VfB Stuttgart kassiert Dämpfer in Rom
Stuttgarts Traum von der direkten Achtelfinal-Qualifikation in der Europa League wackelt. Der VfB verliert 0:2 in Rom. Die Ausgangslage für den Ligaphasen-Abschluss hat sich damit verschlechtert.
Von Carlos Ubina
Rom - Der VfB Stuttgart hat am Donnerstagabend bei der AS Rom zu viele Chancen vergeben – und ist nun nach dem 0:2 neben einem eigenen Sieg gegen Young Boys Bern am letzten Spieltag der Ligaphase auf Schützenhilfe angewiesen, um noch Rang acht und damit den direkten Einzug ins Achtelfinale der Europa League zu erreichen.
Taktgeber Angelo Stiller hatte in Rom aufgrund seiner Leistenbeschwerden gefehlt. Für ihn startete wie erwartet Chema im Stuttgarter Mittelfeldzentrum. Zu Beginn beeindruckte der VfB mit extrem hohem und gut abgestimmtem Pressing, sodass die Roma offensiv nicht ins Spiel fand. Coach Sebastian Hoeneß spiegelte dabei die in Fußballfachkreisen längst bekannte Systematik seines Trainerkollegen Gian Pero Gasperini – der Römer, zuvor zehn Jahre lang bei Atalanta Bergamo tätig, ist für seine austarierte Manndeckung über den gesamten Platz berühmt.
Der VfB agierte defensiv nun ähnlich zupackend. Allerdings: Nach vorne ging zunächst auch für die Weiß-Roten nicht viel – beide Teams neutralisierten sich also auf hohem taktischen Niveau.
Nach knapp 20 Minuten dann übernahmen die Gastgeber die Initiative und fanden offensiv bessere Lösungen, sie schalteten teils schneller um als vorher – aber auch hier waren klare Chancen Mangelware. Denn der VfB stand mit seiner Dreierkette aus Finn Jeltsch, Jeff Chabot und Ramon Hendriks im Verbund mit Chema und Atakan Karazor davor im Zentrum stabil.
Und nach vorne? Da befreite sich die Hoeneß-Elf erstmal wieder aus dem Druck und kam durch Jamie Leweling nach 34 Minuten zur bis dahin größten Chance der Partie: Der Nationalspieler zog aus 15 Metern mit links ab, scheiterte aber an Keeper Mile Svilar. Wenig später jagte Deniz Undav den Ball nach einem tollen langen Pass von Chabot aus 16 Metern zwar nicht in den Römer Nachthimmel, aber zumindest in Richtung Römer Fankurve im weiten Rund des Olympiastadions.
Die AS-Anhänger waren froh, dass Undav den Ball nicht so richtig traf und gerieten wenig später gar in Ekstase. Denn kurz vor der Pause durften sie jubeln – weil der bis dahin so sichere VfB hinten auf einmal nicht gut postiert war. Genauer: die Abstimmung zwischen Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt und Chema passte nicht, Matias Soulé konnte so einen Steckpass zwischen den beiden Stuttgartern in Richtung Niccolo Pisilli spielen – und der vollendete im Sechzehner gekonnt. 1:0 für die Roma in Minute 40, da war er, der Nackenschlag für die Weiß-Roten.
Und drei Minuten später wäre fast noch das 2:0 gefallen, doch Keeper Alexander Nübel konnte einen gefährlichen Schuss von Lorenzo Pellegrini parieren.
Mit einem 0:1-Rückstand ging es also in die Pause, nach der der VfB gut ins Spiel fand. So setzte sich Undav bereits in Minute 47 nach einem langen Ball robust durch, scheiterte dann aber mit links an Svilar. Allerdings – hinten passte wie zum Ende der ersten Hälfte zunächst weiter nicht mehr alles, weshalb die Römer zu Beginn des zweiten Abschnitts zu einigen Halbchancen kamen.
Und dann, ja dann hatte der VfB auf der anderen Seite eine hundertprozentige Chance. Nach einem Freistoß von Chris Führich landete die Kugel nach 58 Minuten bei Undav, der frei vor dem Tor stand – und dann mit links aus kurzer Distanz zum nächsten Schuss in Richtung des Nachthimmels ansetzte. Man muss es so sagen: Der Nationalspieler vergab diese Riesenchance kläglich.
Etwas mehr als zehn Minuten später kam Stoßstürmer Ermedin Demirovic ins Spiel, doch auch mit dem Torjäger verschärfte sich zunächst die Problematik, die sich mit fortlaufender Spieldauer entwickelte hatte: Gegen abgezockte und dicht gestaffelte Römer gab es kaum noch ein Durchkommen für die Stuttgarter. Bis der Ball nach 78 Minuten plötzlich zu Demirovic durchrutschte – und der Bosnier zentral aus kurzer Distanz an Svilar scheiterte.
Klare Sache: Der VfB hatte in Hälfte zwei drei große Chancen, ein Remis wäre verdient gewesen. Und die Niederlage, die geriet angesichts dieser Möglichkeiten so bitter wie unnötig. Das Römer 2:0 in der Nachspielzeit– wieder durch Pisilli – war am Ende nur noch eine Randnotiz.
