So isst Deutschland

Warum die Produktion von Fertiggerichten stark ansteigt

Sie sind oft billig und schnell verzehrbereit: Viele Menschen greifen gern zu hochverarbeiteten Lebensmitteln. Unternehmen machen damit Gewinn. Doch Käufer riskieren ihre Gesundheit, warnen Experten.

Lecker? Nö! Gesund? Nochmal nö!Fertiggericht in einer Kunststoffschale mit Fleisch, Sauce und Kartoffelpüree zum Erhitzen im Wasserbad.

© Imago/Gottfried Czepluch

Lecker? Nö! Gesund? Nochmal nö!Fertiggericht in einer Kunststoffschale mit Fleisch, Sauce und Kartoffelpüree zum Erhitzen im Wasserbad.

Von Markus Brauer/AFP/dpa

In Deutschland werden immer mehr Fertiggerichte produziert.

Im Jahr 2024 wurden 1,7 Millionen Tiefkühlpizzen, Lasagnen und Ähnliches hergestellt – 25,6 Prozent mehr als im Jahr 2019, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch (14. Januar) mitgeteilt hat. Allerdings ändert sich im längerfristigen Vergleich die Zeit, die durchschnittlich dafür verwendet wird, Mahlzeiten zuzubereiten, kaum.

  • Eine Zunahme gab es den Angaben nach vor allem bei der Produktion von Nudelgerichten. Mengenmäßig legten sie von 2019 bis 2024 um 56,4 Prozent zu.
  • Auch bei Fleischgerichten gab es ein deutliches Plus von 43,2 Prozent.
  • Geringer war der Anstieg in der Kategorie der „anderen Fertiggerichte“, zu denen etwa Tiefkühl-Pizzen zählen. Mit 655.000 Tonnen war dies jedoch weiterhin die gewichtigste Kategorie.

Frauen stehen länger am Herd

Trotz dieses Anstiegs verbringen Menschen in Deutschland nicht weniger Zeit mit der Essenszubereitung: „41 Minuten täglich wenden Menschen ab 10 Jahren in Deutschland im Schnitt für die Zubereitung von Mahlzeiten und die damit verbundene Küchenarbeit auf“, erklärt Destatis unter Verweis auf eine Erhebung aus dem Jahr 2022. Zehn Jahre vorher waren es 40 Minuten.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist dabei weiterhin groß, wird aber kleiner. 2012 verbrachten Frauen und Mädchen im Schnitt täglich 31 Minuten länger mit der Essenszubereitung als Jungen und Männer. 2022 waren es noch 24 Minuten.

 

Welche Ernährungstypen gibt es?

Allesesser oder Vegetarier? Das war einmal. Die Essgewohnheiten von heute sind sehr viel komplexer. Welche Ernährungstypen gibt es? Wer ist eigentlich was? Ein Überblick:

Vegetarier

Vegetarier verspeisen nur was von lebenden Tieren stammt - wie zum Beispiel Milchprodukte, Eier und Honig. Jedoch gibt es sehr verschiedene Arten des Vegetarismus. Hierzu gehören Ovo-Vegetarier, Lacto-Vegetarier, Ovo-Lacto-Vegetarier, Ovo-Lacto-Pisce-Vegetarier und Veganer.

Ovo-Vegetarier

  • Fleisch, Fisch, Milchprodukte: nein
  • Eier: ja

Lacto-Vegetarier

  • Fleisch, Fisch, Eier: nein
  • Milchprodukte: ja

Ovo-Lacto-Vegetarier

  • Fleisch, Fisch: nein
  • Eier, Milchprodukte: ja

Ovo-Lacto-Pisce-Vegetarier

  • Fleisch: nein
  • Fisch, Eier, Milchprodukte: ja

Veganer

  • tierische Produkte (auch Milch, Eier, Honig): nein
  • pflanzliche Lebensmittel: ja und verzichten auf alles vom Tier, das heißt tierische Erzeugnisse (wie Lederprodukte, Wollpullis, Daunenbetten): nein

Frutarier

  • lebende Pflanzen (Blätter, Knollen, Wurzeln): nein
  • abgestorbene Pflanzen (wie Fallobst, Nüsse, Beeren, Getreide, Samen): ja, da diese Nahrungsmittel für sie schon bei der Ernte abgestorben sind.

Pescetarier

  • Fleisch: nein
  • Fisch: ja
  • Erzeugnisse von lebenden Tieren (wie Honig, Eier, Milch): ja

Pudding-Vegetarier

  • Fleisch, Fisch: nein
  • Vitamine, Ballaststoffe, Kalorien: wenig
  • Fertiggerichte: häufig

Flexitarier

  • Gelegenheitsvegetarier, gesunde Ernährung, (Bio-)Gütesiegel: ja
  • Fleisch, Fisch: gelegentlich

Freeganer

  • Lebensmittel: offen für alle Produkte, die selbst angebaut, geschenkt, gefunden oder weggeworfen sind
  • Rohköstler
  • offen für alle Lebensmittel, die nicht mehr als auf 40 Grad erhitzt werden dürfen
  • Nahrung muss im Rohzustand sein.

Urköstler

  • Alle Produkte, die in der Natur zu finden sind (wie zum Beispiel lebende Käfer, Ameisen, Würmer und Schnecken, Wildkräuter und Beeren)
  • Makrobiotiker
  • Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse: hauptsächlich
  • Früchte, Nüsse, Samen: in geringerem Umfang
  • Fisch: manchmal

Hochverarbeitetes Essen schadet der Gesundheit

Was auf den ersten Blick nach bequemer, schneller Mahlzeit aussieht, kann der Gesundheit langfristig schaden. Die zunehmend von hochverarbeiteten Lebensmitteln dominierte Ernährung trage zum weltweiten Anstieg von Fettleibigkeit, Diabetes und psychischen Erkrankungen bei, warnt Phillip Baker von der Universität Sydney in Australien, Mitautor einer umfassenden Analyse zum Thema.

Nötig sei eine starke globale Reaktion ähnlich wie bei den koordinierten Bemühungen gegen die Tabakindustrie, bilanziert das Team. Die Verdrängung etablierter Ernährungsgewohnheiten durch hochverarbeitete Lebensmittel sei ein wesentlicher Treiber für die weltweit steigende Belastung durch ernährungsbedingte chronische Krankheiten, betonen die 43 Experten.

Was steckt hinter dem Begriff?

Bei hochverarbeiteten Lebensmitteln handelt es sich laut der sogenannten Nova-Klassifizierung um industriell hergestellte Produkte aus billigen Zutaten wie gehärteten Ölen und Glukose-/Fruktosesirup sowie Zusatzstoffen wie Aromen und Farbstoffen, die meist zahlreiche Verarbeitungsschritte durchlaufen.

Oft sind sie verzehrfertig oder nur noch aufzuwärmen, typisch sind zudem attraktive Verpackungen. Zucker, Fett oder Salz (oder Kombinationen davon) sind gängige UPF-Bestandteile, typischerweise in höheren Konzentrationen als in verarbeiteten Lebensmitteln, wie die Forscher erläutern.

Zum Artikel

Erstellt:
14. Januar 2026, 12:44 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen