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Viele Arbeitsschritte sind notwendig

Zehn Teilnehmer machen beim ersten Brot-Backkurs des Dorf- und Backhausvereins Waldrems mit

Lange war das alte Backhäuschen in Waldrems unbenutzt. Vor zwei Jahren wurde der Dorf- und Backhausverein Waldrems gegründet, und es finden wieder Backtage statt. Den Prozess von der Teigherstellung bis zum fertigen Brot konnten nun Teilnehmer erstmals bei einem Brot-Backkurs erleben.

Auch OB Nopper lässt sich in der Kunst des Brotbackens unterweisen. In Elvira Wenzel-Spieth hat er eine gute Lehrerin, Heinz Holzwarth (rechts) weiß zudem viel über die Geschichte der Backhäuser zu erzählen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Auch OB Nopper lässt sich in der Kunst des Brotbackens unterweisen. In Elvira Wenzel-Spieth hat er eine gute Lehrerin, Heinz Holzwarth (rechts) weiß zudem viel über die Geschichte der Backhäuser zu erzählen. Foto: J. Fiedler

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Am Backhaus im Ortskern von Waldrems treffen sich die zehn Teilnehmer des Brot-Back-Kurses. Heinz Holzwarth, Vorsitzender des Dorf- und Backhausvereins Waldrems, informiert über die Geschichte der Backhäuser, die in Baden-Württemberg im 19. Jahrhundert entstanden. König Wilhelm von Württemberg verfügte, dass jede Gemeinde ein Backhaus haben musste, da es oft Brandschäden durch an Häuser angebaute Backöfen gab. Außerdem konnte Holz durch gemeinsame Nutzung gespart werden. In Waldrems ist das Backhaus 1864 entstanden.

Das Anheizen und die Funktion des Ofens erklärt „Heizer“ Lothar Frey. Mit „Büschele“ aus Reisig wird das Feuer angefacht und mit Holz weiter befeuert. Alle Züge des Ofens müssen dabei offen sein. Erst, wenn das Holz heruntergebrannt ist, werden die Türen geschlossen. Etwa drei Stunden dauert das Anheizen. Mit Kursleiterin Elvira Wenzel geht es für die Teilnehmer in der Zwischenzeit zur Radsporthalle Waldrems. Für den Kurs hat der Radsportverein seine Küche zur Verfügung gestellt. Dort lernen die Teilnehmer, wie der Teig hergestellt wird und wie lange er gehen muss. Auf Wunsch können Saaten oder Gewürze beigefügt werden. Ein Weizen-Bauernbrot und ein Mischbrot stellt jeder Teilnehmer her. Tags zuvor hat Wenzel schon einen Roggen-Vorteig angesetzt.

Mit dem fertigen Teig in Körbchen oder Schalen geht es zurück zum Backhaus, wo Lothar Frey inzwischen die Asche des niedergebrannten Holzes aus dem Ofen holt. Jetzt muss er nur noch „aushuddla“, nämlich den Ofen nass auswischen. Das entfernt die Aschereste, und Feuchtigkeit kommt in den Ofen. Dann können die 20 Brote „eingeschossen“ werden. Rund eine Stunde dauert das Backen. Zeit für die Kursteilnehmer zum geselligen Beisammensitzen an den Tischen, die vor dem Backhäuschen aufgebaut sind. Einer der Teilnehmer ist Backnangs OB Frank Nopper. Er fand die Idee zum Kurs sofort gut und meldete sich an. Mehr Achtung vor dem Brotbacken habe er nun bekommen. Es sei gar nicht so einfach, und viele verschiedene Arbeitsschritte sind nötig. „Man muss ein Gefühl dafür entwickeln“, so Nopper. Er habe gelernt, dass Brotbacken viel Zeit braucht. Kursteilnehmerin Rita Pscheidt interessiert sich besonders für die Teigherstellung. Sie hat schon öfter Brot selbst gebacken, aber es sei ihr nie richtig gelungen. Uschi Koesling aus Auenwald hat ein eigenes Backhäuschen im Garten, das ihr Mann gebaut hat. Sie möchte im Kurs auch lernen, wie man den Ofen fachgerecht anheizt. Das interessiert auch Barbara und Günter Remter aus Backnang, die ein Backhäuschen auf ihrem Wochenendgrundstück bei Althütte haben. Sie haben darin auch schon Pizza oder Zwetschgenkuchen gebacken. Beim Brot habe bisher der „Pfiff“ gefehlt. Klaus Becker aus Waldrems hat sich angemeldet, weil er gerne unterstützen möchte, „dass das Backhaus lebt“.

Als das Nachbargebäude abgerissen war, konnte es losgehen

Viele Jahre konnte das Backhäusle im Backnanger Ortsteil Waldrems nicht benutzt werden. Auf dem Nachbargrundstück befand sich ein Bauernhaus, das immer mehr verfiel. Man hatte Bedenken, der Funkenflug könne es in Brand stecken, weiß Heinz Holzwarth. Als das marode Gebäude abgerissen war, wurde der Dorf- und Backhausverein Waldrems ins Leben gerufen. Die Mitglieder renovierten die Fassade und den Vorplatz, der jetzt mit einer Steinbank zum Verweilen ausgestattet ist. Viermal im Jahr finden Backtage statt, bei denen jeder seinen Brotteig selbst mitbringen kann. Während des Wartens auf die Ergebnisse des Brot-Backkurses können sich die Teilnehmer mit Snacks stärken, die Lothar Frey mit in den Ofen geschoben hat, und die schneller fertig sind als die Brotlaibe. Focaccia mit Oliven werden aufgetischt, „Waldremser Würstchen“ im Teigmantel oder kleine Brot-Snacks mit Speck. Die Teigreste wurden vollständig verarbeitet. Auch ein Blech mit Fleischspießen hat Lothar Frey mit in den Ofen gestellt. Beim Vespern lässt sich die Wartezeit angenehm überbrücken. Doch dann steigt die Spannung. Wie ist das Brot geworden? Durch Einritzen von Zeichen oder Initialen hat jeder seine Teiglinge gekennzeichnet. Stolz nehmen die Teilnehmer ihr duftendes, selbst gebackenes Brot entgegen.

Weitere Brot-Backkurse sind geplant. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, besteht bereits eine Warteliste. Infos unter: www.dorf-backhausverein-waldrems.de.

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Erstellt:
20. August 2018, 09:20 Uhr

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