Schneesturm

Was ist ein „Blizzard“? (Definition)

Deutschland bibbert an einer Luftmassengrenze, die Erinnerungen an 1978/79 weckt. Drei harte Kriterien müssen erfüllt sein, damit Meteorologen offiziell von einem Blizzard sprechen.

Blizzard über Montreal (Archiv).

© IMAGO/VCG

Blizzard über Montreal (Archiv).

Von Michael U. Maier

Ein Blick aus dem Fenster genügt in vielen Teilen Deutschlands, um zu wissen: Das ist kein normaler Wintertag. Während sich der Norden und Osten gerade durch Schneewehen kämpft und der Süden von Sturmböen bedroht ist, fällt in den Nachrichten immer wieder ein Wort, das man sonst eher aus US-Katastrophenfilmen kennt: Blizzard.

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Doch was genau unterscheidet das aktuelle Sturmtief „Elli“, das uns einen turbulenten Januar 2026 beschert, von einem herkömmlichen Schneesturm?

Blizzard-Definition

Der Begriff „Blizzard“ stammt ursprünglich aus Nordamerika, wo eisige Winde ungebremst von Kanada in die USA rauschen. Meteorologisch gesehen reicht „viel Schnee“ allein nicht aus, um von einem Blizzard zu sprechen. Laut dem National Weather Service und übernommen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) müssen drei harte Kriterien gleichzeitig erfüllt sein:

  • Der Wind: Es müssen Windgeschwindigkeiten von mindestens 56 km/h (Windstärke 7 Bft) herrschen.
  • Die Sicht: Durch fallenden oder vom Boden aufgewirbelten Schnee sinkt die Sichtweite auf unter 400 Meter.
  • Die Dauer: Dieser Zustand muss mindestens 3 Stunden anhalten.

„Ground Blizzard“, „Whiteout“ und „Bombenzyklon“

Das Tückische: Es muss nicht einmal frisch schneien. Ein sogenannter „Ground Blizzard“ entsteht allein dadurch, dass alter Schnee durch Sturm so stark aufgewirbelt wird, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht (Whiteout).

Genau diese Zutaten liefert uns derzeit die Wetterküche. Wir erleben im Januar 2026 eine klassische, aber brutale Luftmassengrenze.

Tief „Elli“ schiebt sich quer über Deutschland. Es fungiert als Kampflinie zwischen zwei Extremen:

  • Aus dem Südwesten drückt milde, feuchte Atlantikluft herein („Bombenzyklon“).
  • Aus dem Nordosten hält sibirische Kälte dagegen.

Wo diese Giganten aufeinanderprallen – aktuell besonders über der Nordhälfte und den Mittelgebirgen – entlädt sich die Energie in massivem Schneefall gepaart mit Sturmböen. Das Ergebnis sind die meterhohen Schneeverwehungen, die gerade Autobahnen lahmlegen und den Bahnverkehr zum Erliegen bringen.

Rekordwinter 1978/79

Viele Meteorologen und Zeitzeugen fühlen sich an die legendäre Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978/79 erinnert. Auch damals sorgte eine festgefahrene Luftmassengrenze für einen Stillstand des öffentlichen Lebens. Zwar ist unsere Infrastruktur heute besser gerüstet, doch gegen die Physik eines echten Blizzards – wenn Wind und Schnee die Orientierung unmöglich machen – ist auch moderne Technik oft machtlos.

The circle of life für Kartoffelmedien.1. Weltuntergang erfinden. #Lebensgefahr2. Ups.3. Alles absagen, was auch wieder nicht korrekt ist.4. "Die Meteorologen haben sich geirrt." pic.twitter.com/vaIvGz8d2e — Jörg @kachelmann anderswo: @realkachelmann (@Kachelmann) January 9, 2026

Jörg Kachelmann warnt vor Panikmache

Ob man es nun wissenschaftlich korrekt „Blizzard“ nennt oder einfach nur „Schneechaos“: Die aktuelle Lage hat es in sich. Die Kombination aus Sturm und Glätte (besonders dort, wo der Schnee in Eisregen übergeht) ist gefährlich – auch wenn sich Meteorologen uneins sind und Jörg Kachelmann sogar vor „Panikmache“ warnt.

„All die täglichen Lügengeschichten und Weltuntergangsmärchen führen unweigerlich dazu, dass es niemand mehr dann ernst nimmt, wenn was wirklich Schlimmes kommt“, lehnt sich der Schweizer bei Instagram aus dem Fenster – und schimpft bei X über „Kartoffelmedien“.

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Erstellt:
9. Januar 2026, 09:56 Uhr

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