Mangel auch in Stuttgart
Warum gibt es aktuell keine Chia-Samen?
Leere Regale und hohe Preise: Warum Chia-Samen aktuell kaum zu bekommen sind und wann endlich wieder mit Nachschub zu rechnen ist.
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Leinsamen und Chia-Samen sind gleichermaßen wertvoll für die Ernährung.
Von Michael U. Maier
Vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen: Das Regal im Supermarkt, in dem sonst die kleinen schwarzen und weißen Chia-Samen stehen, klafft leer. Oder Ihr bevorzugter Online-Händler meldet seit Wochen „derzeit nicht lieferbar“. Ein echter Lebensmittel-Engpass wie derzeit ebenfalls bei Eiern.
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Auch Chia-Samen, einst ein Nischenprodukt und heute ein Grundnahrungsmittel für Gesundheitsbewusste, sind plötzlich schwer zu bekommen oder sehr teuer geworden – aber warum nur?
Um das Problem zu verstehen, müssen wir nach Südamerika blicken. Paraguay, Bolivien und Argentinien sind die „Kornkammern“ der Chia-Welt. Fast 80 Prozent der weltweiten Produktion stammen aus dieser Region.
Schlechte Chia-Ernte in Südamerika
Doch die Erntesaison 2024/2025 stand unter keinem guten Stern. Das Wetter spielte verrückt. In Paraguay, dem wichtigsten Exportland, vertrockneten viele Pflanzen noch auf dem Feld durch extreme Dürre. Was die Dürre überlebte, wurde in einigen Regionen durch unerwarteten Frost geschädigt.
Das Ergebnis: Die Erträge brachen massiv ein. Es gibt schlichtweg kaum Ware, die nach Europa verschifft werden kann. Hohe Nachfrage trifft auf leere Lager. Und w ährend die Bauern in Südamerika mit dem Klima kämpfen, ist der Appetit auf Chia im Rest der Welt ungebrochen.
Kaum noch Bio-Chia in Stuttgart
Ob im trendigen Frühstück, im Brot oder als veganer Ei-Ersatz – die Nachfrage steigt seit Jahren. Wenn eine gleichbleibend hohe oder steigende Nachfrage auf ein plötzlich wegbrechendes Angebot trifft, passiert das Unvermeidliche: Die Preise explodieren und die Verfügbarkeit sinkt. Bio-Ware ist davon noch stärker betroffen als konventionelle Samen. Der Mangel zeigt sich gerade auch in der Öko-Hochburg Stuttgart.
Wann gibt es wieder Chia-Samen in Stuttgart?
Leider ist jetzt Geduld gefragt, denn die nächste große Ernte in Südamerika wird erst Mitte des Jahres 2026 eingebracht. Bis diese verarbeitet, verpackt und per Schiff nach Europa transportiert ist, wird es Herbst werden. Experten rechnen damit, dass sich die Lage in den Regalen erst gegen September oder Oktober 2026 spürbar entspannt.
Lokale Alternativen zu Chia
Müssen wir jetzt auf unser gesundes Frühstück verzichten? Keineswegs. Es gibt heimische Alternativen, die oft sogar günstiger und ökologisch sinnvoller sind, da sie keine Weltreise hinter sich haben.
- Leinsamen: Der heimische Champion hat ein fast identisches Quellvermögen und liefert ebenfalls reichlich Omega-3-Fettsäuren. Schroten Sie die Leinsamen frisch, damit der Körper die Nährstoffe besser aufnehmen kann.
- Flohsamenschalen: Wenn es vor allem um die Verdauung und das Binden von Flüssigkeit (z.B. beim Backen) geht, sind sie unschlagbar.
- Hanfsamen: Sie quellen zwar nicht so stark auf, sind aber wahre Proteinbomben und haben einen tollen, nussigen Geschmack.
Die gute Nachricht: Solche Engpässe wie aktuell bei Chia sind meist temporär. Andere Anbaugebieten wie Afrika oder Australien steigen zunehmend in den Markt ein und sollten längerfristig für Ausgleich und Stabilität sorgen.
