Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Videokonferenz zum Thema Quarantänestation

Sczuka thematisiert die Isolierunterkunft im ehemaligen EC-Freizeitzentrum in Sechselberg – 270 Bürger loggen sich in Unterhaltung mit dem Bürgermeister ein

Als Erfolg bezeichnet Bürgermeister Reinhold Sczuka die erste Videokonferenz in Althütte. Trotz kurzfristiger Ankündigung haben sich 277 Bürger eingeschaltet. Nach einführenden Worten des Bürgermeister und eines Vertreters des RP kamen Bürger zu Wort. Kritische Fragen gab es zum Grund und zur Dauer der Isolierunterkunft in Sechselberg.

Wird gerade zur Isolierunterkunft für an Covid-19 erkrankte Flüchtlinge ausgebaut: das ehemalige EC-Freizeitzentrum in Sechselberg. Foto: F. Muhl

© Florian Muhl

Wird gerade zur Isolierunterkunft für an Covid-19 erkrankte Flüchtlinge ausgebaut: das ehemalige EC-Freizeitzentrum in Sechselberg. Foto: F. Muhl

Von Florian Muhl

ALTHÜTTE. Die unterschiedlichsten Reaktionen und Sichtweisen habe Sczuka erhalten, nachdem bekannt geworden ist, dass das Land im ehemaligen EC-Freizeitzentrum in Sechselberg für zunächst sechs Monate eine Quarantänestation für Flüchtlinge einrichten will, die an der Corona-Krankheit Covid-19 erkrankt sind (wir berichteten). „Verständnisvolle und die Einrichtung unterstützende“, sagte der Bürgermeister zu Beginn der Konferenz, „aber auch wütende und verletzende, persönlich verletzende und auch verleumdende. Das tut weh.“ Sczuka wies erneut darauf hin, dass er erst am 23. März vom Regierungspräsidium (RP) telefonisch über die Maßnahme unterrichtet worden sei. Elf Flüchtlinge, Stand 30. März, sollen zunächst in der Unterkunft isoliert werden.

Aber warum gerade Sechselberg, wo das Land Baden-Württemberg doch so groß ist? Zu dieser Frage nahm Referatsleiter Thomas Deines vom Regierungspräsidium Stuttgart Stellung. Noch vor gut einem Monat seien Fasching und Bundesliga ganz normal gewesen. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt habe sich das RP sehr intensiv Gedanken darüber gemacht, wie die Flüchtlingsunterkunft zu gestalten sei, wenn das Coronavirus auch in Deutschland ausbrechen würde. Aus diesem Grund werden auch seit dem 1. März alle neu ankommenden Flüchtlinge auf das Coronavirus hin überprüft.

Das Land habe sich dann auf die Suche nach einer geeigneten Einrichtung begeben. Faktoten waren: Größe der Unterkunft, wie schnell und wie lang ist sie verfügbar, Einzelzimmer mit Sanitäreinrichtung, teilweise barrierefrei und für Familien geeignet – all das hat das EC-Heim geboten. So erfolgte rasch der Zuschlag. Deines wies darauf hin, dass für die Personen in der Unterkunft dieselben Auflagen gelten, wie für jeden positiv Getesteten: „Das heißt, sie müssen sich in strenger, häuslicher Quarantäne aufhalten, also im zugewiesenen Zimmer.“

Kaum hatte der RP-Sprecher diese Infos ins Netz gesprochen, erklang von draußen ein Hupkonzert. Dieser gar nicht stiller Protest gegen die Isolierunterkunft war sogar per Facebook-Aufruf angekündigt worden.

Nach knapp 20 Minuten Monolog von Sczuka und Deines kamen dann die ersten Bürger zu Wort. Per Chat erkundigte sich ein Bürger nach der Anzahl des Fach- und Wachpersonals. Das werde immer situationsbedingt angepasst, zunächst geht er von fünf bis acht Personen aus. Die Anzahl des Sicherheitspersonals wollte Deines nicht nennen. Der RP-Sprecher stellte auch klar, dass Kinder betroffener Familien nicht in die Schule gehen werden.

„Kann zugesagt werden, dass dies keine Dauereinrichtung wird?“, so eine weitere Frage aus dem Chat-Verlauf. Nein, das könne er nicht, so Deines. Aber: „Wenn Corona wieder vorbei ist, bin ich froh, wenn wir hier wieder die Zelte abbrechen können.“ Auf die Frage, warum das Land keine Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA), die teilweise halb leer stünden, nutze, um Erkrankte unterzubringen, sagte Deines, dass die separate Unterbringung wie hier in Sechselberg viel leichter zu handhaben sei. Zudem denke er auch an den Mitarbeiterschutz. Und was ist, wenn jemand entwischt? „Dann wird unverzüglich die Polizei benachrichtigt und dann wir diese Person gesucht“, so die Antwort von Deines.

Dass es sich bei der Isolierunterkunft um keine Strafeinrichtung handelt, machte der Vertreter des Regierungspräsidiums klar. Die Erkrankten würden nur für die Zeit ihrer Quarantäne, also für 14 Tage, ihren Wohnort beispielsweise in der LEA Freiburg oder Ellwangen verlassen und würden dann auch wieder nach der Isolierung dorthin zurückkehren. Eine Bürgerin befürchtete, dass künftig Fernsehteams in Sechselberg auftauchen würden, weil diese von Hot-Spots berichten wollten. Das könne sein, so Deines, aber diese Zeit gehe auch vorbei.

Sczuka will den Chat-Verlauf jetzt noch aufarbeiten. Sein Fazit zur Videokonferenz: „Ein völlig neues Medium, das sich bewährt hat und das wir auch nach der Coronakrise noch nutzen werden.“

Bürgermeister Sczuka als Moderator. Foto: Screenshot/Youtube.com

Bürgermeister Sczuka als Moderator. Foto: Screenshot/Youtube.com

Info
Fakten zur Videokonferenz

Die erste Videokonferenz in der Gemeinde Althütte fand am 31. März von 18 bis 19 Uhr statt. Das Thema: Corona in Althütte und die temporäre Isolierunterkunft für Flüchlinge im ehemaligen Freizeitzentrum in Sechselberg.

Eingeladen dazu hatte Bürgermeister Reinhold Sczuka am Tag zuvor über einen Aufruf auf der Homepage sowie über den Facebook-Kanal der Gemeinde.

An der Videokonferenz teilgenommen hatten neben Sczuka auch ein Vertreter des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart, Referatsleiter Thomas Deines, sowie die drei Listenführer des Gemeinderats, Reinhard Pfeil von der Freien Wählervereinigung, Thomas Kuntz von der Bürgerliste und Gabi Gabel vom Forum Althütte 2000. Begleitet wurde die Aktion von einem Filmteam des SWR.

Insgesamt nahmen 277 Bürger an der Videokonferenz inklusive Chat-Funktion via Tablet, PC oder Smartphone teil. Die meisten hatten sich dafür die „Zoom Meetings“-App heruntergeladen und installiert. Insgesamt standen rund 300 Einwahlmöglichkeiten zur Verfügung.

Alle Teilnehmer waren zunächst stumm geschaltet und erhielten dann einzeln vom Bürgermeister die Sprecherlaubnis.

Die Internetkonferenz wurde aufgezeichnet. Hier der Link zur Videokonferenz: https://youtu.be/Jl_W33X6APs

Zum Artikel

Erstellt:
3. April 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

E-Learning-Spezialist verlässt Althütte

Die Firma Vimotion, Anbieter von internetbasierten Lernsystemen, verzeichnet seit Beginn der Coronapandemie eine Zunahme der Nutzer auf das 800-Fache. Firmenchef Grübele sieht am jetzigen Standort keine Wachstumsmöglichkeiten und geht nach Crailsheim.