wobei die Pandemie und die mit ihr verbundenen Einschränkungen eine Rolle spielen dürften. Bei den Tatverdächtigen von insgesamt 290 Personen schlüsselte Andreas Fischer noch die nationale Zugehörigkeit und den rechtlichen Status auf – von ihnen waren 83 Nichtdeutsche und zwölf Flüchtlinge.

In der anschließenden offenen Runde kommentierten die Fraktionssprecher die Zahlen und stellten Nachfragen. Edgar Schäf stellte fest, dass Corona zumindest in Bezug auf Diebstahls- und Straßenkriminalitätsdelikte positive Auswirkungen habe. Der SPD-Fraktionsvorsitzende geht davon aus, dass dazu neben den Sperrzeiten auch die stärkere Präsenz von Kontrollkräften beigetragen hat. Gleichzeitig sei der Murrhardter Polizeiposten nicht übermäßig besetzt, die Einsatzzeiten könnten verlängert werden, so die Einschätzung von Schäf. Gleichsam halte er Murrhardt immer noch für ein sicheres Pflaster und sei froh um den Polizeiposten. Mit den präsentierten Zahlen könne er leben, auch wenn „die Vermögens- und Fälschungsdelikte grantig zugenommen“ hätten. Dies unterstrich auch Andreas Fischer nochmals, neben Internetbetrug hätten auch Enkeltrickbetrüger oder falsche Polizeibeamte Hochkonjunktur. Zwar liefen viele Aufklärungskampagnen der Polizei, manchmal gingen allerdings ältere, gutgläubige Menschen den Betrügern doch auf den Leim. Hinzu komme, dass immer mehr Waren im Netz bestellt werden. „Das ist ein großes Betätigungsfeld und wird uns weiterhin beschäftigen“, so Andreas Fischer.

Martin Stierand (MDAL/Die Grünen) erkundigte sich, ob sich die Häufigkeitszahl in der Personalplanung niederschlage und die Drogenkriminalität wie auch anderenorts gestiegen sei. Beides bejahte der Polizeipostenleiter. Wie auch landesweit sei ein Anstieg in Sachen Drogenkriminalität zu verzeichnen. Die Fälle in Relation zur Einwohnerzahl sollten sich auf die Personalstärke des Postens auswirken, in der letzten Evaluation habe sich die stärkere Belastung auch widergespiegelt. Auf dem Papier habe man 1,5 Stellen dazugewonnen. Allerdings merkte Fischer auch an, es sei bekannt, dass das Polizeipräsidium Aalen schon vor Jahren in Bezug auf die Personaldichte Schlusslicht in Baden-Württemberg (Polizisten pro Einwohnerzahl) gewesen sei. Seines Wissens nach sei man auch deutschlandweit auf dem letzten Platz. Auch deutete er an, dass beim Polizeirevier Backnang, das beim Streifendienst unterstützt, eine hohe Fluktuation bestünde. Letztlich hoffe er, dass sich die Personalsituation für den Murrhardter Posten verbessere.

Für Andreas Winkle (CDU/FWV) war erfreulich, dass die Diebstahlsdelikte zurückgegangenen sind, was er auch mit einer stärkeren Polizeipräsenz im vergangenen Jahr verbinde. Mit Blick auf die Verlagerung von Delikten ins Netz, so stellte er fest, hieße es auch auf eine Spezialisierung der Kräfte zu setzen. Ein Räuber marschiere heutzutage nicht mehr in die Bank, sondern erledige dies von zu Hause aus, formulierte er das Bild zur veränderten Lage.

Wolfgang Hess (UL) stellte fest, dass das Team des Polizeipostens gute Arbeit leiste, klar erkennbar an der erstaunlich hohen Aufklärungsquote.

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Erstellt:
7. August 2021, 16:00 Uhr

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