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Viele Hilfsangebote für Familienzirkus

Der kleine Circus Montreal hat für die Zeit der Coronapandemie einen Standplatz in Großerlach bekommen

Keine Vorstellungen, das bedeutet keine Einnahmen. Durch die Coronapandemie hat der kleine, familienbetriebene Circus Montreal finanzielle Probleme bekommen und musste schnell seinen ehemaligen Standort räumen. Einen neuen Platz haben sie für die Zeit der Krise in Großerlach bekommen – zusammen mit vielen Hilfsangeboten von Gemeinde und Privatpersonen.

Bürgermeister Christoph Jäger und Gabriele Köllner treffen sich am neuen Standort des Circus Montreal. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Bürgermeister Christoph Jäger und Gabriele Köllner treffen sich am neuen Standort des Circus Montreal. Fotos: A. Becher

Von Kristin Doberer

GROSSERLACH. Den kleinen Zirkus der Familie Köllner haben die Auswirkungen der Coronakrise voll getroffen: Die letzte Aufführung war am 1. Januar, seitdem fehlen die Einnahmen. „Erst kam das schlechte Wetter und jetzt noch die Coronapandemie“, sagt Gabriele Köllner. Nun ist seit Mittwoch klar, dass bis Ende August keine Großveranstaltungen stattfinden können. „Das hat uns schwer getroffen, als wir das gehört haben.“ Auch alle kleineren Auftritte in Seniorenheimen, Schulen oder Kindergärten wurden ausnahmslos abgesagt.

Ein Problem ist jetzt zumindest gelöst: Der Zirkus hat einen neuen Stellplatz in Großerlach gefunden. Zuvor war der Zirkus auf einer privaten Wiese in Bartenbach gestanden, doch das Grundstück ist verpachtet und soll bald wieder für die Landwirtschaft genutzt werden. Deshalb musste schnell ein neues Quartier her. Der Circus Montreal ist ein kleiner Familienzirkus, der von Gabriele und Andreas Köllner sowie ihren drei erwachsenen Söhnen Sami, André und Michel geführt wird. Ein eigenes Winterquartier steht ihnen und den zehn tierischen Mitgliedern – Pferde, Ponys, Lamas, Ziegen und Gänse – nicht zur Verfügung.

Nach wenigen Tagen wurde ein neuer Standort gefunden

Nach der Berichterstattung in der Murrhardter Zeitung wurde Großerlachs Bürgermeister Christoph Jäger auf die Familie aufmerksam und hat einen Stellplatz in Großerlach angeboten. „Ich hab das gesehen und dachte mir, da muss man doch was machen können“, sagt Jäger. Es handelt sich um einen ehemaligen Bolzplatz neben dem Freizeitzentrum. Der Besitzer des Freizeitzentrums, Marco Wieland, hat sich damit einverstanden erklärt. „Das war gar kein Thema für ihn und er will auch kein Geld dafür haben“, erzählt Jäger, begeistert von der unkomplizierten Zusammenarbeit. „Einfach alle haben zusammen angepackt.“

So hat der Bauhof der Familie einen Wasseranschluss gelegt, die Stromversorgung kommt übergangsweise von Werner Stark vom benachbarten Tennisverein. Allgemein habe die Gemeinde mit viel Offenheit und Hilfsbereitschaft auf die Notlage der Familie reagiert. Hier kann der Zirkus nun bis auf unbestimmte Zeit seine Zelte aufschlagen, bis die Coronakrise überstanden ist. „Wir haben uns sehr über das Angebot gefreut. Bürgermeister Jäger hat das mit dem Besitzer des Grundstücks ganz schnell und unkompliziert geregelt.“ Zunächst hatte dessen Frau Spenden zum Zirkus gebracht und dabei direkt nachgefragt, welche Fläche für den Standort gebraucht wird. Bereits am nächsten Tag kam der Anruf des Bürgermeisters mit den guten Nachrichten. Und noch viel mehr Hilfsbereitschaft hat die Familie in den letzten Wochen nach dem Bericht in der Murrhardter Zeitung erlebt: Futterspenden von Landwirten und Futterhändlern sowie kleinere Spenden von früheren Gästen des Zirkus. „Wir haben hier schon mehrmals gastiert“, sagt Köllner. „Viele, die bei unseren Vorstellungen waren, kennen uns und helfen nun mit Spenden. Dafür sind wir unglaublich dankbar.“

Doch trotz der Hilfsangebote steht der Schaustellerfamilie eine schwere Zeit bevor. Wann sie wieder Vorstellungen geben können, ist bisher nicht abzusehen. „Gerade im Frühjahr ist eigentlich unsere Hauptsaison. Jetzt können wir vorerst keine Auftritte mehr zeigen, die Kosten für Futter und Versicherungen laufen aber weiter“, erzählt Köllner. Die Familie hat Verständnis für die Maßnahmen, doch trotzdem trifft sie die Krise hart, vor allem, da nun auch noch ein Motorschaden an ihrem Futterwagen dazugekommen ist. Wie sie nun Futter abholen und den Mist der Tiere wegbringen können, wissen sie noch nicht.

Der Circus Montreal ist weiterhin dankbar für kleinere Spenden – für Tier und Mensch. Wer helfen möchte, kann sich via E-Mail an circus.montreal@web.de oder unter Mobil 0157/71592505 melden.

Auch Gänse gehören zum Zirkus.

© Alexander Becher

Auch Gänse gehören zum Zirkus.

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Erstellt:
20. April 2020, 06:00 Uhr

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