Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Viele Erlebnisse in Russland gesammelt

Auch ohne die deutsche Nationalmannschaft ein Erlebnis – selbst wenn die ersten Tage schwer waren

Nachdem sich Dietmar Meyer, wenn auch enttäuscht von der deutschen Nationalmannschaft, doch zur Reise nach Russland entschieden hatte, berichtet er nun von seinen Erlebnissen bei der Weltmeisterschaft, die er in Sankt Petersburg und Sotschi erlebt hat. Bereut hat er diese Entscheidung nicht, denn er wird die Gastfreundschaft der Russen in guter Erinnerung behalten.

Mittendrin statt nur dabei: Dietmar Meyer im Krestoski-Stadion in Sankt Petersburg. Auch wenn hier die Schweiz gegen Schweden spielte – das Deutschlandtrikot blieb an.Foto: privat

Mittendrin statt nur dabei: Dietmar Meyer im Krestoski-Stadion in Sankt Petersburg. Auch wenn hier die Schweiz gegen Schweden spielte – das Deutschlandtrikot blieb an.Foto: privat

Von Andreas Ziegele

ASPACH. „Was mache ich eigentlich hier?“, das hat sich Dietmar Meyer nach seiner Ankunft in Sankt Petersburg gefragt. Der Rietenauer hatte im Vorfeld alle Karten für die Spiele der deutschen Nationalmannschaft reserviert und wollte seine Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland unterstützen (wir berichteten). Nachdem die deutsche Mannschaft in der Vorrunde gescheitert war, dauerte es zwei Tage, bis sich Meyer entschied: „Ich fahre trotzdem hin.“ Seit Dienstag ist er nun wieder zu Hause und ist froh, dass er die Reise unternommen hat.

Nach seiner Ankunft in Sankt Petersburg hat er sich um ein Hotel bemüht. Das war dann auch schnell gefunden. Direkt neben dem „Hardrock Cafe“ checkte Meyer in ein – wie er es nennt – „Fan Hotel“ ein. Viele Nationen waren hier zu Gast und so kam er auch gleich ins Gespräch und konnte nach einer Eintrittskarte für das Spiel Schweiz gegen Schweden fragen. „Das Spiel, das eigentlich wir bestritten hätten“, wie Meyer noch immer enttäuscht anmerkt. Auf Hinweis von schwedischen Fans konnte er dann von einem Kolumbianer tatsächlich eine Karte zum normalen Preis von 210 Euro erwerben. Sicherlich von Vorteil war hier, dass er neben Englisch auch die spanische Sprache beherrscht. Am Spieltag machte Dietmar Meyer sich dann zu Fuß auf den rund zehn Kilometer langen Weg ins Krestoski-Stadion. „Man hat ja Zeit“, begründet er den Verzicht auf öffentliche Verkehrsmittel.

Großes Sicherheitsaufgebot

– auch vor den Stadien

Auffallend war bei allen Spielen die hohe Präsenz der Sicherheitskräfte. „Man muss sich hier an die Regeln halten“, sagt Meyer und nennt als Beispiel den misslungenen Versuch, ein Bier in der Öffentlichkeit zu trinken. „Nach zehn Kilometern Fußmarsch hatte ich Durst und habe mir in einem kleinen Kiosk ein Bier gegönnt“, erzählt er. Weder am Tresen noch auf dem Platz davor war ihm der Genuss vergönnt. Einmal war es die Kioskbesitzerin und dann zwei freundliche Polizisten, die ihn auf dieses Verbot aufmerksam machten.

Die zweite Station für Dietmar Meyer war dann Sotschi an der russischen Schwarzmeerküste. „Vom kühlen Sankt Petersburg in tropische Regionen“, beschreibt er den Klimawechsel. Hier erlebte er dann sein persönliches Highlight der Reise: das Viertelfinale zwischen dem Gastgeber Russland und Schweden. Von einem Chinesen hatte er vor dem Stadion eine Karte – erneut zum Normalpreis von 310 Euro – erworben. „Ein mulmiges Gefühl war es schon, ein Ticket zu kaufen, das auf einen chinesischen Namen ausgestellt war“, sagt er. Ein Abgleich zwischen Fan-ID und Eintrittskarte wurde nicht gemacht und so war er dann glücklich, im Fisht-Stadion zu sein. Kurze Zeit später war Meyer schon fester Bestandteil der russischen Fangemeinde. „Ich habe dann plötzlich ‚Rossija Rossija‘ geschrien und nach dem 2:2 der Russen hat man gemeint, das Stadion explodiert“, erzählt er auch Tage danach noch von diesen Eindrücken. „Und trotz der Niederlage und des Ausscheidens war es nach diesem Spiel eine tolle Stimmung ohne jegliche Feindseligkeiten“, stellt Meyer fest.

Insgesamt beschreibt er die Stimmung in Russland als etwas gedämpfter wie 2006 in Deutschland oder 2014 in Brasilien, zumindest außerhalb der Stadien und Fanmeilen. Lobend äußert er sich über die Stadien und die Organisation: „Das war schon alles tip top.“ Hinsichtlich der deutschen Mannschaft musste er sich oft fragen lassen: „Was war los mit euch?“ Allerdings immer ohne Häme oder Schadenfreude. Man merkt ihm an, dass ihn das frühe Ausscheiden der Deutschen noch immer beschäftigt.

Das Fazit von Dietmar Meyer über die Reise nach Russland fällt dann aber uneingeschränkt positiv aus. „Die ersten Tage waren noch von der Frage ‚Was machst du eigentlich hier?‘ überlagert und waren hart, aber dann überwog das friedliche Miteinander und das Gefühl, wie der Fußball verbinden kann.“ Durch die Gastfreundschaft hat er sich zu jeder Zeit in Russland wohlgefühlt. Meyer zeigt sich von Land und Leuten begeistert. „Ich hätte auch vor einer politischen Annäherung an Russland keine Bedenken“, sagt er, „und das unabhängig von dieser WM.“

Meyer will auch

bei der EM 2020 dabei sein

Der Tipp für das Finale bleibt für Dietmar Meyer derselbe wie vor seiner Russlandreise: „Frankreich wird Weltmeister!“ Und Pläne für die Zukunft hat er auch schon: „Die WM in Katar muss ich wirklich überdenken, ob ich da noch mal so etwas mache.“ Für die Europameisterschaft 2020 will er auf jeden Fall wieder eines der „Follow the Team“-Tickets erwerben und der deutschen Nationalmannschaft die Daumen vor Ort drücken. Für ihn ist die Vorrunde das Nonplusultra bei solchen Ereignissen. „Da sind alle Nationen da und das ist es, was den Reiz dieser Reisen ausmacht.“ Und hier möchte er dann auch mehr als drei Spiele der deutschen Mannschaft erleben.

Zum Artikel

Erstellt:
13. Juli 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Ehrenamt stärkt die Demokratie

Beim Bürgerempfang in der neuen Mehrzweckhalle in Hohnweiler wurden besonders verdiente Bürger Auenwalds geehrt