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Von der Leyen will „Wind of Change“ für Zapfenstreich

dpa Berlin. Drei Lieder zum Abschied: Die Auswahl der Stücke für den großen Zapfenstreich am Ende einer Amtszeit sind ein Statement der besonderen Art. Mancher zieht damit ernsthaft Bilanz, andere verleihen der feierlichen Zeremonie ein Augenzwinkern.

Die Scorpions um Gründer Rudolf Schenker (l) spielen in Stuttgart. Foto. Daniel Maurer Foto: Daniel Maurer

Die Scorpions um Gründer Rudolf Schenker (l) spielen in Stuttgart. Foto. Daniel Maurer Foto: Daniel Maurer

Die frühere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wird am kommenden Donnerstag beim großen Zapfenstreich mit der Rockballade „Wind of Change“ von den Scorpions verabschiedet.

Die künftige EU-Kommissarin wünschte sich vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr zudem die von Mozart vertonte mittelalterliche Hymne „Ave Verum“ und die Europahymne „Ode an die Freude“ aus der 9. Sinfonie Ludwig van Beethovens, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Verteidigungsministerium erfuhr. Die feierliche Zeremonie findet am späten Donnerstagabend vor dem Bendlerblock statt.

Von der Leyen hatte vor drei Wochen ihr Ministeramt an die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer übergeben, nachdem sie zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt worden war. Ihr neues Amt soll sie am 1. November antreten.

Der Große Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr, mit dem auch Bundeskanzler und Bundespräsidenten verabschiedet werden. Die Geehrten dürfen sich traditionell drei bis vier Lieder wünschen, die dann vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr gespielt werden.

Mit „Wind of Change“ entscheidet sich von der Leyen für den wohl bekanntesten Hit der Scorpions, die wie sie in der Region Hannover zu Hause sind. „Wind of Change“ ist einer der erfolgreichsten Rocksongs in deutscher Sprache und gilt als Hymne der Wendezeit. Scorpions-Sänger Klaus Meine schrieb die Ballade, mit der er die Umbruchstimmung in der Sowjetunion Ende der 80er Jahre einfing, kurz vor dem Mauerfall. Ein Jahr später wurde sie veröffentlicht und 1991 zum Nummer-Eins-Hit in zahlreichen Ländern. Das offizielle Video der Band ist bis heute mehr als 700 Millionen Mal online aufgerufen worden.

Das Stück passt zu dem Anspruch, mit der von der Leyen 2013 in ihr Amt startete. Frischen Wind wollte sie vor allem in den Rüstungssektor bringen, um dort verkrustete Strukturen aufzubrechen. Der Einsatz externer Berater brachte ihr schließlich aber einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein, vor dem sie wahrscheinlich auch als EU-Kommissarin noch aussagen muss.

Die Auswahl der Europahymne erklärt sich von selbst - ein Gruß an alle 28 Mitgliedstaaten der EU, denen sie ab November verpflichtet ist. „Ave Verum“ ist die Vertonung eines mittelalterlichen Reimgebets in lateinischer Sprache.

Das musikalische Programm des Zapfenstreichs ist immer ein Statement der besonderen Art. Der eine wählt einfach einige Lieblingssongs, andere wollen damit ihre Amtszeit einigermaßen ernsthaft bilanzieren. So mancher will der feierlichen Zeremonie aber auch ein Augenzwinkern verleihen.

Von der Leyens Vorgänger Thomas de Maizières entschied sich beispielsweise 2013 nach einer turbulenten Amtszeit, an deren Ende die Affäre um die Riesendrohne „Euro Hawk“ stand, für „Live is Live“ der österreichischen Popgruppe Opus. Auch die Musikauswahl des CSU-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister wegen der Plagiats-Affäre 2011 hatte eine selbstironische Note: Er wünschte sich den Rock-Klassiker „Smoke on the Water“ von Deep Purple.

Traditionell militärisch gestaltete Bundespräsident Roman Herzog 1999 seinen Abschied mit dem „Coburger Marsch“, dem Reitermarsch des Großen Kurfürsten und dem „Bayerischen Militärgebet“. Das Kontrastprogramm dazu war 2010 die Serenade - so etwas wie ein „kleiner Zapfenstreich“ - zum Abschied des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). In Anwesenheit von Udo Jürgens spielte die Bundeswehr damals mehrere Songs des Schlagerstars, darunter „Aber bitte mit Sahne“.

Eine etwas abwechslungsreichere Auswahl traf Bundeskanzler Gerhard Schröder 2005. Erst ließ er „Summertime“ aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“ und Kurt Weills „Moritat von Mackie Messer“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ spielen. Danach gab ein Trompeter Frank Sinatras „My Way“ zum Besten - was den Kanzler zu Tränen rührte.

Auch sein Vorgänger Helmut Kohl weinte, als er 1998 als erster Regierungschef des wiedervereinigten Deutschlands mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet wurde. Neben dem Reitermarsch des Großen Kurfürsten und dem Choral „Nun danket alle Gott“ wählte Kohl übrigens ein Lied, das sich jetzt auch im Programm von der Leyens findet: die Europahymne „Ode an die Freude“.

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Erstellt:
11. August 2019, 14:54 Uhr

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