Nur jeder Fünfte ist geimpft
Warum die Impfung gegen Gürtelrose schon ab 18 empfohlen wird
Menschen ab 60 Jahren wird eine Impfung gegen Gürtelrose generell empfohlen. Vielfach macht sie Experten zufolge aber schon weitaus früher Sinn. Die offizielle Empfehlung wurde entsprechend angepasst.
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Verdacht auf Gürtelrose: Bei solchen rotgefärbten Bläschen auf der Haut, sollten Sie dringend zum Arzt gehen.
Von Markus Brauer/dpa
Die Impfung gegen Gürtelrose wird Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko bereits ab 18 statt wie bisher ab 50 Jahren empfohlen. Ein entsprechender Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) trat am Freitag (13. Februar) in Kraft.
Erhöhtes Risiko für Vorerkrankte
Ein erhöhtes Risiko gibt es dem G-BA zufolge bei einer schwer ausgeprägten chronischen Grunderkrankung wie Diabetes, Niereninsuffizienz, Arthritis, entzündlichen Darmerkrankungen, Asthma oder der Lungenerkrankung COPD sowie bei Immunschwäche.
Als Standardimpfung gilt die Impfung weiterhin für alle Menschen ab 60 Jahren. Empfohlen werde eine zweimalige Impfung im Abstand von mindestens zwei bis maximal sechs Monaten mit einem Totimpfstoff, heißt es.
Übles Varizella-Zoster-Virus
Die Impfung richtet sich gegen das Varizella-Zoster-Virus, das beim Menschen Windpocken hervorrufen und dann lebenslang im Körper schlummern kann. Bei älteren Menschen oder solchen mit geschwächtem Immunsystem kann das Virus reaktiviert werden und Gürtelrose verursachen, einen oft sehr schmerzhaften Hautausschlag.
Möglich sind zudem über Monate oder Jahre anhaltende, schmerzhafte Nervenschäden, Sehkraft- oder Hörminderungen sowie eine Lähmung des Gesichtsnervs.
Höheres Risiko für Erkrankung und schwere Verläufe
Für immungeschwächte Menschen, solche mit Autoimmunerkrankungen oder mit schweren Ausprägungen bestimmter chronischer Grunderkrankungen besteht der Ständigen Impfkommission (Stiko) zufolge unabhängig vom Alter ein erhöhtes Risiko, an Gürtelrose zu erkranken. Auch das Risiko für schwere Krankheitsverläufe sowie für Folgeerkrankungen sei größer als bei Immungesunden.
Leichte oder unkomplizierte beziehungsweise medikamentös gut kontrollierte Formen chronischer Grunderkrankungen bei Menschen zwischen 18 und 59 Jahren sind nach Einschätzung der Stiko nicht mit deutlich erhöhten Risiken verknüpft. Für sie gilt die Empfehlung daher nicht. Nach bisherigem Kenntnisstand halte die Schutzwirkung der Impfung mindestens zehn Jahre an, heißt es.
Möglicher Zusatznutzen: Schutz vor Demenz
Jüngeren Forschungsergebnissen zufolge, die für den G-BA-Beschluss keine Rolle spielten, gibt es einen Nebeneffekt: Impfungen gegen Gürtelrose können offenkundig zumindest bei Frauen das Risiko vermindern, eine Demenz zu bekommen, und den Verlauf einer Demenz verzögern.
Die Ergebnisse beruhen auf Lebendimpfung mit abgeschwächten Herpes-Zoster-Viren - ein Impfstoff, der in Deutschland nicht mehr genutzt wird. Es gibt Hinweise darauf, dass der hierzulande empfohlene Totimpfstoff (Handelsname Shingrix) sogar noch besser vor Demenz schützen könnte.
Impfquote bei ab 80-Jährigen besonders niedrig
Nur etwa jeder fünfte Deutsche über 60 ist einer Auswertung der Krankenkasse Barmer zufolge vollständig gegen Gürtelrose (Herpes zoster) geimpft, obwohl es für Menschen in dem Alter die bereits erwähnte Impfempfehlung gibt.
Das geht aus dem neuen Arzneimittelreport der Barmer hervor. Die Ergebnisse beziehen sich auf den Zeitraum von 2019 bis 2023. Für den Report hat die Krankenkasse Daten von Barmer-Versicherten ab 18 Jahren einbezogen. Die Barmer versichert bundesweit rund 8,4 Millionen Menschen.
Dem Barmer-Report zufolge ist die Impfquote bei älteren Patienten ab 80 Jahren besonders niedrig. Obwohl sie als besonders gefährdet gelten, lag die Impfquote im betrachteten Zeitraum bei nur knapp 16 Prozent, wie die Barmer mitteilt.
Wie entsteht eine Gürtelrose?
Die Gürtelrose ist eine Nervenerkrankung und wird durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst – dasselbe Virus, das im Kindesalter Windpocken verursacht. Nach Abklingen der Windpocken bleibt das Virus „schlafend“ in den Nervenzellen des Körpers zurück und kann Jahre später wieder aktiv werden.
„Besonders häufig tritt eine Gürtelrose bei Menschen ab 50 Jahren auf oder in Phasen, in denen das Immunsystem geschwächt ist“, erklärt Kerstin Lommel, Chefärztin der Dermatologie und Allergologie im Helios Klinikum Berlin-Buch.
Was sind typische Symptome?
Erste Symptome können Schmerzen in den betroffenen Hautbereichen, Abgeschlagenheit, Berührungsempfindlichkeit und Fieber sein. Eine Gürtelrose tritt in der Regel nur einseitig an Armen, Beinen oder Rumpf auf - oder auch am Kopf, wenn der Trigeminusnerv betroffen ist.
Ein bis zwei Tage nach den ersten Beschwerden komme der charakteristische Ausschlag. „Das eindeutigste Symptom für eine Gürtelrose ist ein Hautausschlag bestehend aus in Gruppen stehenden Bläschen auf geröteter Haut in den betroffenen Arealen“, erläutert die Fachärztin. „Die Bläschen sind mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt und verkrusten nach einigen weiteren Tagen.“
Warum ist eine schnelle Behandlung wichtig?
Bereits bei ersten Anzeichen einer Gürtelrose sollten Betroffene kurzfristig eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Um einen möglichst komplikationsfreien Krankheitsverlauf zu erreichen, sollte die Behandlung mit einer antiviralen Medikation möglichst früh beginnen, rät Lommel.
„Im besten Fall in den ersten Stunden nach dem Auftreten des Ausschlags auf der Haut.“ Außerdem können Schmerzmittel eingenommen werden, eine entsprechende Hautpflege den Juckreiz lindern und antiseptische Maßnahmen verhindern, dass auch noch eine bakterielle Infektion hinzukommt.
Bildet sich die Gürtelrose zurück?
Die Gürtelrose bildet sich bei den meisten Menschen nach etwa fünf bis sieben Tagen zurück. Verläuft sie jedoch schwerer, werden Betroffene stationär aufgenommen und medizinisch überwacht.
Wie ansteckend ist die Erkrankung?
Die Flüssigkeit in den Bläschen ist ansteckend und kann durch Schmierinfektionen übertragen werden. Patienten können die Ansteckungsgefahr für ihre Mitmenschen gering halten, indem sie den Ausschlag möglichst gut bedecken. Im Gesichtsbereich ist das aber schwierig. Daher sollte dann vor allem der Kontakt mit Schwangeren, Kindern und Menschen mit Immunschwäche gemieden werden.
