Volksbank Backnang ist zufrieden mit dem Jahr 2023

Die Volksbank Backnang blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2023 zurück. Das Betriebsergebnis wurde um 6,3 Prozent gesteigert. Bei den Baufinanzierungen registriert die Genossenschaftsbank einen Einbruch, dafür erlebt der Bausparvertrag eine Renaissance.

Der neue Volksbank-Chef Jürgen Schwab auf der Galerie der Kundenhalle in der Hauptstelle Backnang. Der 56-Jährige ist bereits seit 2016 Mitglied des Vorstands, zum 1. Januar hat er von Jürgen Beerkircher den Vorsitz übernommen. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Der neue Volksbank-Chef Jürgen Schwab auf der Galerie der Kundenhalle in der Hauptstelle Backnang. Der 56-Jährige ist bereits seit 2016 Mitglied des Vorstands, zum 1. Januar hat er von Jürgen Beerkircher den Vorsitz übernommen. Foto: Alexander Becher

Von Kornelius Fritz

Backnang. Weltweite Krisen, hohe Inflation und das Ende der jahrelangen Nullzinsphase – das Jahr 2023 hatte viele Überraschungen im Gepäck. Das hat man auch bei der Volksbank Backnang gemerkt: „Der Beratungsbedarf bei unseren Kunden war sehr hoch“, sagt Jürgen Schwab, der neue Vorstandsvorsitzende der Genossenschaftsbank (siehe Infotext). Für die Bank selbst ist das abgelaufene Jahr erfreulich verlaufen – zumindest wenn man auf das Betriebsergebnis schaut, das im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent auf 24,6 Millionen Euro gesteigert wurde. Auch die Kundeneinlagen und die Kredite haben sich erhöht. Dass die Bilanzsumme dennoch leicht zurückgegangen ist, begründet der Nachfolger von Jürgen Beerkircher mit einem Rückgang bei den Transaktionen mit anderen Banken.

Zu den Gewinnern der vergangenen Monate gehören die Sparer, die nach dem Rückgang der Inflation auch mit festverzinslichen Anlagen wieder eine reale Rendite erzielen können. Dafür kommen nun die Häuslesbauer ins Schwitzen. Viele hätten ihre Baupläne wegen des Zinsanstiegs erst einmal zurückgestellt, weiß Jürgen Schwab: „Das Neubaugeschäft war im vergangenen Jahr sehr ruhig.“ Eine Renaissance erlebte dafür der Bausparvertrag, den die Volksbank über die Bausparkasse Schwäbisch Hall vermittelt. Die Aussicht auf günstige Darlehenszinsen und langfristige Sicherheit habe diese Anlageform, die lange Zeit ein etwas verstaubtes Image hatte, wieder in den Fokus gerückt.

An neun Standorten gibt es nur noch Automaten

Insgesamt ist Jürgen Schwab mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zufrieden: „Das Ergebnis zeigt, dass wir nach wie vor ein hohes Kundenvertrauen genießen.“ Allerdings hätten sich die Wünsche der Kundschaft in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. Die Frequenz in den Geschäftsstellen ist zurückgegangen, gleichzeitig werden inzwischen drei Viertel der Girokonten online geführt. Und auch die Telefonberatung boomt: So habe das zentrale Callcenter in Murrhardt im vergangenen Jahr rund 86000 Anrufe entgegengenommen. Rund die Hälfte der Anliegen sei dort auch gleich abschließend bearbeitet worden.

Weitere Themen

Die Kundschaft erwarte heute, dass ihre Probleme schnell gelöst werden, weiß Jürgen Schwab. So sei etwa ein Verbraucherkredit über den Partner Easy Credit oft schon innerhalb weniger Minuten auf dem Konto. Wer lieber eine persönliche Beratung möchte, bekommt diese aber auch weiterhin in elf Filialen. An neun Standorten gibt es mittlerweile nur noch Automaten. Um Kosten zu sparen, werden diese in fünf Fällen gemeinsam mit der Kreissparkasse Waiblingen betrieben.

Vorerst keine weiteren Filialschließungen

Weitere Filialschließungen sind laut Schwab derzeit nicht geplant. An zwei Standorten investiert die Volksbank sogar in großem Stil in ihre Gebäude: So wird die Regionaldirektion in Murrhardt komplett entkernt und um ein Geschoss aufgestockt. In Großaspach beginnt in wenigen Tagen der Abriss der alten Geschäftsstelle, die durch einen Neubau ersetzt wird. Sowohl in Murrhardt als auch in Aspach werden in den oberen Stockwerken auch neue Wohnungen entstehen.

Auch in Nachhaltigkeit will die Volksbank Backnang investieren, um bis 2040 klimaneutral zu sein. Schon heute sind laut Schwab alle größeren Gebäude mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet, bei den Filialen in Sulzbach und Murrhardt wurden auch E-Ladesäulen eingerichtet. Die Bemühungen, Ressourcen zu sparen, würden vom Gesetzgeber aber nicht immer unterstützt, kritisiert der Vorstandsvorsitzende. Dass etwa Änderungen der allgemeinen Geschäftsbedingungen noch immer auf Papier an alle Kunden verschickt werden müssen, passt für Jürgen Schwab nicht mehr in die Zeit.

Das Geschäftsjahr 2023 in Zahlen Bilanz20232022in % Bilanzsumme2426 Mio. Euro2447 Mio. Euro- 0,8 Kredite1763 Mio. Euro1733 Mio. Euro+ 1,8 Kundeneinlagen1841 Mio. Euro1810 Mio. Euro+ 1,7 Wertpapierumsatz137 Mio. Euro170 Mio. Euro- 19,4 Betriebsergebnis24,6 Mio. Euro23,1 Mio Euro+ 6,3 Mitarbeiterzahl273273 0,0 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023
Jürgen Schwab

Beruf Der neue Vorstandsvorsitzende bezeichnet sich selbst als „Backnanger Urgestein“, auch wenn er schon seit vielen Jahren in Allmersbach im Tal wohnt. Sein komplettes Berufsleben hat Jürgen Schwab bei der Volksbank Backnang verbracht. Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einer Fortbildung zum Bankbetriebswirt war er in unterschiedlichsten Funktionen für die Genossenschaftsbank tätig. „Es gibt fast nichts, was ich nicht gemacht habe“, erzählt er schmunzelnd. Seit Januar 2024 leitet er den Vorstand, dem außerdem Miroslav Starcevic (Privatkundengeschäft) und Wolfgang Matt (Interne Prozesse) angehören.

Privates Der 56-Jährige ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Seine Leidenschaft gehört dem Fußball. Beim Oberligisten TSG Backnang, für den er einst selbst am Ball war, sitzt er im Aufsichtsrat. Außerdem drückt er dem Bundesligisten Eintracht Frankfurt die Daumen. Auch für andere Sportarten kann er sich begeistern. Vielseitig ist auch sein Musikgeschmack von Klassik bis Rock, außerdem wandert er gerne.

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Erstellt:
7. März 2024, 06:00 Uhr

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